Wo er ist, droht Streit. Zumindest war Akeem Vargas fast immer im Zentrum des Geschehens, wenn bei den vergangenen Alba-Heimspielen in der O2 World die Emotionen überkochten.

Gegen Braunschweig soll sich der 23-Jährige, so behauptete es zumindest sein Gegenspieler Aaaron Doornekamp, an dessen Gemächt vergriffen haben. Wenig später eskalierte dann die Partie, sodass zwei Braunschweiger, Spielmacher Florence James und Center Kyle Visser, der Halle verwiesen wurden.

Zuletzt beim 89:65-Kantersieg im Spitzenspiel über Oldenburg provozierte Vargas zu einer Zeit, als die Partie längst entschieden war, die Gäste gleich mehrfach. Erst ging er so aufreizend nah und langsam an Dominik Bahiense de Mello vorbei, dass der fast schon die Nerven verlor. Nur Sekunden später versenkte Vargas einen Dreier zum 72:44 (28.) und brüllte unmittelbar danach seinem Gegner Dru Joyce irgendetwas vermeintlich Unfreundliches ins Gesicht. Joyce behielt nicht die Nerven, schlug mit dem Ellbogen zu und ging nach einem disqualifizierenden Foul duschen. Die Verbal-Attacke des Berliners wurde mit einem Technischen Foul bestraft.

Provokationen gehören zum Spiel

Vargas kam im Sommer vom Zweitligisten Göttingen nach Berlin und hat sich nach gerade mal 14 Spielen in der Bundesliga schon einen Namen gemacht. Als extrem aggressiver Verteidiger und ordentlicher Schütze, als Teil einer Mannschaft, die ihre Gegner mit intensivster Defense „mal quält, mal nervt“, wie es Albas Geschäftsführer Marco Baldi nicht ohne Stolz nennt. Vargas ist aber auch einer, der es dabei nicht belassen will: der auch mal dreckig spielt, der provoziert und es liebt, seinen Gegnern auch verbal mitzuteilen, dass sie nur stören und nichts draufhaben – oder ähnliches. Vargas ist, wie es in der Sprache der Spieler heißt, ein Trash-Talker. Und so unschön es manche auch finden mögen, ein sehr erfolgreicher, wie die Opfer-Liste der vergangenen Woche belegt.

Er habe vor dem Spiel angemahnt, „ruhig zu bleiben“, erzählte Oldenburgs Coach Sebastian Machowski. Er habe bei Ansicht der Spiele zuvor gesehen, wie aggressiv Alba zu Werke gehe. Auch die Provokationen Vargas’ hätten ihn nicht überrascht. Er fände einerseits traurig, dass Joyce sich habe gehen lassen, es andererseits aber auch „nicht richtig, dass er damit durchkommt“. Aber natürlich sei Albas Sieg hochverdient gewesen.

Sasa Obradovic sieht in Vargas zuerst einen Youngster, der „extrem harten Basketball spielt“ und der ja schließlich auch für seinen Trash-Talk gegen Joyce bestraft wurde. Provokationen gehören zum Spiel, erklärt Albas Coach, der als Spieler auch mit allen Wassern gewaschen war, und dass derjenige, der zuschlägt, härter bestraft würde als der Provokateur, fände er normal.

Michael Jordan als Vorbild

Vargas selbst „interessiert nur, was mein Coach und meine Mannschaft von mir denken“. Er versuche, hart zu verteidigen und könne nichts dafür, wenn seine Gegenspieler damit nicht klar kämen. Er gesteht aber auch: „Ich bin ein großer Freund von Trash Talk und auch ein großer Fan von Michael Jordan und Reggie Miller, die das regelrecht zelebriert haben. Trash Talk gehört für mich irgendwie zum Spiel dazu.“ Talker Vargas ist erst 23 Jahre alt und hat noch viel Zeit, auch im Spielerischen zu seinen großen Vorbildern aufzuschließen.