Da standen sie nun im Blitzlichtgewitter und dem tosenden Applaus der Fans. Nach deftigen Niederlagen zuvor oft gescholten, und wegen schwerer Verletzungen einiger Leistungsträger war ihre Hierarchie immer wieder neu durchmischt worden. All das wird bald vergessen sein: Der Moment, in dem die Basketballer von Alba Berlin sich am Sonntag strahlend in den Armen lagen, nicht.

Sie haben ihrem Klub den ersten Titel seit 2009 und den siebten Pokalsieg der Vereinsgeschichte beschert, für immer und ewig. Dank eines überragenden Schlussviertels schlug Alba vor 13.854 Zuschauern in der O2 World den Gegner aus Ulm in einem hochklassigen Finale 85:67 (38:39).

Albas Morley der überragende Akteur

„Wir haben als ein echtes Team gespielt“, lenkte Zach Morley von sich selbst ab, denn er war mit 24 Punkten und acht Rebounds der überragende Mann dieses Finales. Deon Thompson kam auf 20, Je’Kel Foster auf zwölf und DaShaun Wood auf zehn Zähler. „Wir haben in der ersten Halbzeit zu hektisch gespielt, ohne dass es dafür einen Grund gab“, erzählte Morley, „in der zweiten dann aber so, wie wir es uns vorgenommen hatten.“

Und während er und der Rest des Teams mit Bierflaschen in der Hand mit den Fans feierten, atmete Geschäftsführer Marco Baldi tief durch: „Endlich ist der Bann gebrochen und wir haben in eigener Halle einen Titel geholt. Vor den eigenen Fans zu gewinnen, ist einfach das Größte.“

Berliner Coach Obradovic setzt auf Byars

Coach Sasa Obradovic hatte die Aufstellung im Vergleich zum Halbfinalsieg gegen Bayern München auf einer Position verändert. Derrick Byars bekam aus taktischen Gründen den Vorzug vor Nihad Djedovic, der neben Albert Miralles das Spiel von der Tribüne aus sah. Beide mussten mit ansehen, wie Ulms wertvollster Spieler der Liga, John Bryant, nicht nur dem Duell der Center gegen Albas Ali Traoré sofort seinen gewichtigen Stempel aufdrückte, sondern dem ganzen Spiel. Der 2,11 Meter große 126-Kilo-Koloss mit dem wehenden Haupthaar kann es einfach mit links, mit rechts, aus der Nähe und aus der Distanz.

Bryant machte im ersten Viertel 15 seiner 21 Punkte. Erst tat sich Traoré schwer, dann Yassin Idbihi, was allerdings ohne ernsthafte Konsequenzen blieb, denn auch auf der anderen Seite fiel der Ball oft genug durch den Korb. DaShaun Wood punktete gleich zu Beginn, dann glänzte Zach Morley mit sieben Punkten in Folge – 22:24 stand es dann nach dem ersten Viertel.

Albatrosse oft nur mit Fouls zu stoppen

Als Alba nach einem Dreier von Lance Jeter wenig später 26:30 (14.) zurücklag, fiel die Mannschaft kurz in zurückliegende schlechte Muster zurück. Sie wollte zu schnell zu viel, verlor einige Male den Ball und schloss überhastet ab. Dass daraus kein vorentscheidender Nachteil entstand, lag an der aufopferungsvollen Verteidigung. Einige Berliner Angriffe konnten die Ulmer dann nur durch Fouls stoppen, und Alba kam mit Freiwürfen zurück, führte kurz 35:34, ging mit einem Punkt Rückstand (38:39) in die Halbzeit.

Schon während des zweiten Viertels war es den Hausherren besser gelungen, den Pass auf die Punktemaschine Bryant zu unterbinden, nach der Pause rückten sie ihm teilweise zu dritt auf den Pelz. Bekanntermaßen schafft eine starke Präsenz unter dem Korb Räume für die Schützen von außen, und genau die nutzen die Ulmer in der Folge.

Ulmer Trainer gratuliert Pokalsieger Berlin

Alba zahlte aber noch im dritten Viertel mit gleicher Münze zurück. Byars rechtfertigte seinen Einsatz mit einem Dreier zum 53:51 (26.), dann legte Heiko Schaffartzik zweimal aus der Distanz nach. Dreier Nummer zwei fand genau mit der Schlusssirene des dritten Abschnitts zum 62:59 sein Ziel.

„Wir konnten die Berliner drei Viertel mehr als ärgern, aber dieser Wurf hat bei Alba unglaubliche Kräfte freigesetzt“, gestand Ulms Coach Thorsten Leibenath und gratulierte: „Nimmt man Halbfinale und Finale zusammen, hat die beste Mannschaft das Turnier gewonnen.“

Albas 10:2-Lauf zu Beginn der letzten zehn Minuten

Alba startete mit einem 10:2-Lauf in die letzten zehn Minuten (72:61), und wer auch immer auf dem Feld war, die kollektive Körpersprache vermittelte: „Hier geht nichts mehr. Der Pokal gehört uns!“. Schon in der letzten Minute drehte sich Wood, der mit 9 Assists genauso viele Vorlagen auf seinem Konto hatte wie die gesamte Ulmer Mannschaft, vom Spielfeld ab und applaudierte den Fans. „Na, was sagt ihr nun?“ sollte das wohl heißen. Die Antwort waren stehende Ovationen.

„Wir wollten es einfach mehr“, strahlte Kapitän Sven Schultze. Auch Coach Obradovic war sichtlich glücklich. „Wir haben so viele Spiele in der Europaliga im letzten Viertel verloren“, sagte er. „Davon haben wir heute sicherlich profitiert. Ich bin hierher gekommen, um Titel zu holen und jetzt sehr, sehr glücklich. Vielleicht ist es ja der Beginn einer Ära.“

Pokalsieger 2014 wird in Ulm ermittelt

Was eine Druckerei in Rummelsburg vielleicht als Wink verstehen sollte: Dort werden nämlich traditionell Albas Banner gefertigt, die unter das Dach der Halle gezogen werden. Ob zu dem Schriftzug „Pokalsieger 2013“ noch der des Meisters hinzukommt, entscheidet sich erst im Juni.

Für Ulm immerhin steht schon jetzt fest, dass die Mannschaft nächstes Jahr wieder angreifen darf. Das Top-4-Turnier 2014 wurde nach Ulm (29./30. März) vergeben.

Im Spiel um Platz drei gegen Bayern München halfen den Artland Dragons auch 28 Punkte des ehemaligen Berliners Bryce Taylor nicht. Sie unterlagen dem Team von Svetislav Pesic 76:88 (43:43).