Siegesserie

Alba Berlin hebt ab und bleibt auf dem Boden

Den Basketballern von Alba Berlin gelangen zuletzt drei glanzvolle Siege, weil die Mischung aus Jungen und Alten stimmt. Und Geschäftsführer Baldi muss sich nun ganz andere Fragen gefallen lassen.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Marco Baldi ist ein gern gesehener Interview-Gast, wenn das Fernsehen die Spiele seines Klubs überträgt und die Halbzeitpause überbrückt werden muss. Was immer gefragt wird – er weiß sich zu artikulieren.

Nach dem erneut überzeugenden Sieg gegen Ulm berichtete Albas Geschäftsführer mit einem Schmunzeln, dass sich die Themen bei den Interviews sehr verändert hätten. Wurde er noch vor nicht allzu langer Zeit gefragt, wie er denn Albas Chancen für das Erreichen des Play-off sehe, wolle man jetzt von ihm wissen, ob sein Team nicht der Geheimfavorit auf die Meisterschaft sei.

„Kokolores“ sei es, Alba als Meisterschaftskandidaten zu sehen, findet Baldi, dem allerdings auch nicht entgangen ist, dass sein Team innerhalb von sechs Tagen Bayern München mit 94:74, Ulm mit 102:74 deklassiert und mittendrin einen 20-Punkte-Auswärtssieg im Eurocup gelandet hat. „Wir sind weiter im Aufbau begriffen“, beharrt Baldi. „Diese Woche hat uns sicher geholfen, weiter Stabilität aufzubauen, aber wir sind noch nicht auf einem Niveau, von dem wir sagen können, dass wir es nie wieder unterschreiten werden. Das ist noch kein Plateau, das unzerbrechlich ist.“

Die Mannschaft löst Baldis Versprechen ein

Als richtig brüchig erscheint es allerdings auch nicht. Was auch daran liegt, dass die Mannschaft nicht nur das Versprechen Baldis zu Saisonbeginn, hungrig zu sein und immer zu kämpfen, eingelöst hat, sondern früher als erhofft auch sehenswerten Basketball spielt. 102 Punkte gegen Ulm und 97 gegen die Bayern kommen schließlich nicht von ungefähr. Dennoch seien gerade gegen Ulm „noch viele Fehler zu sehen, die nur nicht bestraft wurden“, versucht Baldi die Euphorie zu bremsen.

Mit dem Hinweis, dass „die Saison noch sehr lang“ sei, versucht auch Coach Sasa Obradovic zu verhindern, dass der Höhenflug seiner Männer in Zufriedenheit und Überheblichkeit umschlägt. Dennoch ist seit dem Saisonstart genug Zeit verstrichen, um zu sehen, dass der Klub mit der Zusammenstellung des komplett neuen Teams gut lag.

Die Mischung aus jung, alt, schnell und hungrig funktioniert. Auch mit Kurzarbeiter Uros Slokar, der den verletzten Leon Radosevic vertritt, als wäre er schon seit Monaten beim Team. Darüber, dass die frische Mischung schneller zu einer Einheit zu werden scheint als gedacht, freut sich Baldi schon. „Mit jedem Sieg wirft man ein wenig Ballast ab und gewinnt etwas hinzu“, sagt er und hofft, dass es auch am Mittwoch im Eurocup gegen Bonn (20 Uhr, O2 World) dabei bleibt. Die Bonner hatten bis Sonntag auch einen starken Lauf. Nach zuletzt sieben Siegen in Folge kassierte das Team aber gegen Meister Bamberg eine klare 69:83 (32:38)-Niederlage.