Noch einen Tag Blut abnehmen, mit der Atemmaske auf dem Laufband und dem Fahrrad schwitzen, dann weiß Trainer Sasa Obradovic, wie fit seine Spieler sind. Am Mittwoch wird er sie dann erstmals in Albas Trainingszentrum in Mitte um sich versammeln, um ihnen nicht nur wie bislang telefonisch, sondern direkt zwischen zwei Körben zu vermitteln, was er von ihnen in den kommenden gut zehn Monaten erwartet.
Noch allerdings ist das Team nicht komplett, Alex King und Jonas Wohlfahrt-Bottermann bereiten sich mit der deutschen, Vojdan Stojanovski bei der mazedonischen Nationalmannschaft auf die EM in Slowenien vor. David Logan, der vom europäischen Spitzenteam Maccabi Tel Aviv zu Alba kommt und wohl einer der Stars des völlig neu zusammengesetzten Teams sein wird, soll erst am Freitag in Berlin landen.
Wann und woher das letzte noch fehlende Puzzleteil zur Mannschaft stoßen wird, ist derzeit noch unklar. Mit einem ausländischen Center, der auch auf der etwas kleineren Position des Power Forwards zurecht kommt, sei man so weit, dass ihm gestern ein Angebot unterbreitet wurde, erklärt Obradovic. Aber sicherlich müsse „da noch wie immer ein wenig verhandelt werden“. Und ja, sagt Albas Coach: „Jan Jagla ist noch immer eine Option.“ Höchstwahrscheinlich aber nur, wenn die Verhandlungen mit dem geheimnisvollen Mister X aus Y nicht zur Vertragsunterschrift führen.
Elf neue Spieler im Kader
Obradovic wird eine Mannschaft in die Saison führen, in der, Mister X schon eingerechnet, elf Zugänge und mit Kapitän Sven Schultze nur ein Spieler aus der vergangenen Saison stehen. Ebenfalls neu: Alba fährt weder nach Kranjska Gora (Slowenien), noch, wie vor zwei Jahren, ins ferne China ins Trainingslager, sondern bleibt in Berlin. „Wir haben alles hier für eine gute Vorbereitung“ erklärt Obradovic, Sparzwänge seien auf gar keinen Fall der Grund. Am 12. und 14. September werde in Hin- und Rückspielen gegen den polnischen Erstligisten Zielona Gora getestet, die Reisepläne zu Turnieren in der Türkei, Spanien oder Belgien stünden in den nächsten Tagen fest.
Alles neu also bei Alba, auch international. Nach der Europaliga ohne die Berliner wartet jetzt wie von 2009 bis 2012 der zweitklassige Eurocup. Obradovic hofft, dass das seinem Plan, über die kommende Saison hinaus ein Team zu bauen, entgegen kommt. „Der größte Unterschied zur vergangenen Saison ist, dass wir jetzt auf allen Positionen sehr viel Konkurrenz haben, eine Mischung aus Talent und Erfahrung, in der die Älteren die Jungen unterstützen müssen. Wir werden besser für die Bundesliga gerüstet sein“, sagt Albas Trainer und witzelt in Anspielung darauf, dass mit Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Deon Thompson und Nihad Djedovic gleich vier Spieler nach München abgewandert sind: „Wir haben allen extra längere Verträge gegeben, damit sie nicht gleich nach einem Jahr zum FC Bayern gehen.“
Ein junges Team, das Druck macht
Dass da neue Begehrlichkeiten entstehen, hält Obradovic durchaus für möglich – und nicht nur in München. Von seinem Center Leon Radosevic (23), der für zwei Jahre in Berlin unterschrieb, sagt er: „Wenn er in seiner Entwicklung jetzt den nächsten Schritt macht, ist er ein Mann für die NBA.“
Der Deutsch-Israeli Bar Timor (21) unterschrieb sogar für drei Jahre. Der Wunsch, im Ausland zu spielen, war ohnehin da „und Alba war meine erste Option“, erzählt er. Von der ersten Teamsitzung am Montag war er angetan. „Die Mischung gefällt mir. Wir sind ein junges Team, das viel Druck machen wird, haben aber auch erfahrene Spieler, die uns helfen werden.“
Dass er Teil eines Neuanfangs bei Alba ist, weiß Timor natürlich genauso wie auch einer der Erfahreneren, Clifford Hammonds (27). Eine Extra-Last auf ihren Schultern spüren die Neuen deswegen aber nicht. „Die Vergangenheit ist egal, Berlin ist ein großer Klub, und ich bin froh hier zu sein“, sagt Spielmacher Hammonds, der bereits Vater zweier Söhne und einer Tochter ist. Ein weiteres Baby ist unterwegs. „Wir müssen uns als Team finden, eine Chemie entwickeln und dann werde ich das Team so weit wie möglich führen. Jetzt in der Vorbereitung müssen wir das Fundament bauen.“ Auch auf der Position des Lenkers setzt Alba auf Kontinuität: Hammonds unterschrieb bis 2015.





