Yassin Idbihi, 30, gibt immer alles und versteckt sich auch nicht, wenn es mal nicht so läuft. Dafür haben ihn die Berliner Fans geliebt, dementsprechend enttäuscht waren sie, als er ging.

Drei Jahre spielte der 2,08 Meter große Center für Alba, bevor er – wie auch Heiko Schaffartzik, Nihad Djedovic und Deon Thompson – im Sommer zu Bayern München wechselte.

An diesem Sonntag (15 Uhr, O2 World) kehrt Idbihi, der bis zu seinem 15. Lebensjahr in Marokko aufwuchs, als Albas Gegner nach Berlin zurück. Als glücklicher Mann, und das nicht nur, weil am 25. September sein dritter Sohn Sammy zur Welt kam.

Berliner Morgenpost: Mit welchem Empfang rechnen Sie, Herr Idbihi?

Yassin Idbihi: Ich kann mir schon vorstellen, dass viele enttäuscht sind und erwarte einige Pfiffe, weil die Fans ihren Verein unterstützen und mich verunsichern wollen. Das ist doch ganz normal, ich würde es niemandem verübeln.

Verdiente ehemalige Spieler werden aber zumindest bei der Vorstellung der Teams auch öfter mit Applaus empfangen.

Darüber würde ich mich natürlich sehr freuen. Ich hatte drei wunderschöne Jahre in Berlin und war auch sehr dankbar für die Unterstützung, die ich erfahren habe. Aber ich erwarte den Applaus nicht, Fans wollen ihr Team anfeuern, und ich bin jetzt halt der Gegner.

Hat es schon einen Moment des Bedauerns wegen des Wechsels nach München gegeben?

Nicht einen einzigen. Ich bin hier sehr gut empfangen worden. Bislang ist die Saison ja ganz gut verlaufen. Ich bin sowieso niemand, der denkt ‚hätte‘, ‚wenn‘‚ und ‚wie‘, wenn ich eine Entscheidung erst mal getroffen habe. Es bringt nichts.

Ihr Söhne Malik und Khalil sind vier und zwei Jahre, Sammy war kurz davor, auf die Welt zu kommen. Wie war der Umzug?

Echt heftig, weil wir genau in der Zeit umgezogen sind, als es richtig heiß war. Das war Stress pur, obwohl wir ja kaum Möbel haben, sondern Spieler meistens die vom Verein nutzen. Aber für vier Leute zu packen und mit einer hochschwangeren Frau umzuziehen, das war für meine Familie bestimmt nicht der leichteste Weg. Ich bin ihr auch sehr dankbar dafür, wie sehr sie mich unterstützt hat. Bei uns ist es ja auch so, dass meine Eltern in Marokko und die meiner Frau Kimberly in Kanada leben. Die Großeltern sind zu weit weg, als dass wir die Kinder da mal hinschicken könnten.

In welcher Sprache unterhält sich die Familie Idbihi eigentlich am Frühstückstisch?

Meine Frau und ich sprechen englisch miteinander, obwohl sie mittlerweile sehr gut deutsch spricht. Das ist halt die Sprache, mit der wir uns in Amerika kennengelernt haben. Mit meinen Söhnen spreche ich deutsch. Ich versuche auch noch ein wenig Arabisch reinzubringen, aber das hinkt ein bisschen hinterher, weil ich mit der Mannschaft sehr viel auf Reisen bin. Die Dreisprachigkeit kriegen wir aber noch irgendwie hin.

Für Kinder kann es schwierig werden, wenn sie in dem Alter in eine Umgebung „verpflanzt“ werden. Waren Sie besorgt?

Ja, anfangs habe ich mir große Sorgen gemacht, weil sich meine Familie sehr wohl gefühlt hat in Berlin. Meine Frau hat den Prenzlauer Berg geliebt, meine Kinder waren in einer schönen Kita und hatten dort ihre Freunde. Und es war am Anfang auch schwer, nicht für mich, ich hatte ja gleich meinen Job. Mittlerweile haben sich aber alle gut eingelebt.

Und wie ist es nun beim großen FC Bayern – was sind die Unterschiede zu Alba? Sind dort die Wasserhähne aus Gold?

