Ali Traoré ist seit gut zwei Wochen in Berlin. An seine Verpflichtung werden bei Alba große Hoffnungen geknüpft. Der französische Nationalspieler hatte sich längst auf höchstem Niveau bewiesen, bevor ihn eine Knieverletzung zu einem halben Jahr Pause zwang.
Jetzt soll er die Präsenz der Berliner unter den Körben deutlich verstärken. Zwei Spiele hat er bereits mit seinem neuen Team bestritten, ein eher gutes bei ZSKA Moskau, ein klar schlechteres bei den Skyliners in Frankfurt.
An diesem Mittwoch wird der 2,08 Meter große Athlet gegen Anadolu Efes Istanbul (19 Uhr) erstmals in der O2 World auflaufen. Die Berliner Morgenpost sprach mit Albas neuem Center vor dessen erstem Heimspiel.
Berliner Morgenpost: Wie waren Ihre ersten zweieinhalb Wochen in Berlin?
Ali Traoré: Zu allererst sehr ermüdend. Aber das ist normal, ich komme nach einer sechsmonatigen Verletzung zurück. Ich arbeite hart, trainiere auch allein mit dem Athletiktrainer, wenn sonst keiner weiter in der Halle ist, und ich spüre schon deutliche Fortschritte. Ich habe viereinhalb Kilo abgenommen, meine Beine sind viel stärker geworden. Meine Form steigt klar an, es geht in die richtige Richtung.
Waren Sie überrascht, dass Coach Obradovic Ihnen in Moskau und Frankfurt rund 17 Minuten Spielzeit gegeben hat?
Ich wusste, dass ich in Moskau spielen würde, hatte aber nicht damit gerechnet, dass ich in der Startformation stehen würde. Dass ich in Frankfurt spielen würde, habe ich am Abend zuvor erfahren.
Da in der Bundesliga nur sechs Ausländer erlaubt sind, mussten in Frankfurt Albert Miralles und Derrick Byars auf die Tribüne. Erschwert es das Zusammenfinden, wenn freitags mit acht Ausländern und zwei Tage später mit sechs gespielt wird?
Die Frage, ob man in der Bundesliga spielt oder nicht, beschäftigt einen schon, aber wir alle wissen ja um die Regeln. Am Ende ist es ganz einfach Basketball. Wenn der Coach sagt, du sollst spielen, dann spielst du, nicht mehr und nicht weniger.
Europa kennen Sie, hat Sie in der Bundesliga irgendetwas überrascht?
Nein, es war ziemlich genau das, was ich erwartet hatte. Ärgerlich war nur, dass ich damit so schlecht zurechtgekommen bin. Die Umstellung liegt eher darin, dass die Teams in Deutschland und übrigens auch in Frankreich unter den Körben kleiner besetzt sind, mit Spielern, die schnell und beweglich sind. Gegen die ich dann in meiner Verfassung eher schlecht aussehe. In Europas Spitzenteams sind die Center groß und schwer, was ich eher mag. Die Herausforderung ist, sich jede Woche zweimal neu einzustellen. Aber das wird mir schon gelingen. Noch bin ich physisch nicht da, wo ich sein will.
Die Niederlage in Frankfurt wird sich möglicherweise negativ auf Ihre Ausgangsposition für das Play-off auswirken. Steckte der Mannschaft noch das Spiel in Moskau in den Knochen?
Die Reise hat schon geschlaucht, aber wir hätten in Frankfurt trotzdem gewinnen müssen. Wir haben vor allem am Ende zu viele dumme Fehler gemacht, die uns den Sieg gekostet haben. Ich glaube, wir müssen noch viel miteinander reden, uns gegenseitig noch besser verstehen. Aber man muss auch bedenken, dass wir einen unglaublichen Spielplan haben und durch ihn für einiges, was uns helfen würde, einfach keine Zeit haben.
Sie waren sehr froh, dass Sie nach Berlin wechseln konnten, weil Sie gespannt auf die Stadt waren. Was haben Sie von ihr bislang gesehen?
(lacht schallend) Absolut gar nichts. Als die Mannschaft nach Madrid geflogen ist, habe ich zweimal täglich mit unserem Athletiktrainer gearbeitet – und der hat mich jedes Mal fast umgebracht. Danach habe ich zweimal am Tag mit dem Team trainiert und noch Extraeinheiten eingelegt. Also, ich habe noch gar nichts gesehen.
Ist Ihre Verlobte mit Ihrer kleinen Tochter schon in Berlin?
Nein, ich denke, die beiden werden erst zum Pokal-Wochenende (23./24. März in der O2 World, d. Red.) kommen. Da sind wir dann mal ein paar Tage am Stück zu Hause.
Daniel Brière, der NHL-Star, der einige Monate für die Eisbären spielte, fuhr viel mit der U Bahn, weil ihm der Verkehr zu hektisch war. Fahren Sie in Berlin Auto?
Selbstverständlich, im Vergleich zu Paris sind das doch hier paradiesische Zustände. Es stimmt schon, auch mich hatten einige vor dem Verkehr in Berlin gewarnt, aber glauben Sie mir, das ist gar nichts gegen Paris (lacht). Hier ist so gut wie niemand auf der Straße.
Heute gegen Istanbul kann Coach Obradovic wieder auf Miralles, Byars und auch Sie zurückgreifen. Was hat sich die Mannschaft vorgenommen?
Jetzt, da die Chance wohl kaum noch gegeben ist, weiterzukommen, müssen wir diese Spiele in der Euroleague zur Vorbereitung auf die Bundesliga nutzen. Gut spielen, hart spielen, um für die Partie am Sonntag in Quakenbrück bereit zu sein.
Mit dem Hin und Her, der Reiserei und dem harten Spielplan im Blick: Hat sich Alba mit dem Erreichen der Top 16 einen Bärendienst erwiesen?
Auf keinen Fall. Wenn du in der Euroleague spielst, musst du dir die Top 16 als Ziel setzen. Das waren ja früher dann immer nur ein paar Spiele, jetzt sind es 14. Mir wird das aber sicherlich helfen, bis zum Pokalwochenende richtig gut in Form zu kommen und einen Spielrhythmus zu finden. Das jedenfalls ist der Plan. Mir werden diese Spiele schon ganz gut tun. Das Wichtigste aber ist: Die Mannschaft braucht jetzt Siege.





