Basketball

Albas Mann in Amerika hofft auf eine Karriere in der NBA

Basketballer Niels Giffey hat am College bereits die Meisterschaft gewonnen. Natürlich möchte er in die beste Liga der Welt, aber auch eine Rückkehr zu Alba kann in einem Jahr eine Option sein.

Foto: Theo Breiding

Er hat viel gewagt und mehr gewonnen, als er jemals zu hoffen wagte. Vor etwas mehr als drei Jahren entschloss sich Niels Giffey, in Prenzlauer Berg aufgewachsen und schon zu dieser Zeit als Ausnahmetalent in Albas Nachwuchs auffällig geworden, sein Glück in den USA zu suchen. Gerade erst 19 Jahre alt geworden und das Abitur druckfrisch in der Tasche, wechselte er an die University of Connecticut, ein College, an dem einen der Ruhm und Glanz vergangener Basketball-Teams anspornen, aber auch vom ersten Tag an tonnenschwer auf den Schultern liegen kann.

„Ich hatte ich mich schon länger entschieden, in die USA an ein College zu gehen, weil man dort Studium und Sport miteinander verbinden kann, wie es hier in Deutschland nicht möglich ist“, erklärt der zwei Meter große Youngster. Nach Ende seines dritten Studienjahres und mit dem Beginn der Vorbereitung der Nationalmannschaft auf die EM in Slowenien weilt er für etwas mehr als zwei Wochen in seiner geliebten Heimatstadt. „Für UConn habe ich mich entschieden, weil das Team dort im Umbruch war und von einem Hall-of-Fame-Coach, von Jim Calhoun, trainiert wurde, der Spieler wie beispielsweise Ray Allen oder Caron Butler geformt hat.“

Im Finale stand er 24 Minuten auf dem Feld

Bereut hat er diesen Schritt nie, allein über seinen Büchern sitzend hinterfragt aber hat er ihn schon. Zumindest im ersten Jahr. Denn sein Plan, „schnell einen Platz im Team zu finden und dann durchzustarten“, ließ sich langsamer umsetzen als gedacht. „Erst einmal gebrochen und dann wieder aufgebaut“ habe ihn Coach Calhoun, und dann folgt lächelnd: „mit Erfolg“. Und er weiß: mit dem größtmöglichen.

Gleich in seinem ersten Jahr gewann der Junge aus der Schmeling-Halle die US-Meisterschaft. Und er war mehr als nur dabei. Im Finale um die NCAA-Championship, das seine UConn Huskies gegen die Butler Bulldogs vor 70.376 Zuschauern im Reliant Stadium in Houston/Texas 53:41 gewannen, stand er 24 Minuten auf dem Parkett.

Spiele vor 20.000 Zuschauern

Zwei diamantenbesetzte XXL-Ringe, einen bekam er von der Uni, den anderen von der NCAA (National Collegiate Athletic Association), um die ihn Millionen junger amerikanischer Athleten beneiden, werden ihn ein Leben lang an den Triumph von Houston erinnern. „Aber als es passierte, haben wir nur im Moment gelebt“, erzählt er. „Es war einfach unglaublich, überall Massen, die uns feierten, der Umzug auf dem Campus und der in Hartford, all die Glückwünsche und wer einen nicht alles kennen lernen wollte.“

Als all der Trubel sich dann gelegt hatte und das Semester abgeschlossen war, flog Giffey ab in die Ferien nach Berlin. „Und fünf Tage später zurück in die Staaten, nach Washington. Wir waren von Präsident Obama eingeladen worden, haben einen Tag im Weißen Haus verbracht, auf dem Platz des Präsidenten Basketball gespielt, und dann hat er uns allen die Hand geschüttelt und gratuliert.“ Die gleiche Ehre wurde damals wenig später auch Dirk Nowitzki zuteil, nachdem er mit Dallas bei den Profis in der NBA Meister geworden war. Was nicht zuletzt einiges über die Dimensionen des College Basketballs erzählt.

Realistisch betrachtet liegt seine Zukunft in Europa

So reisen die Topteams wie Giffeys Huskies in gecharterten Jets zu den Auswärtsspielen. Wenn die eigene Halle im UConn-Städtchen Storrs, die 12.000 Zuschauer fasst, zu klein ist, weicht das Team nach Hartford aus, wo die Arena 20.000 Plätze bietet. Dass alle Spiele live im Fernsehen übertragen werden, versteht sich. NCAA-Basketball ist ein milliardenschweres Geschäft.

