Der junge Mann hat schon mal die richtige Einstellung. „Ich bin im Training der Erste, der kommt, und ich bin der Letzte, der geht“, sagt Ismet Akpinar über sich. Der 18 Jahre alte Nachwuchs-Basketballspieler ist sich sicher: „Wenn man genau so viel macht wie die anderen, wird man einer von vielen bleiben.“
Und weil er das nicht will, hat sich Akpinar entschlossen, seine Heimatstadt Hamburg zu verlassen und von der kommenden Saison an beim achtmaligen deutschen Meister Alba Berlin zu spielen. Gleich für vier Jahre hat Akpinar unterschrieben, über den Albas Sportdirektor Mithat Demirel sagt: „Er ist nicht nur basketballerisch sehr talentiert, sondern bringt auch für sein Alter schon sehr wichtige Qualitäten wie Zielstrebigkeit, Fleiß und Ehrgeiz mit.“
Verschärfter Wettbewerb
„Ich hatte Angebote aus ganz Deutschland“, erzählt der U18-Nationalspieler, „aber Alba hat das professionellste Programm.“ Die Berliner haben in diesem Fall den Kampf um ein deutsches Talent gewonnen. Akpinar ist so ein Spieler, um den sich das Gros der Bundesligisten bemüht hat. Denn in der Bundesliga (BBL) gilt: Deutsche Spieler dringend gesucht.
Dies gilt für erfahrene Profis ebenso wie für Jungs mit Perspektive; eben einen wie Akpinar, der bisher sowohl in der Nachwuchsliga NBBL für die Piraten Hamburg als auch beim SC Rist Wedel in der zweiten Liga (Pro B) spielte.
Mindestens sechs Deutsche müssen im Kader stehen
Die Jagd nach Deutschen. Grund für den überhitzten Markt ist die Quotenregelung in der BBL, die seit der vergangenen Saison vorsieht, dass in einem Zwölferkader auf dem Spielberichtsbogen mindestens sechs deutsche Spieler stehen müssen. Nach Jahren der mehr oder weniger kompletten Öffnung war in den vergangenen Jahren der Anteil der Einheimischen sukzessive angehoben worden. Ziel ist die Stärkung des Basketballs in Deutschland, mehr Identifikation mit Spielern, Klubs und Liga. Nicht zuletzt soll dann auch die Nationalmannschaft von einem höheren Niveau der deutschen Profis profitieren.
Vor drei Tagen meldete die Liga stolz, dass inzwischen 31,02 Prozent der gesamten Einsatzzeit während der Saison 2012/2013 auf Deutsche entfiel. Das entspricht einer Steigerung von 23,04 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Das ist außerordentlich erfreulich und unterstreicht, dass wir die richtigen Maßnahmen getroffen haben“, erklärt BBL-Geschäftsführer Jan Pommer.
Agenten versprechen das Blaue vom Himmel
Aber die Quotenregelung hat auch ihren Preis. Albas Geschäftsführer Marco Baldi spricht von den Deutschen als einem „sehr raren Gut“. Demirel ergänzt: „Es ist eben so wie in anderen Bereichen auch, wo die Nachfrage das Angebot übersteigt.“ Zuerst einmal profitieren die Spieler, die mehr verdienen als zuvor.
Und es wird mit harten Bandagen gekämpft. Der Wettbewerb hat sich dramatisch verschärft, auch weil immer mehr Agenten mitmischen, die ihren Klienten das Blaue vom Himmel versprechen und schon bei Spielen der Nachwuchsligen Stammgäste sind. Der Umgang der Klubs untereinander ist härter geworden. Vor ein paar Monaten setzten sich Ulm und Braunschweig sogar wegen eines Transfers gerichtlich auseinander. „Anstand, Sitte und Werte scheint es in dieser Geschichte nicht mehr zu geben“, erklärte Braunschweigs Sportdirektor Oliver Braun damals.
Bayern München hat neuen Stil eingeführt
Vor einem Jahr hat zudem Aufsteiger Bayern München „einen sehr offensiven und aggressiven Stil eingeführt“, wie es Baldi nennt. Die Münchner führten nicht nur neue Gehaltskategorien ein, sie nahmen auch viele deutsche Spieler unter Vertrag, verliehen sie dann aber gleich weiter. Wobei sich die Münchner gut überlegten, welchen Klub sie damit stärken und welcher Verein für ein Ausleihgeschäft nicht infrage kam. Die Konkurrenz, auch Alba, war erstaunt. Inzwischen haben sich alle auf die neuen Bedingungen einstellen müssen.
Es ist für die Klubs immens wichtig geworden, sich im Bereich der Einheimischen gut zu positionieren. Bei Alba hatte dies daher „oberste Priorität“. Die ersten drei Transfers des Sommers waren ausschließlich Spieler mit deutschem Pass. Neben Akpinar der Deutsch-Israeli Bar Timor (21) von Hapoel Tel Aviv und Jonas Wohlfarth-Bottermann (23) von den Telekom Baskets Bonn, die jeweils einen Dreijahres-Vertrag erhielten.
Platz elf bei den Einsatzzeiten
Wobei natürlich am wichtigsten ist, dass die Deutschen viel Spielzeit bekommen, somit wettbewerbsfähig sind oder es peu à peu werden. Bei Akpinar wird dies sicher noch länger dauern als bei den beiden anderen. Im Ranking der Spielzeit einheimischer Profis landete Alba in der vergangenen Saison unter 18 Klubs auf Rang elf mit 27,54 Prozent. Was sich zum Großteil auf Heiko Schaffartzik und Yassin Idbihi sowie mit Abstrichen auf Sven Schultze verteilte. Die anderen deutschen Spieler kamen so gut wie nie zum Einsatz. Das soll und muss sich ändern.
Geduld und Vertrauen von Seiten des Spielers, des Trainers und des Klubs sind wichtig, wenn gerade junge Spieler als vollwertige Teammitglieder hineinwachsen sollen. Es gehört auch von Seiten des Trainers Mut dazu, sie spielen zu lassen. Baldi weiß, dass der Klub „unter Trainer Luka Pavicevic ein bestimmtes Image bekommen hat“. Nämlich, dass bei Alba deutsche Spieler keine Chance haben. Mit Blick auf die drei Neuen stellt Baldi jetzt fest: „Offensichtlich sind wird doch attraktiv für junge Spieler, auch wenn alle das Gegenteil behaupten...“





