Gesprächsstoff gäbe es für beide weit mehr als für nur einen langen Abend vor dem Kamin. Sasa Obradovic und Henrik Rödl haben so einiges gemeinsam erlebt, in einem Team oder auch als Gegner. Sie könnten sich an Albas Gewinn des Korac-Cups 1995 und der ersten Meisterschaft der Berliner zwei Jahre später erinnern, oder auch an einen Sonntag im Mai 2002, als am Morgen Rödls Sohn Elias geboren wurde und Obradovic, mittlerweile Spielmacher in Köln, in eigener Halle Papa Rödl zum sechsten Basketball-Titel in Folge gratulieren musste. Auch als Trainer haben sich ihre Wege schon gekreuzt. So düpierte Rödl mit dem TBB Trier beispielsweise seinen alten Weggefährten vor genau einem Jahr, als er den Favoriten Alba mit 91:88 in Berlin bezwang.
All diese Geschichten werden am Freitag in Trier (20 Uhr, kostenloser Livestream bei sport1.de) natürlich nicht hervorgekramt, es wird bei einem kurzen „Hallo, wie geht’s?“ bleiben. Was nichts damit zu tun hat, dass das Verhältnis abgekühlt ist, sondern damit, dass beide gewinnen wollen. „Für uns geht es noch darum, Platz drei zu sichern“, sagt Obradovic, „zwei Siege aus den letzten vier Spielen bis zum Play-off-Start müssten dazu reichen. Unser Ziel ist natürlich, alle vier zu gewinnen. Was wir auf gar keinen Fall wollen, ist, dass wir zum Schluss unbedingt siegen müssen.“
Albas Coach, der, wie auch Rödl in Trier, auf eine bissige und intensive Verteidigung größten Wert legt, rechnet an der Mosel allerdings mit heftiger Gegenwehr. „Henrik macht einen tollen Job“, sagt Obradovic: „Er muss zwar mit einem kleinen Etat auskommen, holt aber oft das Maximum aus seinem Team heraus. Seine Handschrift ist immer zu erkennen. Gerade zu Hause ist Trier stark, ich erwarte ein ganz schweres Spiel.“
Trier hatte in dieser Saison viele Verletzungsprobleme
Trier geht als Tabellenzwölfter in das Spiel gegen Alba und hat das Saisonziel, den Klassenerhalt, schon vor Wochen erfolgreich abgehakt. „Das zeigt, dass wir Qualität haben“, erklärt Rödl, vor allem, weil „Verletzungen uns die ganze Saison über gestoppt haben. Ein wirkliche Kontinuität haben wir nie erreichen können.“ Was seine Mannschaft aber nicht daran gehindert hat, auch noch stark aufzuspielen, als sie mit dem Abstieg nichts mehr zu tun hatte. Meister Bamberg musste erst vor zwei Wochen hart für einen 69:63-Sieg kämpfen. Bonn und Ludwigsburg erlitten im Kampf um die Play-off-Plätze Rückschläge. Und vor dem Spiel gegen Alba wird Rödl sein Team sicherlich auch an den Triumph vor einem Jahr in Berlin erinnern: „Das war sehr schön.“
Die Berliner sieht Triers Trainer derzeit in einer guten Position: „Alba ist für mich ganz klar die Mannschaft der Stunde. Es macht Spaß, ihr zuzusehen. Sie spielt permanent mit unglaublicher Energie und hat eine tiefe Bank. Ich freue mich für Sasa, dass er Spieler gefunden hat, die in sein Konzept passen.“ Was allerdings nichts daran ändert, dass sich Rödl von Obradovic liebend gern wieder zu einem Sieg gratulieren lassen würde: „Wir werden alles probieren, es wird auf jeden Fall ein intensives Spiel.“





