Basketball

Alba in der Schmeling-Halle – Rückkehr in eine goldene Zeit

Für einen Abend werden bei Alba Berlin große Erinnerungen wach: Am Donnerstag geht es in der Schmeling-Halle gegen Rom um Punkte im Eurocup. Dort feierte Berlins Basketballteam seine größten Erfolge.

Foto: Bernd Settnik / pa/dpa

Einmal hat es sogar Svetislav Pesic die Sprache verschlagen. Der wortgewaltige Trainer war nach endlosen Diskussionen mit Handwerkern ohnehin schon schlecht gelaunt. Das rutschige Parkett war von Staub bedeckt, eisiger Herbstwind pfiff durch die Halle, weil es noch an Türen mangelte. Nun versammelte er seine Spieler zur Ansprache und wollte gerade loslegen, als eine Flex ihm kreischend ins Wort fiel.

„Pesic schüttelte nur den Kopf und ist gegangen“, erinnert sich Mithat Demirel. Heute kann der Sportdirektor von Alba Berlin darüber lachen, damals wäre es für den 18-jährigen Nachwuchsspieler sicher nicht karrierefördernd gewesen, so zu reagieren. Es war das erste Training von Alba Berlin in der Max-Schmeling-Halle.

Nichts funktionierte im Herbst 1996

Auf einer Baustelle: Nichts funktionierte im Herbst 1996, als sich der aufstrebende Basketball-Klub aus dem bürgerlichen Charlottenburg entschlossen hatte, in den Berliner Osten zu ziehen. Am Donnerstagabend (20 Uhr) wird er dort im Eurocup gegen Virtus Rom antreten, weil die O2 World mit einer Eis-Show belegt ist. Es ist eine Reise in die Vergangenheit.

Damals war es ein mutiger Schritt in eine Zukunft, von der noch niemand wusste, dass sie golden werden würde. In der Schmeling-Halle feierte der Verein seine größten Siege, seine größten Erfolge. „Es war die Phase, in der wir angefangen haben zu blühen“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi.

Tickets per Hand verkauft

Dabei hatte es viele Unkenrufe gegeben: Der Umzug von der Sömmeringhalle zum Prenzlauer Berg sei Selbstmord, orakelten die Kritiker. Wer fährt denn in den Osten, um Basketball zu sehen? Dann kam das erste Spiel gegen Bayreuth. An einem nasskalten Sonntag drängelten sich die Fans vor den Kassenhäuschen. Die Zeit war knapp, das Fernsehen zur Übertragung da, eine Verschiebung der Anfangszeit ausgeschlossen. Das Kassensystem brach unter dem Ansturm zusammen.

Präsident Dieter Hauert erzählt: „Unser Vizepräsident Knut Tesmer griff sich eine Ticketrolle, stellte sich auf den Falkplatz und verkaufte per Hand. Kurz darauf kam er wieder rein – ohne Karten, aber mit den Taschen voll Geld.“ Es half alles nichts, Hauert bestimmte: „Tore auf!“ Fast 9000 Zuschauer erlebten den 91:73-Sieg Albas. Bundesligarekord.

Die besten Teams Europas waren zu Gast - und verloren allesamt

Und der Beginn einer wunderbaren Zeit: Weil Alba erstmals in der Europaliga spielte, kam die Elite des Kontinents in die Schmeling-Halle. Sie lernte, die neue Spielstätte im Osten erst zu bewundern und dann zu fürchten. Denn die Berliner Basketballer waren jetzt das beste Team Deutschlands, Bayer Leverkusens Herrschaft beendet.

Das Team von Trainer Pesic und seinem Nachfolger Emir Mutapcic um Wendell Alexis, Henrik Rödl und all die Talente, die aus der Nachwuchskooperation mit dem TuS Lichterfelde hervorgegangen waren, besiegte sie alle: Panathinaikos Athen, Olympiakos Piräus, ZSKA Moskau, Maccabi Tel Aviv, Virtus Bologna. Sogar die stolzen Spanier des FC Barcelona und von Real Madrid mussten sich hier geschlagen geben.

Schwer zu sagen, welches das beste, das speziellste Erlebnis war – es gab einfach zu viele davon. Nach dem legendären Triumph gegen Piräus, als Alba einen Fünf-Punkte-Rückstand 17 Sekunden vor Schluss in einen 62:61-Sieg umwandelte, tanzte ein völlig losgelöster Henning Harnisch über die Arbeitstische der verschreckten Journalisten.

Zu müde zum Tanzen nach einem Spiel mit fünf Verlängerungen

Nach dem 141:127 nach fünf Verlängerungen gegen Bosna Sarajevo im Dezember 2007, dem längsten Spiel der Europapokalgeschichte, tanzten nur noch die Fans – die Hauptdarsteller waren quasi bewegungsunfähig. „Bobby Brown konnte gar nicht mehr laufen“, erinnert sich Baldi, „aber egal, von wo er warf – es gab immer die nächste Verlängerung.“ Es war jene Saison, in der Alba zum achten und bisher letzten Mal Deutscher Meister wurde. Die goldene Zeit.

Natürlich gibt es noch ein Spiel, das nie vergessen wird, das Pokalfinale 2003, in dem Demirel mit seinem Solo in den fünf Sekunden vor Schluss den 82:80-Triumph gegen Köln besiegelte, mit dem heutigen Alba-Trainer Sasa Obradovic auf der anderen Seite. „Ein Spiel zu entscheiden, dadurch einen Titel zu gewinnen und das in eigener Halle, das ist schon etwas ganz Besonderes im Leben eines Sportlers“, sagt Demirel, „das war mein schönstes Erlebnis.“

Für Demirel hat sich der Osten der Stadt geöffnet

Doch er hat auch die Anfänge nicht vergessen und verbindet mit der Schmeling-Halle noch etwas anderes, Wichtigeres für den Verein: „Die Schmeling-Halle war ein Stück Verbindung zwischen Ost und West. Sie hat für mich den Osten der Stadt geöffnet.“ Für andere auch. Ein Stück Wiedervereinigung in einer Zeit, in der beide Teile der Stadt noch fremdelten.

Heute spielen dort wie selbstverständlich die Füchse Berlin in ihrem „Fuchsbau“ und die BR Volleys in ihrem „Volleyball-Tempel“. Ost? West? Kein Thema mehr. Aber zum Leben erweckt wurde die Halle von Alba. „Das ist wie bei einem eigenen Baby, das bleibt für immer eine ganz enge Verbindung“, sagt Baldi, der heute „mit einem speziellen Gefühl“ in die Halle geht.

Noch nicht ausverkauft

Nicht nur er ist gespannt, wie die Atmosphäre sein wird. Ist die Halle wohl ausverkauft? Ganz sicher werden viele da sein, die mindestens einmal ihren Nachbarn fragen werden: Weißt du noch? Dass es allen so geht, glaubt Baldi nicht. Die Klientel hat sich noch einmal verändert, die gut 10.000 Zuschauer, die Alba jetzt im Durchschnitt besuchen, kommen je zur Hälfte aus den westlichen und den östlichen Bezirken der Stadt. „Viele“, sagt er, „können mit der Schmeling-Halle nichts anfangen.“ Mag sein. Aber dann haben sie etwas versäumt.