Basketball

Vule Avdalovic will mit Alba Berlin aus der Krise

Albas Spielmacher Vule Avdalovic möchte mit seiner Mannschaft zur alten Aggressivität zurückfinden. Schwächen zeigen ist dabei tabu.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Nach einem hervorragenden Start mit vier Siegen in vier Spielen hat das Basketballteam von Alba Berlin zuletzt drei Niederlagen hintereinander kassiert. Vor dem schweren Europaligaspiel am Donnerstag bei Unicaja Malaga spricht Pointguard Vule Avdalovic (30) im Interview mit Morgenpost Online-Redakteur Sebastian Arlt über die Stimmung im Team, den Grund für die Niederlagenserie und die Lehren, die die Mannschaft daraus ziehen muss.

Morgenpost Online: Herr Avdalovic, Alba hat drei Spiele hintereinander verloren, wie ist die Stimmung in der Mannschaft?

Vule Avdalovic: Nicht die beste, das können Sie sich vorstellen. Man fühlt sich nicht gut. Wenn du gewinnst, kommst du lockerer zum Training. Jeder ist sich allerdings der Situation bewusst: Wir haben gerade eine schlechte Phase. Doch wir versuchen mit allem, was wir haben, wieder auf den richtigen Weg zurückzukommen. Dass wir gut spielen können, haben wir den Leuten ja schon gezeigt.

Eine gute Teamchemie zeigt sich vor allem dann, wenn"s mal nicht läuft.

Da habe ich keine Bedenken, wir sind eine gute Gruppe mit guten Jungs. Wir gewinnen als Team und verlieren als Team, wir werden zusammenstehen und da wieder rauskommen.

Wie ist denn Trainer Sasa Obradovic drauf?

Natürlich auch nicht so toll. Er widmet sich voll und ganz dem Basketball, er hasst es zu verlieren, wie wir alle übrigens. Er ist ein Trainer, der über alles nachdenkt. Er sucht natürlich nach den Wegen, wie wir wieder besser spielen.

Was ist zuletzt schiefgelaufen?

Unsere ersten Spiele waren sehr gut, danach haben wir vielleicht im Hinterkopf doch gedacht, dass wir ja so gut sind – und haben unbewusst nicht mehr mit dem allerletzten Einsatz gespielt. Aber das geht gegen keine Mannschaft gut. Nicht in der Bundesliga, in der Europaliga sowieso nicht. Wir müssen zuallererst 40 Minuten lang aggressive Defense spielen. Wir sind schließlich kein europäisches Topteam, das offensiv auftrumpft und dabei das Verteidigen einfach vernachlässigen kann.

Alba hat im Spiel viele Ups und Downs, trifft das auch auf Sie zu?

Das kann man so sagen. Ich bin absolut nicht zufrieden mit meiner Leistung. Ich habe teilweise gute Sachen gemacht, dann aber auch wieder nicht. Bei allem kann ich besser werden: bei den Zuspielen für meine Kollegen, bei den Rebounds, in der Verteidigung…

Das Programm mit Europaliga am Donnerstag und Bundesliga oft am Sonnabend ist hart…

…darf aber keine Entschuldigung sein. Wir müssen lernen, damit umzugehen.

Ulm und Ludwigsburg hatten eine Woche lang Zeit, sich auf die Partie gegen Alba vorzubereiten – Sie gerade mal eine Trainingseinheit.

Das ist eben so. Es lässt sich nicht ändern. Das sind alles gute Teams, egal ob in der Europaliga oder in der Bundesliga. Wenn du auch nur eine Schwäche zeigst, wird das gleich genutzt. Wir müssen wieder zu unserer Aggressivität der ersten Spiele zurückfinden. Da hilft nur: Noch härter trainieren – dann kommen auch die Siege wieder.

Schlaucht das Pogramm mit den vielen Reisen mehr im Kopf oder in den Beinen?

Ich denke, es wirkt sich auf Beides aus. Aber der Kopf, die mentale Stärke, ist sicherlich das Wichtigste. Wenn man mental bereit ist, kriegt man das auch physisch hin. Schließlich trainieren wir alle hart und sind in sehr guter körperlicher Verfassung.

Trainer Obradovic hat Sie aus Donezk mit nach Berlin genommen, sozusagen als seinen Mann. Sehen Sie darin eine besondere Verantwortung?

Nein. Jeder hat hier in der Mannschaft seine Rolle und trägt Verantwortung. Das ist für mich bei Alba nicht anders, als es in anderen Teams in der Vergangenheit der Fall war.

Mit welchem Gefühl fahren Sie jetzt nach Malaga?

Das wird natürlich schwer für uns. Unicaja hat große Qualität, die sind klarer Favorit. Aber Siena war das schließlich auch – und wir haben dort gewonnen.