Basketball

Alba hat plötzlich ein Problem mit dem Endspurt

In beiden Halbfinal-Duellen der „Best-of-five“-Serie gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück ließen die Berliner im Schlussviertel nach. Müdigkeit ist für Trainer Obradovic aber nicht die Ursache.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Der Druck steigt. Und natürlich wäre es den Spielern von Alba Berlin lieber gewesen, wenn die Artland Dragons am Sonntag in Spiel drei der „Best-of-five“-Serie des Halbfinales zur Deutschen Meisterschaft (18.30, O2 World) unter ultimativem Erfolgszwang stehen würden. Aber es ist anders gekommen: Die Drachen glichen die Serie am Mittwoch mit einem 91:84 (37:44) in eigener Halle zum 1:1 aus und kommen jetzt mit breiter Brust nach Berlin, wo sie Spiel eins auch nur wegen einer taktischen Dummheit drei Sekunden vor Schluss verloren hatten. Der Druck liegt jetzt beim Team von Sasa Obradovic.

„Wir müssen dieses Spiel so schnell wie möglich vergessen und uns auf die Partie am Sonntag konzentrieren“, forderte Albas Coach und gab zu. „Die Dragons haben diesen Sieg verdient. Am Ende eines Spiels, wenn es eng wird, treffen sie die schweren Würfe. Ich habe erwartet, dass es eine enge Serie wird, die Dragons spielen großartigen Basketball.“

Ganz so schnell wird Obradovic die Niederlage in Quakenbrück nicht abhaken können. Vielmehr wird er einem Phänomen nachspüren müssen, das schon beim Zittersieg in Berlin sichtbar wurde. In beiden Spielen hatte sein Team das Spiel 30 Minuten lang unter Kontrolle, führte in Spiel eins nach drei Vierteln 60:51 und auswärts 65:59. In Berlin ging das Schlussviertel dann mit 12:21, auswärts sogar mit 19:32 verloren. „Dieses Thema wird uns in den nächsten Tagen ganz sicher beschäftigen“, sagt Albas Coach. „In beiden Spielen ist es den Dragons gelungen, mit nur einer Aktion die Verhältnisse komplett umzukehren. Das hat mit Müdigkeit oder so nichts zu tun und es gibt auch kein Geheimnis, wie man das verhindern kann: Wir müssen über 40 Minuten voll konzentriert bleiben.“

Abseits des Nachlassens im Schlussviertel gab es aber auch markante Unterschiede zwischen den beiden Halbfinal-Duellen. In Berlin gewann Alba das Rebound-Duell mit 38:22, im Artland ging es mit 27: 42 verloren. Eine erstaunliche Statistik, wenn man bedenkt, wie knapp beide Spiel waren, denn Alba lag nach einem Dreier von Jan-Hendrik Jagla auch im Artland 55 Sekunden vor Schluss nur 82:83 zurück.

Kuriose Pfiffe gegen Jagla

Noch erstaunlicher allerdings ist, dass die Schiedsrichter in Spiel zwei 31 Fouls der Berliner ahndeten und nur 18 bei den Dragons, was ein Freiwurfverhältnis von 20:41 zur Folge hatte. „Mit so einem Foul- und Freiwurf-Verhältnis kann man nur sehr schwer gewinnen“, versuchte sich Sportdirektor Mithat Demirel kurz nach dem Spiel erst diplomatisch, sagte dann aber: „Wir haben Jungs in der Kabine sitzen, die denken, man hätte ihnen dieses Spiel geklaut.“

Zu denen dürfte auch Jagla gezählt haben, der sich beim Stand von 58:49 nach einem nicht begangenen Foul extra wortlos abwendete und dafür mit einem Technischen Foul bestraft worden war. Sekunden später führte Alba nur noch 58:55.

Absurditäten wie diese müssen wirklich schnell aus den Köpfen der Alba-Spieler gelöscht werden. Egal, was am Sonntag passiert, sie müssen den Gegner auch in Minute 40 dominieren. Denn wer dieses Spiel gewinnt, hat am Dienstag darauf in Quakenbrück den ersten Matchball zum Einzug ins Finale.