„Jetzt noch ein Spiel, Mann“, sagte DaShaun Wood sichtlich abgekämpft, aber mit freudig glänzenden Augen. Er sprach in diesem Moment auch ein Stück weit zu sich selbst.

Wood und sein Team schlugen am Sonnabend im Pokal-Halbfinale den FC Bayern München souverän mit 92:83 (51:37). Die Berliner treffen am heutigen Sonntag (15 Uhr, Sport1) im Finale auf eine Ulmer Mannschaft, die zuvor die Artland Dragons aus Quakenbrück 86:77 (37:38) geschlagen hatte. „Jetzt noch ein Sieg, Mann“ und Alba hat den ersten Titel seit 2009.

„Das Wichtigste war, dass wir über 40 Minuten als Team zusammen gespielt haben“, erklärte Wood dann weniger introvertiert. Nihad Djedovic fand: „Wir haben sehr guten Basketball gespielt, sehr organisiert.“ Dass Ulm jetzt im Finale wartet, ist dem Bosnier „egal. Wir haben noch nichts gewonnen, aber wenn wir noch einmal so konzentriert spielen, dann holen wir den Cup.“

Die Bayern waren mit Problemen bei ihrer langen Garde angereist. Chevon Troutman (2,02 Meter) blieb wegen eines Muskelfaserrisses in Zivil, Lawrence Roberts (2,06 Meter) musste in der Woche zuvor wegen eines Jochbeinbruchs operiert werden und Jared Homan (2,08 Meter) plagten beide Sprunggelenke. Alba-Coach Sasa Obradovic entschied sich nach dem Sieg im Prestige-Duell in Bamberg am Mittwoch, ohne Albert Miralles und Derrick Byars ins Spiel zu gehen, da national nur sechs Ausländer im Kader stehen dürfen.

Hoffen auf den ersten Titel seit 2009

Homan spielte übrigens, und auch Roberts später mit einer Maske. Verständlicherweise, denn es entwickelte sich sofort ein Spiel, für das man als Sportler lebt. Eine tosende Geräuschwoge von 13.011 Fans, Adrenalin bis zu den Adamsäpfeln auf beiden Seiten, Kampf um jeden Ball und Zentimeter und dabei auch noch schneller, athletischer Basketball. Auch, als sich die Gewichte dann später verschieben sollten.

Durch Homan und einen Dreier vom ehemaligen Alba-Forward Jan Hednrik Jagla lagen die Hausherren erst 7:10 (4.) zurück, dann aber zeigte sich zunehmend eine Alba-Mannschaft, wie sie in dieser Saison nur selten zu sehen gewesen war. Je’Kel Foster traf schon wenig später zur ersten Führung der Berliner (14:12/7.), dann verteidigten Wood aus der Distanz und Yassin Idbihi mit sechs Punkten in Folge den noch knappen Vorsprung – 25:22.

Mit seinem bereits dritten Dreier des Abends eröffnete Wood die zweiten zehn Minuten, die für den FC Bayern bald zum Albtraum wurden. Die Berliner wechselten geschickt zwischen den Anspielen zu den Langen direkt unter dem Korb und Würfen aus der Distanz. Jetzt punkteten Deon Thompson und Ali Traoré.

Erstmals führten die Berliner mit zehn Punkten (46:36/14.) und ließen bald darauf noch eine 12:0-Serie folgen, zu der auch Zach Morley und Nihat Djedovic beitrugen. Der FC Bayern mit Meistermacher Svetislav Pesic war beim 48:31 (19.) vorerst deklassiert. Mit 51:37 ging es in die Halbzeit. Das erste „Zieht den Bayern die Lederhosen aus…“ wurde im gelb-blauen Block angestimmt.

Traoré mit 16 Punkten Topscorer

Pesic applaudierte seinen Spielern aufmunternd, als er sie zum zweiten Durchgang aufs Feld schickte. Sein Gegenüber, Obradovic hingegen, über ein Jahrzehnt als Spielmacher Lenker und Denker in von Pesic trainierten Mannschaften, schwor seine Männer mit geballten Fäusten ein, sich die so hart erarbeitete Chance jetzt nicht mehr nehmen zu lassen.

Homan und Tyrese Rice konnten für die Bayern den Rückstand dann auch etwas erträglicher gestalten (57:47), aber Alba antworte durch zwei Dreier von Djedovic und Heiko Schaffartzik zum 63:47 (26.) postwendend. Biss und Intensität waren zurück. Drei Minuten später lagen die Berliner sogar 73:51 vorn. Auf Seiten der Gäste waren nur Rice (17 Punkte), Homan (16) und Robin Benzing (15) zu sehen. Albas Trefferquote ging bei nachlassenden Kräften nach unten, aber der unbändige Wille war noch da. Alba holte 18 Offensivrebounds und gewann das Duell insgesamt mit 38:25 der Grundstein zu einem glanzvollen Sieg einer völlig homogenen Mannschaft. Traoré war erstmals mit 16 Punkten Albas Topscorer, Thompson (14), Wood (13), Schaffartzik (11), Foster, Djedovic und Idbihi (je 10) punkteten ebenfalls zweistellig.

„Die erste Halbzeit war überragend“, erklärte Kapitän Sven Schultze, „in der zweiten haben wir dann das Tempo etwas rausgenommen.“ Jetzt gelte es, „Kraft zu sammeln und gegen die Ulmer wieder anzugreifen, aber das wird schwer.“

Das erste Halbfinale zwischen Ulm und Quakenbrück sahen bereits 8724 Zuschauer die O2 World, wobei die Reisegruppen aus Ulm und Quakenbrück etwa gleich lautstark vertreten waren. Knapp drei Viertel lang waren die Dragons dank ihrer bissigen Verteidigung im Spiel geblieben, hatten hier und da sogar geführt. Als Ulm angeführt von Steven Esterkamp (17 Punkte) und John Bryant (16) die Führung ausbaute, häuften sich bei den Artländern die Fehler. Nach dem 69:56 (34.) geriet der Ulmer Sieg nicht mehr in Gefahr. Die ersten „Finaaaaale“-Gesänge der scheinbar vorsichtigen Ulmer Fans kamen allerdings erst 50 Sekunden vor dem Ende.