Von wegen ein Spiel ohne sportlichen Wert: Auch wenn die Platzierungen in der Bundesliga und die ersten Play-off-Gegner schon feststanden, zwischen den Basketballteams von Bayern München und Alba Berlin geht es immer um etwas. Zum Beispiel darum, wer mit dem besseren Gefühl in die entscheidende Saisonphase einsteigt. Das wird die Mannschaft von Alba-Trainer Sasa Obradovic mit in die nächste Woche nehmen. Die Berliner gewannen vor ausverkaufter Kulisse im Audi Dome 80:72 (41:37).
Alba entdeckt seine Drei-Punkte-Stärke
Es war ein ungewöhnliches Spiel, das sich beide Teams lieferten. Die Gäste, durch das Fehlen ihres verletzten Centers Leon Radosevic geschwächt, versuchten von Beginn an ihr Glück ganz unüblich mit Distanzwürfen. Und sie trafen und trafen. Nur einmal, beim 3:2 in der zweiten Minute, lagen die Bayern vorn. Danach verwandelten im Wechsel David Logan, Reggie Redding, Jan Jagla und sogar Levon Kendall Drei-Punkte-Würfe. Alba führte schnell zweistellig (19:9/8. Minute) und kontrollierte das Geschehen.
Obwohl unter den Körben nur die Gastgeber präsent waren, viele Freiwürfe bekamen und diese auch verwandelten – gegen das Berliner Wurf-Gewitter fanden sie kein Mittel. Zumal sie selbst kein Zielwasser getrunken hatten. Erst in der 30. Minute traf Heiko Schaffartzik als erster Münchner aus der Distanz. Es war der insgesamt 13. Versuch. Alba dagegen hatte am Ende 14 Dreier verwandelt. Die Berliner warfen sich in München warm für das Play-off. Und steigerten ihr Selbstvertrauen vor dem ersten Viertelfinale am nächsten Sonnabend gegen Ulm in der Schmeling-Halle. Für die Berliner war es der zwölfte Pflichtspielsieg in Folge.
Schrecksekunde durch Redding kurz vor Spielende
Gar nicht glücklich blickte dagegen Bayern-Trainer Svetislav Pesic drein. Was sein Team auch probierte, nie konnte es die Führung übernehmen. Und immer, wenn es knapp davor zu stehen schien, schlugen wieder die Alba-Würfe im Münchner Korb ein. Das defensivstärkste Team der Bundesliga hatte die beste Offensive verblüffend gut im Griff. Der zum wertvollsten Spieler der BBL gewählte Malcolm Delaney blieb wirkungslos. Beste Schützen waren mit je elf Punkten John Bryant und Deon Thompson. Bei den Gästen ragten Redding (21), Logan (15) und Jagla (11) heraus.
Die größte Schrecksekunde für die Berliner war eine Situation eine halbe Minute vor dem Ende, als Redding Yassin Idbihi einen Schubser gab, der ihn zuvor gefoult hatte. Obradovic war entsetzt, fasste sich an den Kopf, weil er ein disqualifizierendes Foul und damit eine Spielsperre befürchtete. Aber der Amerikaner kam mit einem unsportlichen Foul glimpflich davon. So kann der Auftritt in München Alba Berlin weiteren Rückenwind für das Play-off geben. „Wir haben heute eine gute Defensive gezeigt und einen Weg gefunden, um den Ausfall von Radosevic unter den Körben zu kompensieren“, sagte Obradovic, „ich weiß, dass die Bayern schon aufs Play-off schauen. Sie werden dort ganz anders auftreten als heute.“
BM





