Alba Berlin

Die Riesen auf dem Basketball-Feld werden immer schneller

Bundesligist Alba Berlin hat bei der Zusammenstellung seines Kaders auf den neuen Trend reagiert: Den klassischen Center gibt es kaum noch, gefragt sind eher Schnelligkeit und Variabilität.

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Sasa Obradovic weiß ganz genau, was auf sein Team zukommt: „Sie zerstören ihre Gegner und bestimmen darüber den Rhythmus des Spiels“, sagt der Trainer von Alba Berlin. „Sie“ – das sind Basketball-Mannschaften, die vom US-Amerikaner John Patrick gecoacht werden.

Das war einst mit Göttingen so, das war damals mit Würzburg so. Und das wird auch nicht anders sein bei den Riesen Ludwigsburg, gegen die Alba an diesem Sonnabend (19 Uhr, O2 World) im ersten Bundesliga-Heimspiel der Saison 2013/2014 anzutreten hat.

„Terror-Basketball“ wird in der Szene das genannt, was Patrick spielen lässt. Gnadenlose Verteidigung soll einen konzentrierten Spielaufbau des Gegners von der ersten Sekunde an unmöglich machen. Obradovic fordert: „Wir sind die Favoriten. Wir müssen das Spiel gewinnen.“ Auch um nach der Auftaktniederlage in der Bundesliga bei den Artland Dragons (66:67) gleich wieder in die Spur zu kommen.

Sonnabend gegen Ludwigsburg

Dass gegen Ludwigsburg (und wohl auch im Eurocup am kommenden Dienstag in Bonn) der 2,08 Meter große Jonas Wohlfahrth-Bottermann wegen einer Bänderdehnung im rechten Sprunggelenk fehlen wird, macht die Sache nicht einfacher. Denn Obradovic sagt: „Die Rebounds waren auch ein Grund dafür, wieso wir im Artland verloren haben.“ Da fehlten die langen Arme des Centers, der sich bereits nach einer Minute Einsatzzeit verletzt hatte.

Jetzt müssen andere aus der langen Garde einspringen wie Jan-Hendrik Jagla (2,13 m), Levon Kendall (2,09 m) oder Leon Radosevic (2,08 m). Spieler, die variabel sowohl die Position des Power Forwards als auch die des Centers ausfüllen können. Sie stehen für einen neuen Stil: Direkt am Korb einsetzbar, aber auch über einen guten Distanzwurf verfügend. Es geht um Schnelligkeit und Variabilität: Selbst ein Koloss wie der Neu-Münchner John Bryant, davor im Ulmer Trikot zweimal zum „wertvollsten Spieler der Liga“ (MVP) gewählt, besitzt inzwischen eine weitere wichtige Qualität: Er trifft verlässlich aus der Distanz.

Auch Kolosse treffen jetzt mit Distanzwürfen

„Das Spiel ist gerade in der Bundesliga schneller und athletischer geworden. Dieser Trend wird sich fortsetzen“, erklärt Jagla, der aufgrund seines guten Wurfes schon immer weiter vom Korb entfernt gespielt hat. „Die Hagener sind ein gutes Beispiel. Die haben vergangene Saison ganz ohne Center rasend schnell gespielt und von außen alles getroffen. Da kann ein klassischer Center der alten Schule, der immer einen Schritt langsamer ist, schon zum Problem werden.“

Die neuen Anforderungen für die Langen im Basketball hin zu mehr Schnelligkeit wurde durch die Verkürzung der Angriffszeit erzwungen. Seit dem Jahr 2000 müssen in Europa wie in der NBA die Angriffe in 24 und nicht wie früher in 30 Sekunden abgeschlossen werden. Zudem wurde der Trend in der Bundesliga vor allem durch die kleinen Teams wie eben Hagen verstärkt, die aus der Not, sich keinen Hünen leisten zu können, zur Tugend gefunden haben: nämlich rasend schnell und athletisch zu sein.

Neues Anforderungsprofil für die Profis

„Der Vorteil schneller und beweglicher großer Spieler ist, dass wir Systeme spielen können, bei denen sich erst in einzelnen Situationen entscheidet, ob du der Center oder der Power Forward bist“ erklärt Jagla. „Je mehr man kann, desto besser kann man auf seinen Gegenspieler reagieren. Die Größe haben wir ja schon, vielleicht nicht die Brecher-Kraft, aber das kann man mit Schnelligkeit kompensieren.“

Dass in der Biografie des zurzeit fehlenden Wohlfarth-Bottermann, 23, noch nicht steht, dass er auch variabler weiter außen spielen kann, liegt daran, „dass er noch an seinem Wurf arbeiten muss“, so Obradovic. Was Schnelligkeit und Beweglichkeit angehen, erfüllt er aber schon das Anforderungsprofil des modernen Riesen. Und er verfügt über eine Erfahrung, die nur wenigen zuteil wurde. Er spielte in Bonn mit dem Prototypen des Centers alter Schule in einem Team: Chris Ensminger, der bei den Alba-Fans wohl ungeliebteste Zeitgenosse.

Wohlfarth-Bottermann feilt an seinem Wurf

„Es war gut, zwei Jahre gemeinsam mit ihm zu spielen und im Training gegen einen so erfahrenen Center zu kämpfen. Ich habe viele Kleinigkeiten von ihm gelernt, auch in Sachen Einstellung“, erzählt Wohlfahrt-Bottermann. „Gerade weil ich nicht der Spielertyp wie er bin, konnte ich viel mitnehmen. Chris macht keine Gefangenen, spielt so hart, wie es geht. Man darf sich nicht alles gefallen lassen gerade unter dem Korb, wo es ja richtig zur Sache geht.“

„Es hat sich schon in den letzten Jahren abgezeichnet, dass immer weniger klassische Center spielen“, sagt Albas Kapitän Sven Schultze. „In Europa werden wir schon einigen begegnen, die etwas kräftiger sind, aber gegen die können wir das Spiel auseinander ziehen, weil wir gute Werfer von außen haben.“

Radosevic gilt als sehr großes Talent

Und selbstbewusste noch dazu. „Wir sind jung und können laufen, ich denke, dass das viel besser ist, als mit einem großen schweren und langsamen Center zu spielen“, sagt Leon Radosevic, der aus Mailand kam und dem Obradovic sogar zutraut, einmal den Sprung in die NBA zu schaffen. „Ich glaube, wir werden uns nicht so sehr auf die Gegner einstellen, die müssen sich auf uns einstellen.“

Und genau das fordert Obradovic am Sonnabend von seiner Mannschaft gegen Ludwigsburg: „Wir dürfen ihr Spiel nicht zulassen. Wir müssen von Beginn an unser Spiel durchziehen.“ Ob mit echten oder verkappten Centern, ganz egal.