„Der Traum von der NBA ist natürlich da“, sagt der waschechte Berliner, der einst über die Marzahner Bären und TuSLi zum Alba-Nachwuchs stieß. „Aber realistisch betrachtet liegt meine Zukunft eher in Europa. Ich müsste in der kommenden Saison noch einmal richtig drauflegen, aber man darf Träume ja auch nicht zu schnell aufgeben.“

Seine Vielseitigkeit wird von allen gelobt

In den USA wird vor allem Giffeys Vielseitigkeit gelobt. Bis auf der Position des Centers, wo Körpermaße so um die 2,10 Meter von Vorteil sind, könne er überall spielen. Ein „Energizer“ sei er zudem, einer der Gas gibt, also einer, der die anderen mitreißt. „Drüben wird mir auch immer gesagt, dass ich für einen weißen Jungen ganz schön athletisch bin“, sagt Giffey, und das Funkeln in seinen Augen verrät, wie sehr er sich über das Kompliment freut. Diese Athletik sei auch der Grund für seine Variabilität. Mit seiner Schnelligkeit könne er kleinere und mit seiner Sprungkraft größere Gegenspieler verteidigen. Hinzu kommt: „Ich habe, glaube ich, auch ein gutes Basketballverständnis, kann gut zum Korb ziehen, arbeite seit Jahren konsequent an meinem Wurf, habe ihn verbessert, und ich habe eine großen Ehrgeiz, Teambasketball zu spielen.“

Mit diesem doch recht kompletten Paket steht Giffey aber nicht nur in den Notizbüchern der NBA-Späher, sondern auch in denen der Manager der Bundesliga – und da ganz oben und mit rotem Kringel. Denn seitdem sich die Klubs zu sechs Deutschen pro Team und Spiel verpflichtet haben, übersteigt die Nachfrage das Angebot bei Weitem. Die roten Teppiche, ob bei Alba, in Bamberg, bei den Bayern oder sonst wo, werden aber vorerst eingerollt bleiben.

Nächstes Ziel ist die EM in Slowenien

Den Traum von der NBA mal beiseite gelassen, sind seine Pläne vorerst andere. Er will den Sprung in den Zwölfer-Kader schaffen, der Deutschland bei der EM in Slowenien (4. bis 22. September) vertritt, und dann zurück nach Connecticut zu seinen Huskies, deren Leader er in seinem vierten und letzten Jahr sein wird. Mit denen will er „noch mal etwas reißen“.

„Ich habe im vergangenen Sommer der Nationalmannschaft abgesagt, weil ich an der Uni Kurse im Voraus belegt hatte, um in diesem Jahr bei der EM dabei sein zu können“, erklärt der Student der „Economic Geography“, einem Studium, in dem Geographie und Wirtschaftswissenschaften zusammenfließen. „Ich denke, ich habe gute Chancen, bei der EM dabei zu sein. Danach werde ich zurück in die USA gehen. Mein Studium will ich auf jeden Fall fertig machen.“

Am College ist Freizeit ein Fremdwort

„Freizeit“ sei für ihn während der Semester „fast ein Fremdwort“. Er stehe um neun auf, „aber nur, weil ich nach drei Jahren weiß, wie ich meine Kurse zu legen habe“, geht in den Kraftraum, dann in die Vorlesungen und nachmittags zum Training. „Wenn ich aus der Halle komme, ist es an guten Tagen gegen halb sechs, dann sitze ich bis etwa acht über den Büchern.“ Was er aufgrund der rigorosen Auflagen der NCAA im Übrigen dokumentieren muss.

Ein nahezu freizeitloses Leben lässt sich als Champion natürlich leichter ertragen. Hilfreich ist auch, dass er in Storrs, wo neben den 20.000 Studenten noch knapp 11.000 weitere Menschen leben, nicht allzu viel verpasst.

In Gedanken ist er oft in seiner Heimatstadt

Und so kann es auch schon mal passieren, dass er in Gedanken einen Abstecher in die Heimat macht. An seine Freunde denkt, „daran, in Friedrichshain an vollen Cafés vorbei durch die Straßen zu laufen, im Mauerpark zu sein, vielen Menschen zu begegnen, an dieses städtische, offene Lebensgefühl, was früher ganz normal, aber jetzt etwas ganz Besonderes ist.“

Diese Liebeserklärung an Berlin könnte Albas Machern kommenden Sommer schon in die Karten spielen, wenn der verlorene Sohn vom Prenzlauer Berg seine Karriere als Basketball-Profi beginnen wird. Aber da ist ja auch noch der Traum von der NBA, und ohnehin sei bis zu seinem Abschluss an der Uni „alles offen“, sagt der smarte Berliner Youngster. Er weiß: Ein Champion wird schon standesgemäß unterkommen.