Basketball

Bei Alba müssen endlich alle den Ernst der Lage erkennen

Geschäftsführer Marco Baldi hat bei der Mannschaft „Leichtfertigkeit“ ausgemacht. Platz vier in der Basketball-Bundesliga ist für den deutschen Pokalsieger wohl kaum noch zu erreichen.

Foto: Joern Pollex / Bongarts/Getty Images

Das Plakat eines Braunschweiger Fans in der VW-Arena sollte dem eigenen Team, den Phantoms, Mut machen. „Alles wird gut!“ stand darauf in großen Lettern geschrieben. Für Alba Berlin dürfte das nach dem 80:84 nach Verlängerung gegen das Braunschweiger Basketballteam eher wie Hohn geklungen haben.

Denn dass alles gut wird, daran glauben langsam auch die treuesten Fans nur noch bedingt. Macht die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic einen Schritt nach vorn, kann man sich eigentlich sicher sein, dass es postwendend wieder in die andere Richtung geht.

Vor allem die Art und Weise, wie sich Alba am Dienstagabend präsentierte, hat Geschäftsführer Marco Baldi „extrem genervt, das tut weh“. Baldi, ein Routinier im Geschäft, der schon alles erlebt hat, ist keiner, der schnell mit seiner Mannschaft hart ins Gericht geht. Doch jetzt scheint für ihn der Zeitpunkt gekommen zu sein. „Der Ernst der Lage ist wohl bei dem einen oder anderen noch nicht angekommen“, schimpft der 50-Jährige. Er spricht von „Leichtfertigkeit“, die im Spiel sei. „Manche sagen sich immer noch: Das wird schon…“ Für Baldi steht fest: „Das geht nicht.“

Es geht nur mit hundert Prozent

Dass die Berliner mit dem Erreichen des Top 16 in der Europaliga und dem Gewinn des BBL-Pokals bereits zwei Saisonziele erreicht haben, geht zur Zeit mehr oder weniger unter, weil gefühlt eher die Negativerlebnisse überwiegen. Das momentane Zwischenziel, die Punkterunde doch noch mit Rang vier abzuschließen, ist nach der Niederlage bei den stark abstiegsgefährdeten Niedersachsen nun wieder ein Stück schwerer zu erreichen.

Als „ärgerlich“ beschreibt Baldi die Situation. „Tausendmal“ habe er gesagt, „dass wir nur mit hundert Prozent Einsatzwillen, Aggressivität und Intensität erfolgreich sein können.“ Wenn auch nur ein paar Prozente nicht aufs Parkett gebracht würden, so sein hartes Urteil, „sind wir ein unteres Mittelklasseteam“.

Bekommt das Team noch die Kurve?

Für Baldi steht fest: „Die Mannschaft kann nicht ein Spiel oder ein Ergebnis verwalten.“ Alba ist nur stark, wenn alle Spieler bereit sind, alles zu geben. Siege gegen Bamberg in der Bundesliga und der Europaliga, etliche Spiele in Europa, aber auch das Pokalwochenende mit Erfolgen gegen die Bayern und gegen Ulm haben gezeigt, welches Potenzial diese Mannschaft hat. Die Frage ist nur: Bekommt sie noch rechtzeitig die Kurve?

Mit Blick auf das Restprogramm schwant Baldi nichts Gutes: „Für jeden unserer Gegner geht es um viel.“ Ob um eine gute Platzierung fürs Play-off, überhaupt das Erreichen der besten Acht „oder um die Existenz. Da wird gekratzt, gebissen und sonst was“. Es beginnt mit der Partie am kommenden Sonnabend (19 Uhr, O2 World, HIER im Liveticker der Berliner Morgenpost) gegen den Mitteldeutschen BC, danach stehen Spiele gegen Bonn, in Bamberg sowie gegen Trier und Bayreuth auf dem Programm. Alba hat als momentan Fünfter einen Play-off-Platz auch noch nicht sicher.

Müdigkeit darf keine Ausrede mehr sein

Die Braunschweiger haben gezeigt, was man mit unbedingtem Einsatzwillen erreichen kann. „Die Phantoms haben verdient gewonnen“, gibt Obradovic zu. Auch dem Trainer ist es bisher nicht gelungen, den Spielern die von Baldi angesprochene „Leichtfertigkeit“ auszutreiben.

„Sehr enttäuscht“ habe ihn die Niederlage, sagt Obradovic. „Wir waren ausgeruht, da gibt es keine Ausreden.“ In den vergangenen Monaten hatte die Doppelbelastung mit der Europaliga und den vielen Reisen manche Auswärtsniederlage in der Bundesliga zumindest etwas nachvollziehbarer gemacht. Diese Zeiten sind inzwischen vorbei.

Schon zehn Niederlagen in fremden Halle

Albas Auswärtsschwäche jedoch ist offenbar geblieben, auch wenn Baldi sagt: „Ich sehe da keine Struktur drin, man kann diese Spiele nicht alle über einen Kamm scheren.“ Zumindest sind die Zahlen klar: Sechs Siege in fremden Hallen stehen bisher zehn Niederlagen gegenüber. In den vergangenen zehn Jahren gab es keine annähernd so niederschmetternde Bilanz. Lediglich in der Spielzeit 2004/2005, damals noch mit 16 Bundesligisten, war das Verhältnis negativ (7:8).

Sollte Platz vier nicht mehr geschafft werden, müssten die Berliner ohne Heimvorteil ins Play-off-Viertelfinale gehen. Zum letzten Mal war dies in der Saison 2001/2002 der Fall, als Berlin die Punkterunde als Fünfter abschloss. Anschließend wurde Alba doch noch Meister.

>>>Alle Nachrichten zu Alba gibt es hier.