Die Ludwigsburger gelten als hart und höchst aggressiv, die Bonner als ballsicher und offensivstark. Beide Mannschaften hat das Team von Alba Berlin zuletzt innerhalb von drei Tagen einmal mit 31, das andere Mal mit 21 Punkten Differenz nicht nur geschlagen, sondern deklassiert. Am Sonnabend spielt das Team von Trainer Sasa Obradovic in Würzburg (20 Uhr, Sport1) und es lassen sich kaum Gründe finden, warum seiner Mannschaft nicht der dritte Sieg in Folge gelingen sollte. Die Franken konnten noch keines ihrer vier Spiele gewinnen.

Albas Coach muss natürlich dem Eindruck entgegentreten, dass die Partie in Franken zum Selbstläufer wird. Zum einen sei beispielsweise das Spiel am Dienstag in Bonn das „unrealistischste“ gewesen, was er als Spieler und Trainer je gesehen habe. „Wir haben in der ersten Halbzeit nur vier Würfe nicht getroffen, das ist unglaublich“, staunt Obradovic noch Tage später. Die Bonner hätten schnell „sehr verzweifelt ausgesehen“ und dabei sei es auch bis zum Schluss geblieben. Zum anderen ginge es für die Würzburger schon fast „ums nackte Überleben. Sie hatten viel Zeit, sich vorzubereiten und werden sehr aggressiv ins Spiel gehen.“

Albas Jahrgang 2013/2014 spielt sehr aggressiv

Ob das reicht? Denn gerade in Sachen Aggressivität ist Albas Jahrgang 2013/2014 seinen Vorgängern um Lichtjahre voraus. Es wird wohl eher das Problem der Würzburger sein, das Intensitätsniveau der Berliner abzurufen als umgekehrt. „Es ist schon ungewöhnlich, wie gut wir bereits verteidigen, angesichts der kurzen Zeit, die wir erst zusammen sind“, gibt Obradovic zu. In der Offensive ginge noch vieles daneben, da würden alle noch ihre Rollen suchen, „aber mit einer guten Verteidigung“, weiß er, „hat man immer eine Chance zu gewinnen.“

Um gleich zu Beginn der Spiele den richtigen Ton zu setzen, verrät Albas Trainer, schickt er derzeit gern die fünf Spieler aufs Feld, die gemeinsam die beste Verteidigung spielen. Zu denen gehört überraschenderweise auch Akeem Vargas, 23, obwohl der in der vergangenen Saison noch in der Zweiten Liga spielte. „Akeem hat sehr viel Energie und er weiß, dass es sein erster Job ist zu verteidigen“, lobt Obradovic seinen Musterschüler. „Aber er hat auch einen guten Wurf und in Zukunft wird er sicher eine noch kreativere Rolle spielen.“

Rückkehr von Alex King an den Main

Von Alex King, 28, war bei seinem Wechsel nach Berlin im Sommer bekannt, dass er ein bissiger, athletischer Verteidiger ist. Das hat ihn nicht nur zum Nationalspieler gemacht, sondern auch zum Kapitän. Dieses Amt bekleidete er vor seinem Wechsel zu Alba beim heutigen Gegner. Er ist mit dafür verantwortlich, dass Würzburg der einzige Bundesliga-Klub ist, gegen den Alba mit 3:5 Siegen eine negative Bilanz hat.

Als sein ehemaliges Team die Berliner vor zwei Jahren im Play-off-Viertelfinale stoppte, war er einer der treibenden Kräfte. Jetzt kehrt er erstmals an den Main zurück. „Ich weiß nicht, was mich erwartet“, sagt der smarte Flügelspieler. „Ich hoffe, ich werde nicht zu sehr ausgebuht, aber wenn doch, wird es mich noch mehr motivieren, dort sehr gut zu spielen. Ein großer Faktor in Würzburg sind die Fans, das ist ein richtiger Hexenkessel, aber wenn wir die gleich mit einer starken Verteidigung ruhig stellen, haben wir eine gute Chance, dort zu gewinnen.“

Keiner muss 30 Minuten oder länger spielen

Die beiden Siege zuletzt wären längst nicht so deutlich ausgefallen, wenn nur anfangs gut verteidigt worden wäre und die Intensität später nachgelassen hätte. Auch in guten Teams ist es nicht ungewöhnlich, dass die Leistungsträger pro Spiel mindestens 30, manchmal 35 Minuten auf dem Parkett stehen und die Bankspieler nur in den Erholungspausen der Stars zum Einsatz kommen. In Albas letzten beiden Spielen hatten Cliff Hammonds und Reggie Redding mit 26:24 respektive 25:38 Minuten die längsten Einsatzzeiten. Gegen Ludwigsburg setzte Obradovic alle zwölf und in Bonn neun Spieler ein. Wobei der wieder genesene Jonas Wohlfarth-Bottermann, der sich schon eine gewichtige im Team erspielte, verletzt fehlte.

Heimkehrer Jan-Henrik Jagla ist mit 32 Jahren einer der Oldies im Team. Einer, der die Jungen führen soll. „Einen guten Job“ hätten alle zuletzt gemacht, sagt er und erklärt, dass „in den letzten Jahren immer mehr Mannschaften, die auf hohem Niveau spielen, mit zehn Spielern rotieren, die alle zwischen 20 und 25 Minuten Einsatzzeit bekommen.“ Das Spiel werde immer schneller und anspruchsvoller, erklärt der 2,13 Meter große Berliner. „Die Trainer wollen halt nicht, dass sich Spieler dann mal kurz in der Defensive oder einen Angriff lang ausruhen.“ Gerade wenn eine Mannschaft wie Alba in Europa und der Bundesliga spielt, „bringt es nichts, Spieler in der ersten Saisonhälfte zu verheizen, dass sie dann am Ende keine Kraft mehr haben“.

Center Wohlfarth-Bottermann ist wieder fit

Genau deshalb sei es richtig, zehn Spielern in etwa gleich viel Spielzeit zu geben, findet Jagla, der offensichtlich kein Problem damit hat, dass er zuletzt rund 15 beziehungsweise 18 Minuten im Einsatz war. „Wir haben einen breiten und tiefen Kader und auf jeder Position zwei Spieler, die auf hohem Niveau Leistung bringen können.“

Der in Würzburg wohl noch breiter und tiefer sein wird. Center Wohlfarth-Bottermann stieg nach seiner Sprunggelenksverletzung am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining ein. Mit ihm würde der erste Auswärtssieg in dieser Saison noch ein weiteres Stück wahrscheinlicher. Vorausgesetzt, natürlich, die Verteidigung stimmt.