Es herrscht ein ehernes Gesetz beim Basketballteam von Alba Berlin: Alles, was in der Kabine gesprochen wird, bleibt intern. Nichts darf nach außen dringen. Doch am Montag verstieß der Klub selbst gegen diese Vorgabe. Die Presse hatte Zutritt ins „Allerheiligste“ in der O2 World. Wenn Cheftrainer Sasa Obradovic vor einem Spiel, danach oder während der Halbzeitpause zu den Spielern spricht, dürfte allerdings oft ein schärferer Ton herrschen als diesmal. Es wurde nicht das Team eingeschworen, sondern Obradovic und Geschäftsführer Marco Baldi zogen eine Saison-Zwischenbilanz und schauten voraus auf das am Sonnabend beginnende Play-off.

Im Viertelfinale (Modus „Best of five“) haben es die Berliner mit Ulm zu tun. Alba besitzt als Dritter nach der Hauptrunde Heimvorteil gegen die sechstplatzierten Schwaben. Die erste Partie, übrigens das 1000. nationale Pflichtspiel in der Vereinsgeschichte, findet am Sonnabend (Beginn 19.30 Uhr) statt, ausnahmsweise in der Max-Schmeling-Halle. Die O2 World ist durch ein mehrtägiges Gastspiel des „Cirque du Soleil“ besetzt.

1000. Pflichtspiel

„Natürlich ist das nicht optimal“, sagt Baldi. Sein Team kann den Heimvorteil in Partie eins nicht wirklich nutzen. Er spricht von der Arena am Ostbahnhof als „eine Burg“. Von 28 Heimspielen in Bundesliga, Pokal und Eurocup wurde in dieser Saison lediglich eine Begegnung (gegen Bremerhaven) verloren. Im Schnitt kamen 10.641 Fans, Alba ist mit weitem Abstand Liga-Krösus vor Bamberg (6800).

Aber die Hallenproblematik soll kein Thema sein. „Nie hat sich diese Mannschaft von Widrigkeiten aufhalten lassen. Es gab keine Alibis oder Ausreden“, sagt Baldi. Und dann heben er und Obradovic auch schon zu Elogen auf das Team an. „Die Spieler haben alle einen sehr guten Charakter. Sie haben mir bei meiner Arbeit sehr geholfen“, so der Coach. Er spricht von einer „Gruppe von Freunden“, auf die er „stolz“ sei. Der Serbe weiß selbst, dass er es den Profis nicht gerade leicht macht mit seiner fordernden Art. Aber die Spieler haben auch erkannt, dass Obradovic sie besser macht.

Zuschauerkrösus in der Bundesliga mit 10.641 Fans

Alle haben davon profitiert, dieses Zusammenspiel zwischen Trainer und Spielern hat dafür gesorgt, dass Alba bisher eine sehr gute Saison spielt: Dritter in der Liga, den deutschen Pokal hat Alba gewonnen, im Eurocup das Viertelfinale erreicht. „Das hatte niemand von uns erwartet“, erklärt Reggie Redding. Auch ihm hatten wohl nicht viele zugetraut, dass er einen so großen Schritt machen würde, nachdem er im Sommer 2013 aus Tübingen nach Berlin kam.

„Innovation und Mut“ attestiert Baldi sich und der sportlichen Leitung bei der Zusammenstellung des neuen Teams im vergangenen Sommer. Es wurde besonderer Wert auf deutsche Spieler mit Potenzial gelegt, Profis kamen, „die nicht viele auf dem Radar hatten“ (Baldi); viele Verträge wurden gleich über diese Spielzeit hinaus abgeschlossen – Stichwort Kontinuität.

Die Abwehr ist das Prunkstück

Doch jetzt zählt nur Ulm. „Alles ist wieder auf Null“, stellt Baldi fest. Obradovic hebt darauf ab, dass der Druck vor der Auftaktpartie immens hoch sei. Viele im Team hätten nur geringe Play-off-Erfahrung. Im Umfeld hat er hochfliegende Erwartungen ausgemacht. Die durch das 80:72 beim Titelfavoriten Bayern München am Sonntag noch befeuert wurden. „Uns in die Favoritenrolle zu schieben, ist nicht die richtige Botschaft.“

„Moderner, aggressiver Basketball“, das sei seine Philosophie. Die Mannschaft hat das verinnerlicht. Vor allem die Abwehrarbeit ist das Prunkstück. „Wir spielen nicht dreckig, aber frustrieren die Gegner“, sagt Flügelspieler Jan-Hendrik Jagla. Alba hat in der Hauptrunde die wenigsten Punkte aller 18 Bundesligisten kassiert. Auch daran wird Sasa Obradovic appellieren, wenn er sein Team in der Kabine zur letzten Besprechung ruft.

Doch das ist dann nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.