Nun gibt es doch einen, den die Fans wiedererkennen werden und von dem sie wissen, was sie erwarten dürfen. Sven Schultze hat für ein weiteres Jahr bei Alba unterschrieben. Er wird der einzige Spieler in der kommenden Saison sein, der auch in der vergangenen Saison für das Berliner Basketball-Team spielte.

Nach seinen vier Berliner Lehrjahren bei TuS Lichterfelde und Alba (1998 bis 2002), wo er sich im Training am übergroßen Wendell Alexis abarbeiten musste und nur wenig spielte, wird es für ihn die insgesamt achte Saison im Alba-Trikot sein. 2010 war der 2,06 große Flügelspieler nach Engagements in Leverkusen, Italien und Griechenland nach Berlin zurückgekehrt.

Schultze, ausgerechnet in der Stadt von Albas größtem Rivalen, in Bamberg geboren und dort immer wieder kräftig ausgepfiffen, kann man also ohne weiteres abnehmen, wenn er sagt: „Berlin ist meine zweite Heimat geworden und ich fühle mich hier sehr wohl.“ Sein „großer Wunsch“ sei es gewesen, „noch ein Jahr für Alba zu spielen“. und dann zwinkert er: „Das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss!“ Voller Tatendrang sei er.

Der neue, alte Leitwolf

Der Vertrag des 35-jährigen Oldies wurde wohl kaum um ein weiteres Jahr verlängert, weil von ihm erwartet wird, 30 Minuten pro Spiel rauf und runter zu rennen, 20 Punkte zu machen und zehn Rebounds zu holen. Das tat er auch schon in der vergangenen Saison nicht, in der er in der Bundesliga durchschnittlich achteinhalb Minuten zum Einsatz kam, 2,8 Punkte machte und 1,1 Rebounds holte.

Der Power Forward, als „Schulle“ längst einberlinert, soll, auch, wenn er nur wenig spielt, der Leitwolf sein für ein Team, das bislang aus zehn Neuen besteht. „Sven ist ein Vorzeigeprofi, wie ihn sich jeder Trainer nur wünschen kann. Er gibt immer 100 Prozent und bringt viel positive Energie in die Mannschaft“, formuliert Trainer Sasa Obradovic, was er auch in Zukunft von Schultze erwartet. „Sowohl auf als auch abseits des Spielfelds. Er kennt Alba und die Stadt sehr gut und wird eine wichtige Rolle im Team spielen. Insbesondere unsere jungen Spieler können von seiner großen Erfahrung profitieren.“

Er habe gleich eine Woche nach der Saison mit Sportdirektor Mithat Demirel ein Gespräch gehabt, aus dem er schließen durfte, dass sich sein Wunsch, auch in der kommenden Saison für Alba spielen zu dürfen, erfüllen könnte, erzählt Schultze. Dann aber hätte es eine längere „Funkstille“ gegeben, was ihn aber im Familienurlaub in Österreich nicht groß beunruhigte. „Es hat sich in der Zeit ja viel getan und es gab wohl auch einiges zu klären“, umschreibt Schultze die Entwicklung der letzten Monate.

Jagla-Transfer jetzt unwahrscheinlich

Ein Formulierung, die auch etwas drastischer ausfallen könnte. Denn die, die ohnehin gehen sollten, gingen, und die, die man halten wollte (Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Deon Thompson), gingen zum FC Bayern oder nach Bayreuth (Zach Morley). So ist Schultze nach zehn Zugängen zuvor der erste und einzige Spieler, der Alba und die Philosophie seines Trainers kennt. Verständlich, dass man einen will, der hilft, all das den Neuen zu vermitteln. Und ganz nebenbei: Für einen Dreier aus acht Metern ist „Schulle“ immer gut, und auswärts die gegnerischen Fans provozieren kann er auch ganz gut.

Mit der Verpflichtung Schultzes ist der Wechsel von Jan Jagla nach Berlin, über den viel spekuliert wurde, eher unwahrscheinlich. Sicher ist hingegen, dass noch ein waschechter Center gesucht wird. Einer, der sich von einem 120-kg-Mann nicht hin und her schieben lässt, ein wenig wuchtiger ist als die bislang verpflichteten Leon Radosevic und Jonas Wohlfarth-Bottermann (beide 2,08 m), die eher drahtige Typen sind.

Ob Nathan Peavy, der sich in der Vorbereitung zur vergangenen Saison so schwer am Knie verletzte, noch ein Faktor in Albas Plänen wird, entscheidet sich möglicherweise „im Oktober“, sagt Demirel. „Es war ja eine sehr, sehr schwere Verletzung und der Zustand des Knies hatte sich wieder verschlechtert. Er war über Jahre unser Wunschspieler und wir geben ihm die Zeit. In den jetzigen Planungen spielt er aber erst mal keine Rolle.“