Alba Berlin

Vojdan Stojanovski – Ein Mann für gewisse Minuten

Flügelspieler Vojdan Stojanovski aus Mazedonien überzeugt durch seine Vielseitigkeit. Kein anderer wird bei Alba häufiger ein- und ausgewechselt. Seine Landsleute stehen hinter ihm.

Foto: sportfotodienst / imago/Camera 4

Vojdan Stojanovski als Superstar zu bezeichnen, wäre vielleicht ein wenig hoch gegriffen. Ein Star aber ist er ganz sicher, zumindest für fünf seiner Landsleute. Seit dem ersten Spieltag feuert ein Quintett in Berlin lebender Mazedonier Albas Flügelspieler bei den Heimpartien in der O2 World lautstark an. Mit goldenen Helmen auf dem Kopf und T-Shirts mit „Vo“, „jd“ und „an“ bedruckt. So die Fünf, manchmal auch nur Vier, nicht über Ostern einen Abstecher in die Heimat gemacht haben, werden sie Albas Mazedonier auch an diesem Sonntag gegen die Artland Dragons (20 Uhr) unterstützen.

„Da habe ich schon ziemlich gestaunt, als ich im September beim Champions Cup gegen Bamberg zum allerersten Mal in die Halle kam“, erzählt Stojanovski, der mittlerweile nach jedem Spiel bei seinen Fans vorbeischaut. „Das sind ganz normale Leute, die hier in Berlin leben. Ich war mit ihnen auch schon mal einen Kaffee trinken.“ Die Helme, die seine Landsleute tragen, sei eine Reminiszenz „an Alexander den Großen, den früheren König von Mazedonien“, erklärt Albas Flügel. Das sei zwar „schon lange her, ist aber jedem Mazedonier ein Begriff.“

Stojanovski folgte Coach Sasa Obradovic im vergangenen Sommer mit einem Jahr Verspätung aus Donezk nach Berlin. Dort hatten beide 2012 gemeinsam die ukrainische Meisterschaft gewonnen. Fragt man ihn, ob er mit seinem Wechsel zu Alba zufrieden ist, muss der 26-Jährige, eigentlich eher der ruhige Typ, laut loslachen. „Was für eine Frage. Ich bin aus der Ukraine in eine Stadt wie Berlin und zu einem Spitzenklub wie Alba gekommen. Ich genieße jeden Tag.“

Und dennoch musste sich Stojanovski auf dem Parkett umgewöhnen. Der mazedonische Nationalspieler sitzt zu Beginn der Spiele auf der Bank. Zeit für kleine mentale Auszeiten oder Tagträume hat er dennoch nicht, denn kaum ein anderer Spieler wird so oft ein- und ausgewechselt wie er. Meistens für David Logan, aber auch für Clifford Hammonds oder Reggie Redding – er ist so etwas wie Albas Minutenmann. Eine Rolle, die nur einer ausfüllen kann, der so vielseitig ist wie er.

Schnelle Wechsel für hohen Druck

„Ich habe mich daran gewöhnt, für zwei, drei Minuten reinzugehen und dann wieder kurz auf der Bank zu sitzen“, erzählt Stojanovski. „Ich komme ja meistens zuerst für David rein, der ist unser Topscorer, und habe keine Probleme damit, dann hundert Prozent zu geben.“ Alba konnte in dieser Saison nur mit so druckvollem Spiel, das mit dem Pokalsieg ja auch schon den ersten Titel eingebracht hat, glänzen, weil mit Kapitän Sven Schultze, der zuletzt auch regelmäßig zum Einsatz kam, elf Spieler Intensität und Aggressivität permanent hochhalten. Wobei drei Schulterpaare ein wenig mehr Last tragen müssen als der Rest. Logan, Redding und Hammonds kamen bislang sowohl in Europa als auch national auf 25 bis 28 Minuten zum Einsatz, der Rest, darunter Stojanovski, auf rund 20 Minuten.

„Ich spiele das erste Mal in einer Mannschaft, in der die Rotation so groß ist und in der die Rollen so verteilt sind“, erzählt Stojanovski, aber so, wie wir über das ganze Feld verteidigen, kannst du auch nicht mit fünf, sechs Spielern durchspielen.“ Und er hört sich auch nicht so an, als wäre er gern woanders, nur um ein paar Minuten mehr zu spielen. Daran, dass sein Team „jeden schlagen kann, wenn wir gut verteidigen“, hat er sichtlich Gefallen gefunden.

Sein Anteil daran beschränkt sich keinesfalls nur auf die Arbeit in der Defensive. Der schnelle Shooting Guard macht, egal ob in Europa oder der Bundesliga, in weniger als 20 Minuten knapp zehn Punkte und holt zwei Rebounds – solider geht es eigentlich.

In der Heimat ein Volksheld

Obwohl er vielleicht die besten Jahre noch vor sich hat, verfügt Stojanovski nicht nur wegen seines dreijährigen Engagements in Donezk über jede Menge internationale Erfahrung. Beispielsweise spielte er eine zentrale Rolle, als er mit mazedonischen Nationalmannschaft bei der EM 2011 in Litauen sensationell das Halbfinale erreichte. Er wurde dabei sogar zum Nationalhelden, weil er im Viertelfinale in Kaunas mit fünf Dreiern ohne Fehlversuch den 67:65-Sieg über die Gastgeber besiegelte.

Er war es wirklich, was nur deshalb anzumerken ist, weil Vojdan öfter mit seinem Zwillingsbruder Damjan verwechselt wird, der ebenfalls in Litauen groß aufspielte und derzeit in der Heimat der Brüder spielt.

„Damjan war zwei Jahre in Sofia, spielt aber wieder in Skopje. Wir reden jeden Tag miteinander und er fragt mich immer, wie es bei Alba und in Berlin ist. Die Liga zu Hause endet am 15. Mai und dann wird er mich in Berlin besuchen“, erzählt Vojdan. Ihn einen Tag in seinem Trikot für Alba spielen zu lassen, plant er nicht. „Das würde wohl auffliegen, er ist fünf Zentimeter größer als ich.“

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