Am Sonntag wird vieles anders sein als sonst. Normalerweise beweisen Fans ihr Basketball-Expertentum, in dem sie beim Aufwärmen auf einen Spieler deuten und fachmännisch erklären: „Den kenn’ ich!“

Beim Alba-Spiel gegen Bayern München (15 Uhr, O2 World) wird sich damit allerdings kaum Eindruck schinden lassen, denn das Team des FC Bayern besteht bis auf wenige Ausnahmen aus alten Bekannten – von den Spielern, den Coaches Svetislav Pesic und Emir Mutapcic, bis hin zum Sportdirektor Marko Pesic und zu Zeugwart Eicke Marx waren insgesamt 13 Beteiligte schon mal in Berlin aktiv.

Dass der Stern des Südens, dank seiner Fußballprofis eine Weltmarke, seit 2011 auch in der Basketball-Bundesliga strahlt, wurde vom Rest der Liga anfangs mit Applaus bedacht. Die erhöhte Aufmerksamkeit der Medien, die verbesserten Einschaltquoten im Fernsehen, ein Gegner, der ausverkaufte Hallen verspricht und als Folge all dessen eine größere Attraktivität – die Bayern waren willkommen.

„Mia-san-mia“ auch beim Basketball des FC Bayern

Als dann aber der FC Bayern sich in der erwarteten „Mia-san-mia“-Tradition nicht nur mit Kleckern begnügte, sondern anfing zu klotzen, begannen die ersten in der Liga, die Stirn zu runzeln. Axel Schweitzer, Aufsichtsrat des Alba Basketballteams, fragte mehrfach öffentlich, „mit welcher Nachhaltigkeit das Projekt in München betrieben“ werde. Wenn das Geld jetzt einfach aus dem Fußball herübergeholt würde, dann sei, „etwas überspitzt, der Weg zu einem russischen Oligarchen nicht mehr allzu weit“. Worauf Bayern-Präsident Uli Hoeneß aus München verlauten ließ, dass er „Herrn Schweitzer gar nicht kenne“.

Die erste Berliner Farbe bekam das Projekt in München durch Marko Pesic, der dort vom Sportdirektor schnell zum Geschäftsführer aufstieg und dem alsbald sein Vater als Cheftrainer folgte. Der große Svetislav Pesic, ein Berliner Hero, der großen Anteil daran hat, dass Alba heute ein europäischer Spitzenklub ist, danach mit Jugoslawien Weltmeister (2002) und Europameister (2001) wurde und mit dem FC Barcelona die Euroleague gewann (2003) – zig nationale Meisterschaften kommen noch hinzu.

Spätestens, als Pesic senior auch noch seinen Nachfolger als Alba-Cheftrainer, Emir Mutapcic, als Assistenten nach München holte, war Präsident Hoeneß als einer, der zweite Plätze nur bedingt schön findet, nicht mehr allein.

Ein Etat von elf Millionen Euro

Marko Pesic benennt den Etat seines Teams plus Trainerstab mit 5,8 Millionen Euro, das Gesamtbudget liege bei elf Millionen. Geld, das dem Aufsteiger von 2011 eine gute Position im Werben um Spieler verschaffte. Als diesem Werben dann im Sommer mit Yassin Idbihi, Heiko Schaffartzik, Nihad Djedovic und Deon Thomspon gleich vier Alba-Spieler folgten – vier, die man gern in Berlin gehalten hätte – machte in Berlin das Wort vom „Wettrüsten“ die Runde.

Das seien „ganz andere Dimensionen“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi und sicherlich „gut für den Basketball“, aber auf ein „Wettrüsten“ lasse man sich in Berlin nicht ein. Zudem hoffte Baldi in einem Sport1-Interview, „dass sich der FC Bayern nicht nur darauf versteift, Spieler von irgendwo wegzuholen, sondern seine Strahlkraft auch nutzt, um Spieler zum Basketball zu bringen.“

Statements wie diese kommentiert Baldis ehemaliger Spieler Marko Pesic schon mal mit Sätzen wie: „Grundsätzlich ist Alba ja bekannt dafür, dass sie gern über uns reden“. Bei der Verpflichtung der vier ehemaligen Berliner Leistungsträger seien „ganz typische Auswahlkriterien angelegt“ worden. „Welche Spieler brauchen wir für welche Position und welchen Charakter bringen sie mit? Und wen können wir überhaupt bekommen?“

„Super-Kaltstart“ der Bayern durch reife Spieler

Am Ende des Sommers hatten Idbihi, Schaffartzik, Djedovic, Thompson, sowie Bryce Taylor und Lucca Staiger, die einstmals bei Alba aussortiert worden waren, den Auswahlkriterien entsprochen. Demond Greene, Mauricio Marin und Steffen Hamann waren ja schon da. Schon deswegen werde das Spiel „für alle etwas Besonderes sein“, weil jeder, der irgendwie eine Rolle in diesem wechselvollen Sommer spielte, „gefühlte 6000 Mal danach gefragt wurde“, erklärt Baldi.

Die Bayern hätten bei ihrem Kader auf fertig „ausgebildete Qualität“, gesetzt, „Spieler, die reifer sind und schon auf höchstem Niveau Schlachten geschlagen haben“. So sei „der Super-Kaltstart“ der Bayern in die Saison möglich gewesen. „Das haben sie uns voraus, dieses Spiel kommt für uns zu früh“, sagt Baldi. „Aber unsere Mannschaft – und das ist jetzt unsere Mannschaft für die nächsten zwei, drei Jahre – hat Herz ohne Ende. Keiner will dem anderen die Schau stehlen, es gibt keine Eifersüchteleien, alles erste Sahne, sie hat schon eine Menge erreicht, aber sie braucht noch viel Zeit.“

Obradovic hofft auf die Fans

Dass Albas neues Team noch Zeit braucht, steht einem Sieg im Prestige-Duell gegen die Bayern aber nicht zwangsläufig im Weg. Zum einen spielte Pesics Team am Freitagabend in der Europaliga noch gegen Malaga (nach Redaktionsschluss). Zum anderen tritt Alba vor gut 14.000 Zuschauern zu Hause an. „Ich sage niemandem, er soll die Gegner ausbuhen“, sagt Coach Sasa Obradovic.

„Jonas Wohlfahrt-Bottermann war in Bonn ein beliebter Spieler. Als wir dort gespielt haben, hat ihn jeder ausgebuht. Auch in Würzburg hat jeder Alex King ausgebuht.“ Natürlich bedanke er sich bei allen Ex-Spielern für den Einsatz, dennoch: „Wir brauchen aber einen Heimvorteil.“ Das werden nicht wenige in der Halle genau so sehen.