Druck und Aggressivität sind derzeit bei den Spielern von Alba Berlin die meistbenutzten Worte, in allen Variaten. Zum einen, weil sie heute (19.30 Uhr, O2 World) unbedingt gegen Bayern München gewinnen müssen, soll nicht schon am Sonntag das Saisonende drohen.

Zum anderen, weil ihnen beim deutlichen 66:87 im ersten Spiel der „Best of five“-Serie im Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft der letzte Biss gefehlt hat. Sagen sie zumindest selbst. Dabei hatte Coach Sasa Obradovic seine Ansprache vor dem Spiel äußerst kurz gehalten, nur gesagt: „Ihr müsst größere Kämpfer sein als sie!“

Warum es damit nicht geklappt hat und ein Mangel an Aggressivität in dieser Saison ja nicht zum ersten Mal zu beklagen war, wisse er auch nicht, sagt Sven Schultze. Sonst würde die Mannschaft es natürlich ändern, sagt Albas Kapitän und ist sich gleichzeitig sicher, dass sein Team und er die Serie heute mit einem Sieg zum 1:1 ausgleichen wird: „Hier denkt keiner daran, dass es nicht klappt. Es gibt auch wirklich genug Gründe, besser zu spielen als in München. Wir gewinnen und haben dann noch ein Heimspiel.“

Die Bayern hätten im ersten Spiel genau so gespielt, „wie wir hätten spielen müssen“. Spiel zwei jetzt vor den eigenen Fans zu spielen, sei „verdammt wichtig. Wir glauben dran und wenn unsere Fans auch dran glauben, werden wir es zusammen schaffen“.

Bayern noch ohne Sieg in Berlin

Eine Prognose, die durchaus eintreffen könnte, denn die Bayern sind zum vierten Mal in dieser Saison in Berlin zu Gast – und verließen die Stadt zumindest bisher immer als Verlierer. Ihr Saison-Eröffnungsspiel im vergangenen Herbst gewannen die Berliner mit 65:57, Anfang Dezember siegte Alba beim Debüt von Meistermacher Svetislav Pesic als Bayern-Coach 82:70 und Ende März im Pokal-Halbfinale 92:83. Bei den beiden Gegenbesuchen an der Isar setzte es allerdings zwei deftige Abreibungen, im Februar ein 61:79 und die 21-Punkte-Packung zum Auftakt des Viertelfinales.

Die Spiele in München seien eigentlich „ganz normale Auswärtsspiele“, sagt Zach Morley, der in dieser Saison bei Alba so oft der Unscheinbarste, aber auch gleichzeitig Effektivste war. „Aber wir hatten ja die ganze Saison auswärts Probleme.“ Am Sonntag sei sein Team „schlecht gestartet, dann zurückgekommen“, habe aber im dritten Viertel „mit der Intensität nicht mitgehalten. Wir wussten, dass die Bayern gute Distanzwerfer haben und wollten verhindern, dass sie früh freie Würfe bekommen und Selbstvertrauen tanken. Vielleicht haben wir zu viel nachgedacht und nicht einfach nur reagiert.“

Was es natürlich heute zu verhindern gilt – und Morley weiß auch wie: „Wir müssen aggressiver werden, gleich zeigen, dass wir das erste Spiel abgehakt haben. Es ist erst ein Spiel vorbei, vier Spiele gibt es noch.“ Wie Schultze denkt also auch Morley nicht daran, dass es heute nicht klappt, obwohl ihn weiter eine entzündete Plantarsehne in der Fußsohle plagt und er deshalb nur wenig trainieren kann. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für das Duell gegen Münchens Nationalspieler Robin Benzing, der mit 2,08 Meter fünf Zentimeter größer als der Berliner ist.

Schwerstarbeit unterm Korb

Unter den Körben warten auf das Team von Sasa Obradovic ohnehin anspruchsvolle Aufgaben, die ohne einen gehörigen Zuwachs an Aggressivität wohl kaum zu lösen sein dürften. Denn die Liste der Langen fängt bei den Münchnern mit Benzing erst an, geht dann aber mit Chevon Troutman (2,02), Lawrence Roberts (2,06), Jared Homan (2,08) und Jan-Hendrik Jagla (2,13) weiter. Da werden Albas Längste Yassin Idbihi und Albert Miralles (beide 2,08) auch physisch gehörig unter Druck stehen.

„Druck kann gut sein, wenn man ihn annimmt“, sagt Miralles. Das Heimspiel sei „jetzt wie ein Finale und wir müssen den Druck annehmen“. Sicher sei beispielsweise Homan „physisch sehr stark und ein großer Kämpfer“, generell sei „die Niederlage im ersten Spiel nicht schlecht, wenn wir daraus lernen“. Aggressiver zu sein, wie bereits erwähnt.

Miralles saß nach der Verpflichtung von Ali Traoré in der Bundesliga zumeist auf der Tribüne. So auch bei Albas Sieg gegen die Bayern im Pokal-Halbfinale. Jetzt ist der Spanier nach der schweren Knie-Verletzung des Franzosen wertvoller denn je. Zumal seine Qualitäten, wie sich zuletzt in München zeigte, in der Verteidigung liegen. „Es war schwer, draußen zu sitzen, aber ich habe immer trainiert, um bereit zu sein, wenn ich gebraucht werde – und der Zeitpunkt ist jetzt gekommen Wir dürfen uns verrückt machen lassen, diese Serie ist noch lange nicht zu Ende.“

Zumal der Katalane bei Freunden zu Hause im Wort steht. Nachdem der FC Barcelona von den Fußball-Bayern im Champions-League-Halbfinale rasiert worden war, hatte er versprochen, dass Alba es dem FC Bayern heimzahlen werde. „Dieses Versprechen gilt noch, und ich bin guten Mutes, es einlösen zu können. Schon im zweiten Spiel werden wir viel besser aussehen.“