(lacht) Ich glaube, es gibt auf der ganzen Welt keinen Sportklub, bei dem die Wasserhähne aus Gold sind. Hier ist der Erfolgsdruck noch höher, gerade auch mit der Mannschaft, die wir jetzt haben. Wir haben lauter Topspieler, sind tief besetzt, der Konkurrenzkampf ist noch größer. Bis jetzt ist alles wunderschön hier, auch ohne goldene Hähne. Und ich bin ja gegangen, weil ich gehofft habe, einen weiteren Schritt in meiner Karriere zu schaffen.

Der FC Bayern steht ja zu allererst für Fußball. Aber Stars wie Bastian Schweinsteiger kommen auch zu ihren Spielen. Haben Sie schon einen Gegenbesuch gemacht?

Nein, unsere Spielpläne sind einfach zu ähnlich. Entweder wir spielen selbst oder trainieren. Aber ich freue mich, dass die Fußballer zu unseren Spielen kommen, weil es unserem Sport mehr Aufmerksamkeit verschafft.

Sie trainieren jetzt unter Svetislav Pesic, der Albas Coach Sasa Obradovic geprägt hat. Wie ähnlich sind sich die beiden?

Teilweise sehr ähnlich, aber auch total verschieden, Zwei unterschiedliche Persönlichkeiten. Beide sind sehr harte Trainer, die einem alles abverlangen. Alles andere als Perfektion ist nicht gut genug für sie. Ich glaube, da hat mich Obradovic sehr gut auf Pesic vorbereitet. Pesic war einer der Gründe, weshalb ich nach München wollte, was ich nicht so verstanden wissen will, dass es gegen Sasa spricht. Pesic war Weltmeister, Euroleague-Sieger, spanischer und viele Male Deutscher Meister. Bei ihm spürt man diese unheimliche Erfahrung. Ich wollte die Chance nutzen, einmal für ihn spielen zu dürfen.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Auf jeden Fall, von Pesic kann ich noch sehr viel lernen.

Sie sind mit Schaffartzik, Djedovic und Thompson fast in Mannschaftsstärke zu den Bayern gewechselt, Bryce Taylor kannten Sie auch aus Berlin. Hat das das Eingewöhnen leichter gemacht?

Auf jeden Fall. Man kennt die Laufwege, weiß, wie einer verteidigt. Das Lustige war, ich war ja einer der ersten von den Jungs, die unterschrieben haben und habe bei den anderen dann immer gedacht: Echt, der auch? Ist ja unglaublich! Ich war jedes Mal überrascht.

Aber doch nicht bei Schaffartzik, mit dem Sie sehr gut befreundet sind.

Doch, erst recht. Sein Vertag mit Alba wurde ja aufgelöst, als ich schon längst unterschrieben hatte. Ich war damals in Marokko und er mit der Nationalmannschaft unterwegs.

Haben Sie Ihren Freund Heiko denn schon als Babysitter gewinnen können?

Nein, Heiko ist ein sehr guter Freund, aber ich sehe ihn nicht unbedingt als Babysitter (lacht). Er ist ein netter Onkel, der mal vorbei kommt und Hallo sagt, aber er hat keine Erfahrung mit Kindern. Und unsere haben nun wirklich nur Blödsinn im Kopf.

Ihr Verhältnis zu John Bryant war über Jahre klar. Er war der „wertvollste Spieler“ aus Ulm, und Sie mussten ihn stoppen. Jetzt sehen Sie sich jeden Tag und sind Konkurrenten auf der Center-Position. Wie ist Ihr Verhältnis?

Er ist ein ganz netter, lockerer und kollegialer Typ, genau so, wie er auch wirkt. Im Training allerdings ist es teilweise sehr anstrengend. Wenn er da heiß läuft, kann es schon sein, dass er überhaupt nicht mehr zu stoppen ist. Dann wird es frustrierend.

Frustrieren Sie ihn denn nicht auch?

Ich hoffe es, aber da sollten Sie besser John fragen.

Sie interessieren sich für Politik, lesen gern. Haben Sie dafür als Vater von drei Söhnen und all den Spielen und Reisen noch Zeit?

Selbstverständlich. Ich weiß immer in etwa, was in der Welt passiert, auch durch das Internet.

Was wird denn am Sonntagabend nach Ihrem Gastspiel bei Alba zu lesen sein?

Ich hoffe, etwas über ein spannendes Spiel und einen Bayern-Sieg.