Jan-Hendrik Jagla weiß, dass seine Frau Ivana hin- und hergerissen ist. „Auch für sie ist es ein besonderes Spiel: Da ist ihr Vater auf der einen – und ich bin auf der anderen Seite“, sagt der Basketballprofi von Alba Berlin mit Blick auf das Bundesliga-Highlight am Sonntag (15 Uhr, O2 World) zwischen Alba und Bayern München. Die Partie ist brisant, auch weil nach der vergangenen Saison gleich vier Alba-Spieler zum Tabellenführer nach München wechselten.
Doch für Jagla hat das Ganze zusätzlich eine ganz persönliche Note: Bayern-Coach Svetislav Pesic ist sein Schwiegervater, Münchens Sportdirektor Marko Pesic sein Schwager.
„Natürlich ist das Spiel etwas Außergewöhnliches für mich“, gibt der 32-Jährige zu. „Selbstverständlich“ stünde er mit der Verwandtschaft in München laufend in Kontakt, doch das Aufeinandertreffen war bisher nicht das große Thema. Überhaupt sei es schwierig, Zeit füreinander zu finden. „Wir alle haben ja zwei Spiele pro Woche, da hat man kaum Zeit. Vielleicht ergibt es sich nach dem Spiel, dass wir zusammen quatschen können.“
Jagla sieht Bayern in der Favoritenrolle
Vor der Familienangelegenheit steht für ihn fest: „Die Bayern sind großer Favorit.“ Zu instabil sei das Alba-Team noch. „Aber das ist normal, wenn man ein ganz neues Team hat und auch noch neue Spieler integrieren muss.“ Wie momentan Uros Slokar, der für sechs Wochen den verletzten Leon Radosevic ersetzt. Über das eigene Team sagt der 2,13 Meter große Jagla: „Es liegt noch ein weiter Weg vor uns.“
Er selbst hat auch einen langen Weg hinter sich, bevor er zu Saisonbeginn nach Berlin kam. Der gebürtige Berliner, der bei Albas damaligem Kooperationspartner TusLi das Basketball-Einmaleins lernte, wechselte – anstatt einen Fünfjahresvertrag bei Alba anzunehmen – 2001 in die USA an die Pennsylvania State University. Danach hießen seine Stationen Panellinios Athen, Artland Dragons, Drac Inca Mallorca, Türk Telekom Ankara, Joventut Badalona, Prokom Gdynia, noch einmal Ankara und zuletzt zwei Jahre lang – Bayern München.
Bei Alba ist Jagla noch auf der Suche nach seiner Rolle
Dort hatte er im Sommer diesen Jahres mit dem Schwiegervater über seine zukünftige Rolle gesprochen. „Ohne Ärger, ganz professionell“ wurde die Frage geklärt. Jagla war klar, dass er bei Bayern künftig nicht die Spielzeit mehr bekommen würde, die ihm vorschwebte. Also der Wechsel. Zu seiner bisherigen Rolle in Berlin sagt er diplomatisch: „Wenn ich auf dem Feld war, habe ich gute Leistungen gebracht. Der Coach trifft eben die Entscheidung.“ Alba-Trainer Sasa Obradovic hat ihn bisher im Schnitt nur etwa elf Minuten aufs Parkett gelassen. Jagla dürfte sich mehr erhofft haben.“
Auf den langen Blonden angesprochen, stellt Obradovic Jaglas Rolle heraus, als Routinier den jungen Spielern eine Stütze zu sein. „Er kann den Jungen mit seiner Erfahrung sehr helfen.“ Als Beispiel fällt dem Trainer gleich die Halbzeitpause im Eurocupspiel vor zehn Tagen in Rom ein, als Jagla Center Jonas Wohlfahrth-Bottermann, 23, nach einigen unglücklichen Aktionen wieder aufbaute. Für Jan Jagla ist das Bayern-Spiel auch eine weitere Chance, seine Qualitäten als Spieler zu zeigen. „Und ich hoffe, Ivana feuert mich an.“





