Gefühle kommen in Ausnahmesituationen ungefiltert ans Tageslicht. Wie sich die Spieler, die Verantwortliche und – nicht zu vergessen – die Fans von Alba Berlin nach dem Pokalerfolg freuten, zeigte eines ganz deutlich: Eine Riesenlast fiel von allen ab.

Denn die Alba-Familie hatte sich diesen Pokalsieg so sehr herbeigesehnt. Endlich wieder ein Titel. Und vor allem endlich ein Titel in eigener Halle, der erste in der O2 World seit dem Umzug aus der Schmeling-Halle im Jahr 2008. Vielen Anhängern liefen Freudentränen übers Gesicht. Ihre strahlenden Lieblinge mit dem Pokal im Konfettiregen tanzen zu sehen, entschädigte für die vielen Rückschläge, die es nicht nur in dieser Saison, sondern überhaupt in den vergangenen Jahren gegeben hat.

Man kann über den Pokalmodus streiten, der Alba durch die Austragung des Top-Four-Turniers in Berlin gleich ins Halbfinale hievte. Doch letztlich haben sich die Berliner unter vier Topteams durchgesetzt. Im Verbund mit dem Sieg in der Europaliga in Bamberg wenige Tage zuvor hat sich gezeigt: Alba ist wieder wer und kann in Deutschland jeden Gegner schlagen.

Der Pokalsieg verlängert nicht nur den Briefkopf beim Berliner Klub, er sollte auch Schub für die entscheidende Phase in der Meisterschaft geben. Denn bisher war bei den Berlinern nur die Unbeständigkeit eine verlässliche Konstante. Zehn Niederlagen in 26 Bundesligaspielen zeigen dies deutlich. Teilweise blamierte sich Alba bei Mittelklasseteams. Oft wurden nach einem Schritt nach vorn wieder zwei zurück gemacht.

Natürlich haben schwere Verletzungen von Nathan Peavy und Vule Avdalovic und die daraus resultierenden Nachverpflichtungen das Team über Monate zur Dauerbaustelle werden lassen. Trainer Sasa Obradovic musste immer wieder umbauen. Die Suche nach Konstanz litt darunter, dass das Gefüge immer wieder neu zusammengesetzt werden musste.

Doch jetzt können die Berliner noch einmal richtig durchstarten: Bald ist die Kräfte raubende Europaliga vorbei. Die Alba-Verantwortlichen haben von Beginn an darauf verwiesen, dass das Messen mit den Besten Europas die Mannschaft trotz der hohen Belastung auf Dauer weiterbringen wird. Das wird sich im Play-off zeigen müssen. Was in der Mannschaft steckt, hat sie am Wochenende eindrucksvoll bewiesen. Es muss nicht der letzte Berliner Jubel über einen Titelgewinn in dieser Saison gewesen sein.

Und dann ist wieder Zeit für ganz große Gefühle.