SIG Straßburg, Radnicki Kragujevac, Chimik Juschne – das klingt nicht nach den Perlen des europäischen Vereinsbasketballs. Da hat sich Alba Berlin in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen besseren Namen gemacht. Trotzdem spricht dessen Geschäftsführer Marco Baldi mit viel Respekt über die Konkurrenten in der Eurocup-Zwischenrunde, die heute (20 Uhr, O2 World) mit dem Spiel gegen den französischen Vizemeister beginnt: „Wir sollten nicht so weit nach vorn schauen.“ Die sportliche Herausforderung sei hoch, der Spielplan hart: „Der Eurocup ist ein sehr kompakter Wettbewerb.“ Eine dumme Heimniederlage zu Beginn – und schon rennt man der Musik hoffnungslos hinterher.

Nicht weit weg von der Euroleague

Andererseits kann in dieser Gruppe der Favorit nur Alba heißen. Die Berliner haben in der Vorrunde mit 8:2 Siegen ein Ergebnis erzielt, das unter 48 gestarteten Teams allein Unics Kasan (10:0) und Chimki Moskau (9:1) übertrafen. Außerdem gehört die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic vom Selbstverständnis (auch vom europäischen Klub-Ranking/Rang 15 und der Infrastruktur des Vereins) her in die Euroleague. Doch es wurde nichts aus der erhofften A-Lizenz, und die Berliner weinen dem nicht mehr hinterher. „Der Eurocup ist in der Breite nicht so weit weg von der Euroleague“, sagt Baldi. Was fehlt, sind Topteams wie Real Madrid, Maccabi Tel Aviv oder Olympiakos Piräus.

Das Gewinnen fällt trotzdem nicht leicht, um so schöner, dass es Alba in der ersten Runde oft gelungen ist. „Erfolgserlebnisse im internationalen Wettbewerb sind wichtig für die Entwicklung der jungen Spieler“, sagt Baldi, „das Team soll wachsen. Der Eurocup bietet dafür eine gute Gelegenheit.“ Vielleicht eine bessere als die Euroleague, allerdings ist nicht anzunehmen, dass der Klub mit einer A-Lizenz in der Tasche seine Mannschaft so radikal umgekrempelt hätte. Alba will sich immer mit den Besten messen, dieser Anspruch bleibt.

Juschne aus der Ukraine ist der schwerste Brocken

Aufgewertet wird der zweithöchste kontinentale Wettbewerb dadurch, dass jene acht Teams, die sich in der Euroleague nicht für das Top 16 qualifiziert haben, in den Eurocup weitergereicht wurden. Dazu zählen der Deutsche Meister Brose Baskets Bamberg – und Straßburg. Immerhin kommen die Elsässer aus dem Land des aktuellen Europameisters, ihr Trainer Vincent Collet führte auch die Equipe Tricolore zum EM-Titel. Alles andere als Laufkundschaft also.

Dennoch sieht Baldi den schwersten Brocken in Chimik Juschne, den Tabellenzweiten der prosperierenden ukrainischen Liga. Schwer einzuschätzen ist die Leistungsfähigkeit der Serben aus Kragujevac. Aber unumstößlicher Fakt ist, dass alle drei Teams die erste Gruppenphase überstanden haben, was für Qualität spricht. Und für ihr aktuelles Leistungsvermögen. Auch wenn es keine Vereine sind, die sich wie Alba über Jahre in Europa bewiesen haben. Das Team von Radnicki Kragujevac existiert erst seit 1994, das aus Juschne gar erst seit 2000. Diese beiden und Straßburg haben nie zuvor am Eurocup teilgenommen, Alba hat in seinen über 20 Jahren Europapokalgeschichte noch nie gegen einen dieser drei Kontrahenten gespielt.

Jedes Weiterkommen ist für die Berliner jetzt mehr als geplant

Baldi tut sich deshalb mit der Einstufung als Favorit schwer. „Alte Verdienste zählen nicht – man muss sich jedes Mal erst beweisen.“ Auch mit einem konkreten Ziel für den Wettbewerb will er sich nicht anfreunden. „Wichtig war, dass wir unter die besten 32 Teams kommen. Alles andere ist Zubrot.“ Gleichzeitig betont er: „Wir sind noch nicht zufrieden.“ Das sind sie in Berlin bei allem Respekt vor dem Eurocup wohl erst, wenn sie wieder in der Euroleague spielen.

diw