Alba Berlin

Wenn ein Basketballspiel außer Kontrolle gerät

Beim Spiel von Alba Berlin gegen die Phantoms Braunschweig sind die Spieler aufeinander losgegangen. Grund war offenbar ein grobes Foul. Die Schiedsrichter machten einen überforderten Eindruck.

Alba Berlin schlägt Phantoms Braunschweig

Beim Spiel von Alba Berlin gegen die Phantoms Braunschweig sind die Spieler aufeinander losgegangen. Wir lassen im Alba-Fantalk die Spieler Ismet Akpinar und Akeem Vargas die Partie kommentieren.

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Plötzlich war es wie tags zuvor, als sich die Eisbären Berlin und die Straubing Tigers eine streckenweise handgreifliche Auseinandersetzung in der O2 World geliefert hatten. Aber das war ja Eishockey gewesen, und gestern ging es doch um Basketball – war das nicht mal körperloser Sport? Geschenkt, ist es vermutlich nie gewesen außer in romantischen Erzählungen, aber Szenen wie jene, die sich hier abspielten, sind trotzdem die Ausnahme beim Kampf um Körbe und Rebounds.

Nur noch zehn Sekunden zeigte die Zeitmessung für die erste Halbzeit zwischen Alba Berlin und den Phantoms Braunschweig an, als die Situation eskalierte: Spieler gingen wütend aufeinander los, die drei Schiedsrichter versuchten mit überschaubarem Erfolg zu schlichten, ebenso einige der Besonneneren unter den Aktiven. Als sich die Situation wieder etwas beruhigt hatte, berieten die Unparteiischen minutenlang über die Folgen der unsportlichen Auseinandersetzung. Mit dem für die Gäste deprimierenden Resultat, dass ihr Spielmacher James Florence und ihr Center Kyle Visser mit disqualifizierenden Fouls bestraft, das heißt: ausgeschlossen wurden. Bei den Berlinern kam Alex King mit einem unsportlichen Foul glimpflicher davon. Es war der Tiefpunkt eines Spiels, das Alba souverän mit 98:79 (54:37) gewann und dadurch auf den sechsten Tabellenplatz der Bundesliga kletterte.

Schiedsrichter sind überfordert

Aber das war zunächst zweitrangig – so wie die Aktion kurz vor der Pause nicht jene war, welche die Partie zu einem schmutzigen Basketballspiel werden ließ. Die hatte sich rund eineinhalb Minuten zuvor ereignet. Da lag plötzlich der Braunschweiger Aaron Doornekamp am Boden und krümmte sich. Als er sich wenig später aufrappelte, reichte die Kraft schon wieder, um dem Berliner Akeem Vargas einen kräftigen Stoß zu verpassen. So entstand das erste Gerangel auf dem Feld, und hätten die Unparteiischen spätestens hier – ebenfalls nach längerer Beratung – härter durchgegriffen, wäre es vermutlich heilsam für den weiteren Verlauf gewesen.

Was Doornekamp so erregt hatte, erklärte der Kanadier später in dürren Worten: „He grabbed me in the balls“. Ob das stimmt, werden vielleicht Fernsehbilder zeigen können. Schon jetzt ist allerdings sicher, dass Vargas dort, wo Doornekamp sich angegriffen fühlte, keine Basketbälle entdecken konnte. Stimmt die Aussage des Amerikaners, war es eine grobe Unsportlichkeit. Der junge Berliner mochte nicht groß über die Situation sprechen. Er wurde gefragt, ob es einen Kopfstoß gegeben habe, aber er antwortete: „Nein, nein, kein Kopfstoß. Da sind eben zwei Athleten zusammengerasselt, das war’s.“

„Einfach so in den Magen geschlagen“

Am Ausschluss zumindest von Florence kurz darauf gab es nichts zu kritisieren. „Ich war gerade ins Spiel gekommen, da hat er mir einfach so in den Magen geschlagen“, erzählte King. „Danach ist alles sehr schnell gegangen.“ Auch er selbst hat dabei die Grenzen des Erlaubten überschritten, noch mehr aber Visser, der seinem Team nun ebenfalls für mehrere Spiele fehlen könnte.

Braunschweigs Trainer Raoul Korner hatte es früh so kommen sehen: „Schon nach fünf Minuten“, sagte er. Beide Mannschaften bevorzugen eine harte Verteidigung. „Da wird sich nichts geschenkt. Wenn das nicht unterbunden wird, geht es weiter und weiter“, sagte Korner und schloss: „Genau das ist passiert.“ Für das Unterbinden wären die Schiedsrichter zuständig gewesen. Sven Schultze, 35 Jahre alter Veteran im Alba-Team und selbst ein kampferprobter Verteidiger, sah es ähnlich: „Wir sind heute mehr durch den Kampf ins Spiel gekommen als durch spielerische Klasse. Die Braunschweiger sind auch keine Kinder von Traurigkeit, und dann kommt so was.“ Wichtig sei am Ende, sagte er mit einem Lächeln, vor allem eines: „Keiner hat sich verletzt.“

Logan bester Werfer bei Comeback

Stattdessen konnten sich die 13.298 Zuschauer in der O2 World über ein zumindest aus ihrer Sicht durchaus abwechslungsreiches Spiel freuen – mit dem richtigen Sieger, sofern sie Alba-Fans waren. Auf Augenhöhe waren beide Mannschaften eigentlich nur im ersten Viertel, als es keinem der Kontrahenten gelang, einen Vorsprung zu erarbeiten.

Berlins Spielmacher David Logan war zum ersten Mal seit seiner Muskelverletzung, die er sich am 8. Dezember gegen Bamberg zugezogen hatte, wieder dabei und wurde mit 15 Punkten sogleich Topscorer Albas. Zur 29:21-Führung zu Beginn des zweiten Viertels hatte der Amerikaner schon zehn Zähler beigetragen. Von diesem Moment an kamen die Niedersachsen, in deren Reihen mit Immanuel McElroy und Robert Kulawick auch zwei ehemalige Alba-Spieler stehen, nie mehr in Nahdistanz, von den Rangeleien einmal abgesehen.

Weil das Spiel quasi schon zur Halbzeit entschieden war, nutzten beide Trainer die Gelegenheit, alles einzuwechseln, was so auf ihrer Ersatzbank saß. So kamen auch Schultze und Youngster Ismet Akpinar zum Einsatz und zu Punkten. Für Sasa Obradovic war es „unser erster Sieg in einer Marathonwoche mit vier Spielen, das ist das Wichtigste. Ebenso, dass wir rotieren konnten.“

Und die Härte im Spiel? „Ach“, antwortete der Serbe, selbst in seiner aktiven Zeit keiner der angenehmsten Gegenspieler, „ich mag die Mentalität, kämpferisch so dagegenzuhalten. So etwas haben wir doch jahrelang in Berlin nicht gesehen.“