Basketball

Alba Berlin verliert Platz in Europaliga an Team aus Ukraine

Alba Berlins Basketballer hatten gehofft, langfristig einen Platz in der Europaliga zu bekommen. Doch jetzt sieht es so aus, als ob ihnen der ukrainische Meister Budivelnik Kiew diesen Platz wegschnappt.

Foto: Britta Pedersen / pa/dpa

Mithat Demirel bemüht sich, gelassen zu wirken. „Noch sind es ja nur Gerüchte“, sagt der Sportdirektor von Alba Berlin. Doch es klingt auch ein bisschen Resignation durch, wenn Demirel ergänzt: „Wir hatten ohnehin mit dem Eurocup geplant.“

Die italienische Sporttageszeitung Gazzetta dello Sport hat vermeldet, dass der achtmalige deutsche Basketball-Meister in der kommenden Saison keinen Platz in Europas erster Liga, der Euroleague, bekommen wird. Und das träfe die Berliner hart und überraschend. Zumal die Umstände, unter denen sie ausgemustert worden sein sollen, dubios erscheinen.

Verkündung der 24 Mannschaften am 3. Juli in Barcelona

In Barcelona, dem Stammsitz der Euroleague, wird am 3. Juli verkündet, welche 24 Teams in der Spielzeit 2013/14 an den Start gehen. 13 Vereine haben ihren Platz sicher, weil sie über eine sogenannte A-Lizenz verfügen, unter anderen Topklubs wie Real Madrid und FC Barcelona, Maccabi Tel Aviv, Efes Istanbul, Panathinaikos Athen oder Olympiakos Piräus. Andere haben sich durch den Gewinn ihrer nationalen Meisterschaft qualifiziert – wie die Baskets Bamberg (B-Lizenz). 20 Plätze insgesamt sind auf diese Weise bereits vergeben. Bleiben vier.

Um einen davon streiten sich acht Teams bei einem Qualifikationsturnier. Daran nimmt der deutsche Vizemeister Baskets Oldenburg teil; bisher ist es aber noch keinem Bundesligaklub gelungen, diese Hürde zu meistern. Zwei weitere Plätze vergibt die Euroleague per Wildcard und hat sich angeblich für den FC Bayern München und den französischen Meisterschaftsfinalisten SIG Strasbourg entschieden. Bleibt immer noch einer. Auf den hatte Alba Berlin spekuliert.

In mehreren Vorgesprächen das Interesse bekundet

Denn ursprünglich gab es 14 A-Lizenzen. Allerdings ist der polnische Besitzer dieser Spielberechtigung, Assecco Prokom Gdynia, pleite und musste seine Lizenz zurückgeben. Die Regularien der Euroleague sehen vor, dass A-Lizenzinhaber wirtschaftlich gesund sind, eine Halle für mindestens 10.000 Zuschauer und eine gute Platzierung im europäischen Klub-Ranking haben. All das hat Alba zu bieten. Und deshalb in Vorgesprächen mit der Euroleague mehrfach sein großes Interesse bekundet.

Die Berliner wirtschaften solide, die O2 World ist eine der größten und modernsten Arenen Europas. Ihre Zuschauerzahlen sind top. In der Klub-Rangliste belegen sie Rang 16. Nicht zuletzt deshalb, weil sie in der vergangenen Saison sehr ordentlich in der Europaliga abschnitten, das Top 16 erreichten und auch dort immerhin viermal gewannen. So war Alba guter Hoffnung, sich dauerhaft einen Platz in der Euroleague zu sichern.

Eine Europaliga-taugliche Halle gibt es in Kiew noch nicht

Stimmen jedoch die Unkenrufe, haben die Herrschaften in Barcelona es sich anders überlegt. Ganz anders. Sie vergeben nicht die A-Lizenz neu, sondern eine weitere Wildcard. Glücklicher Gewinner soll Budivelnik Kiew sein, eine Mannschaft, die sich im Meisterschaftsfinale der Ukraine mit 4:3 Siegen gegen Azovmash Mariupol durchsetzte und im Eurocup das Halbfinale erreicht hat.

Es wäre ein heftiger Schlag ins Gesicht Alba Berlins, das seit über 20 Jahren regelmäßig in europäischen Wettbewerben antritt, 1995 den Korac-Cup gewann und 2010 im Finale des Eurocups stand. Und warum ausgerechnet Kiew? Die Ukrainer spielen vor durchschnittlich gut 2500 Fans. Eine Europaliga-taugliche Halle werden sie erst zur Europameisterschaft 2015, die in der Ukraine stattfindet, zur Verfügung haben. Käme es so, hätte die Entscheidung einen Beigeschmack. Schon bei der EM-Vergabe war das Geld der ukrainischen Oligarchen das entscheidende Argument für den Zuschlag gewesen.

Bertomeu machte sich in der Ukraine ein Bild

Euroleague-Boss Jordi Bertomeu war im Frühjahr in Kiew und machte sich dort ein Bild. Offenbar war er beeindruckt. Da Budivelnik aber die A-Lizenz nicht einfach übernehmen (oder kaufen) kann, wird nun gemutmaßt, dass dem Klub über besagte Wildcard der Weg in die Eliteliga geebnet werden soll.

Auch Jan Pommer, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL), wird am 3. Juli abstimmen. „Es gibt viele Bewerber, und es steht noch nichts fest“, sagt er, fügt aber hinzu: „Das, was sich da abzeichnet, begrüße ich nicht.“ Es stehe zudem im krassen Widerspruch zu den öffentlichen Äußerungen der Euroleague, wonach Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke, der herausragenden Organisation und des dynamischen Wachstums der BBL ein interessanter Markt sei: „Das bildet sich in den aktuellen Tendenzen so nicht ab.“

Im Eurocup fehlen die ganz großen Namen

Für Alba bliebe dann nur ein Platz im Eurocup, dem zweithöchsten Wettbewerb im europäischen Basketball. In der kommenden Saison nehmen daran 48 Teams teil, die in acht Gruppen starten. Sportlich nicht leichter, aber deutlich unattraktiver für die Zuschauer, weil die größten Namen fehlen. Bitter für die Berliner, die doch gerade erst bewiesen haben, dass sie auch im Konzert der europäischen Größen mithalten können.