Basketball

Ulm hofft gegen Alba auf den ganz besonderen Tag

Am Sonnabend trifft das Berliner Basketballteam zum Play-off-Auftakt auf den schwäbischen Bundesligisten Ulm. Bisher hat Alba in dieser Saison alle drei Auseinandersetzungen für sich entschieden.

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Ist schon ein riesiges Pech. Ausgerechnet Alba Berlin. Ausgerechnet die Mannschaft der Stunde in der Basketball-Bundesliga ist Ratiopharm Ulms Gegner im Play-off-Viertelfinale. Haben die wackeren Schwaben doch in dieser Saison alle möglichen schweren Kontrahenten besiegt, die Münchner Bayern im Pokal-Halbfinale, Meister Bamberg im Punktspiel, international sogar den späteren Eurocup-Champion BC Valencia. Aber Alba war für Ulm wie ein Buch mit sieben Siegeln. Drei Aufeinandertreffen in dieser Saison, drei Niederlagen, zwei davon zu Hause. Bitter.

Besonders getroffen hat Ulm das 80:86 im Pokalfinale, vor den eigenen, erwartungsfrohen Fans. Trainer Thorsten Leibenath erinnert sich mit gemischten Gefühlen. „Einerseits“, sagt der 39-Jährige, „waren wir stolz, wie wir uns beim Top Four präsentiert haben. Viele waren überrascht, welches Potenzial die Mannschaft hat. Aber dann gab es natürlich auch die Enttäuschung. Es war eine große Chance vor eigenem Publikum.“ Der Coach, der vor seiner vierten Saison an der Donau steht, weiß: Sein Team ist nicht stark genug, über einen längeren Zeitraum immer wieder Topspiele zu liefern. Aber „an einem starken Tag können wir jeden Gegner schlagen“. Siehe München, Bamberg, Valencia.

Junge Spieler werden stark gefördert

Darauf setzen sie jetzt in der Domstadt: einen dieser besonderen Tage am Sonnabend zu erleben. „Ärgern wir sie im ersten Spiel, kann die Serie sehr spannend werden“, blickt Leibenath voraus. „Wir wollen das Viertelfinal-Trauma Albas aufrechterhalten“, stichelt Geschäftsführer Thomas Stoll, anspielend auf das Berliner Scheitern 2013 an München und 2012 an Würzburg. Die Ulmer haben Respekt, aber aufgeben kommt nicht in Frage. Auch wenn sie ihr Saisonziel schon erreicht haben, das laut Stoll lautet: „Wir wollen uns in den Top Acht der Bundesliga etablieren.“ Der Klub schloss die Hauptrunde als Tabellensechster ab.

Der nächste Schritt, jener in die Top Vier, wird schwer, das weiß er. „Bayern, Bamberg, Berlin und Oldenburg sind weit weg von uns“, so Stoll. Bei 4,9 Millionen Euro liegt der durchschnittliche Etat aller 18 Bundesligisten, jener der Ulmer liege „etwas darüber. Unsere Entwicklung ist phänomenal“. Viele beneiden den Klub um seine Ratiopharm Arena, die im Dezember 2011 nicht nur den Umzug aus der schäbigen Kuhberghalle ermöglichte, sondern einen Sprung in neue Dimensionen bedeutete: Die hochmoderne Arena ist bei jedem Heimspiel mit 6000 Zuschauern ausverkauft.

Alba ist an Ulms Nachwuchsmann Daniel Theis interessiert

Dennoch: Wenn die finanzstärkeren Klubs auf den Plan treten, müssen die Ulmer immer noch klein beigeben. Als die Bayern Center John Bryant Ende vergangener Saison haben wollten, war er nicht zu halten. Leibenath hatte sich schon mit Reggie Redding getroffen, weil er den Tübinger Guard verpflichten wollte. Aber als auch Alba ein Angebot machte, war der Amerikaner plötzlich außer Reichweite. So ist das Geschäft. Deshalb ist Stoll froh, dass zumindest alle deutschen Spieler um die Stars Per Günther und Daniel Theis über diese Saison hinaus Verträge haben. An dem hochtalentierten Theis, 22, hat Alba-Sportdirektor Mithat Demirel allerdings ebenfalls schon Interesse bekundet.

Leibenath bleibt deshalb nichts anderes übrig, als weiterhin genau darauf zu achten, entwicklungsfähige Spieler zu entdecken und sie in Ulm weiterzuformen. „In drei Jahren, die ich hier bin, mussten wir noch keinen Spieler entlassen, weil die Leistung nicht reichte“, verweist der Trainer stolz auf die Leistungen der Scouting-Abteilung. „Wir geben ihnen aber auch Zeit und sehr viel Vertrauen, ihre Potenziale zu entwickeln. Wir machen sie nicht nervös.“

Nervös wird Stoll manchmal, wenn er an seinen Trainer denkt: „Irgendwann rufen auch bei ihm die großen Vereine an.“ Leibenath indes kann sich vorstellen, über das Vertragsende 2015 hinaus zu bleiben. „Es ist hier das perfekte Arbeiten für mich“, sagt er, „der Verein entwickelt sich in beeindruckendem Tempo, verliert aber nicht seine Bodenhaftigkeit. Hier ist noch einiges möglich.“ Alba sollte sich nicht zu sicher sein.