Basketball

Alba sucht den Schulterschluss mit den eigenen Fans

Beim Stammtisch der Fanklubs „Alba-Tross“ und „Block 212“ im Pfefferberg werben Geschäftsführer Marco Baldi und Sportdirektor Mithat Demirel um Geduld. Die meisten Anhänger wollen den Weg mitgehen.

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Kurz nach 21 Uhr erscheinen unter dem Jubel der etwa 400 Fans von Alba die Überraschungsgäste. Sven Schultze, Clifford Hammonds, Reggie Redding und Akeem Vargas sind direkt nach dem Training in den Pfefferberg gekommen, wo die Fanclubs „Alba-Tross“ und „Block 212“ sieben Wochen vor Saisonbeginn zu einem Stammtisch geladen haben.

Und die Stimmung hat ihren Höhepunkt, als Basketballprofi Redding, neu aus Tübingen zum Team gekommen, sogar auf deutsch antwortet: „Alles gut!“

Nur zwei Spieler sind geblieben

Die Fans sind heiß auf die kommende Saison, das merkt man ihnen an, die teilweise in blau-gelben Shirts in den Pfefferberg gekommen sind. „Mehr als sonst bedarf es Erklärung, wo die Reise hingehen soll“, hat es in der Einladung geheißen. Geschäftsführer Marco Baldi und Sportdirektor Mithat Demirel sind da, wollen, müssen erklären.

Die beiden aus Albas Führungsspitze sind gekommen, um die Fans mitzunehmen auf die neue Etappe, die man auch ein bisschen als einen Neuanfang bezeichnen kann. Baldi nennt es sogar „Radikalschnitt“. Bis auf Kapitän Schultze und Nachwuchsmann Sebastian Fülle ist das Team komplett neu.

Belastbares Fundament statt sofortiger Erfolg

Doch es geht um mehr als ein schlichtes Auswechseln der Köpfe. Das Motto heißt: Weg vom absoluten Muss, überall – in der Bundesliga wie in Europa – unbedingt ganz oben zu sein. Denn es ist in dieser ganzen Hatz seit Jahren versäumt worden, eine Basis aufzubauen, auf Kontinuität zu setzen. Erfolg sofort – so hieß es jedes Mal. Auf der Habenseite stehen in den vergangenen zehn Jahren dennoch nur eine Meisterschaft, zwei Pokalsiege, die Finalteilnahme im Eurocup.

Jetzt steht auf der Agenda, ein längerlebiges Fundament zu errichten. Belastbar und nachhaltig. Junge deutsche Spieler mit Potenzial haben Verträge mit bis zu vier Jahren Laufzeit bekommen, Ausländer teilweise Kontrakte für zwei Jahre. Was, vergleicht man mit den Vorjahren, eher ungewöhnlich ist.

Kritik weicht Optimismus

Kürzlich hat sich Baldi im Interview mit der Morgenpost als „Überzeugungstäter“ bezeichnet. Jetzt gilt es, die Basis zu überzeugen vom neuen Weg. „Geduld“ ist ein Wort, das er mehrere Male gebraucht. Die Reaktionen zeigen, dass die Treuesten der Treuen bereit sind, den Weg mitzugehen.

Natürlich will man trotzdem vorne ein Wort mitreden gegen Bamberg, Ulm, Oldenburg und natürlich gegen die übermächtig scheinenden Bayern. Gegen die Baldi immer mal ein bisschen stichelt, was den Alba-Anhängern natürlich gut gefällt. Kritik gibt es kaum, sie scheinen nach den ganzen Verpflichtungen in den vergangenen Wochen inzwischen den Optimismus von Demirel zu teilen: „Wir werden ein sehr gutes Team haben.“

Und Baldi erntet unter lautem Lachen ein vielstimmiges „Danke“, als er verspricht: „Wir wollen eure Leidensfähigkeit nicht überstrapazieren.“ Denn gerade das Ausscheiden bereits im Play-off-Viertelfinale gegen Bayern in der vergangenen Saison hat alle tief getroffen. Ein „Scheiß-Ende“ nennt es Baldi.

Diesmal soll es besser werden. Wobei immer wieder die Bayern, zu denen vier aus dem Alba-Team der Vorsaison gewechselt sind, wie ein roter Faden thematisiert werden. Vielleicht, so Baldi, tun sich sogar die Fans von Bamberg und Alba – sich eigentlich spinnefeind – gegen den neuen Krösus der Liga aus München zusammen. Doch da ist sich die Fanschar einig. Ein Ruf schallt durch den Raum: „Niemals!“