Eine Zeitlang war es wie bei einem schönen Wochenendspaziergang. Als Vojdan Stojanovski Mitte des dritten Viertels einen Fastbreak von Alba Berlin zur 53:32-Führung vollendete, sah alles nach einem klaren Erfolg für die Berliner in Würzburg aus. Die Zuschauer pfiffen, Baskets-Trainer Marcel Schröder beschimpfte in einer Auszeit seine Spieler, die sich scheinbar in ihr Schicksal ergeben hatten. Doch die Gäste waren sich zu sicher, ihren ersten Auswärtssieg dieser Saison in der Basketball-Bundesliga einzufahren. Am Ende war der Ausgang viel enger als nötig. Alba gewann 75:67 (39:29), hätte nach einem Leistungseinbruch eine Viertelstunde vor Schluss die Partie aber auch verlieren können.

„Bis zum dritten Viertel haben wir das Spiel kontrolliert, sehr gut verteidigt, uns viele Würfe erarbeitet“, kommentierte Sportdirektor Mithat Demirel die Vorstellung des Berliner Teams. „Dann haben wir in der Verteidigung an Intensität verloren und die Würzburger aufgebaut.“ Aber der Sieg beim Tabellenletzten sei verdient, schließlich habe Alba mit Wille und Kampfgeist am Ende die entscheidenden Rebounds geholt. Es sei nicht einfach in Würzburg zu gewinnen.

Das ist im Prinzip richtig, die Berliner sind auch seit Jahren nicht mehr mit Erfolgserlebnissen aus der fränkischen Stadt zurückgekehrt. Doch am Sonnabend waren die Würzburger alles andere als stark. Immerhin entdeckte der sieglose Tabellenletzte sein Kämpferherz, als alles schon vorbei schien. Die Berliner verloren nun in der Offensive zu schnell die Geduld und dabei auch völlig ihren Rhythmus. Exakt drei Minuten vor dem Ende brachte ein Dreipunktewurf von Sebastian Betz die Gastgeber auf 62:65 heran; die Partie war wieder völlig offen.

Auch danach lag es nicht etwa allein an einer Steigerung Albas, dass die Sache gut ausging. Würzburg hatte alle Chancen, die Begegnung zu drehen, vergab diese aber kläglich. Ob ein stärkerer Kontrahent diese Möglichkeit gegen viel zu früh nachlassende Berliner, bei denen David Logan (16), Leon Radosevic, Levon Kendall (je 11) und Stojanovski (10) die meisten Punkte erzielten, wohl auch ungenutzt gelassen hätte? Nicht zu beantworten, aber schon am Mittwoch (20 Uhr, O2 World) wartet im Eurocup mit Cai Saragossa ein Gegner anderen Kalibers. Demirel wollte bei der neuformierten Mannschaft verständlicherweise das Positive sehen: „Unser erstes Auswärtsspiel bei den Artland Dragons haben wir bei ähnlichem Verlauf noch verloren.“ So gesehen, macht Alba Fortschritte.

BM