Basketball

Alba Berlin ist vor allem unter den Körben verwundbar

Drei Spiele in acht Tagen, drei Mal verloren. Albas Macher versuchen, trotz der drei Niederlagen in Folge keine Unruhe aufkommen zu lassen.

Foto: Max Nikelski / dpa

Es geht in die falsche Richtung. Die Glücksgefühle haben sich abgekühlt. Dem furiosen Saisonstart mit zwei Erfolgen in Europa und zwei Kantersiegen in der Bundesliga ist die Woche der Ernüchterung gefolgt.

Drei Spiele in acht Tagen, drei Niederlagen, zu Hause gegen Ulm, dann im polnischen Gdynia, jetzt in Ludwigsburg. Die Euphorie ist der bangen Frage gewichen: Wie soll es jetzt weitergehen? Denn die Doppel-Belastung Europa- und Bundesliga, die sicher die Niederlagenserie mit verschuldete, hat gerade erst begonnen. Am kommenden Donnerstag spielt Alba Berlin in Malaga und wieder nur 45 Stunden später in Trier.

Beim letzten Sieg drehten die Berliner gegen Elan Chalon noch nach hohem Rückstand das Spiel, danach aber wurden die Rollen getauscht. Sowohl gegen Ulm als auch in Gdynia und bei den Ludwigsburgern führte Alba zumindest bis ins dritte Viertel und wurde noch abgefangen. Dass die Berliner bei den Schwaben noch die Verlängerung erzwangen, ist nur ein schwacher Trost, die Punkte sind weg.

Es sei schon „bitter, dass wir die Spiele nicht konsequent zu Ende gespielt haben“, sagt Kapitän Sven Schultze, der einen „Mangel an Konzentration“ als eine der Ursachen sieht, „dass man sich sicher fühlt und denkt, die anderen geben jetzt auf“. Was dann aber nicht geschah. „Die haben sich so wieder heran gekämpft wie wir gegen Chalon“, muss Schultze bilanzieren.

„Wir sind extrem verwundbar“

Von einer Krise will Albas Kapitän nach vier Spieltagen in der Bundesliga und 2:1 Siegen in Europa aber ebenso wenig reden wie sein Coach. „Jetzt völlig schwarz zu sehen, wäre genauso übertrieben wie es die Euphorie am Anfang war“, findet Sasa Obradovic. „Klar, wir haben jetzt drei Spiele verloren und es wird nicht leicht werden, den Trend zu drehen.“

Dabei starte sein Team doch jeweils mit Selbstvertrauen, spiele dominant, „holt dann aber keine Rebounds mehr und gibt die Kontrolle aus der Hand“. Seine Mannschaft sei kein Europaliga-Team, sagt Albas Coach nicht zum ersten Mal, sieben seiner Spieler würden zum ersten Mal in der Königsklasse spielen. „Und wenn du dann in nur so kurzer Zeit gleich wieder in der Bundesliga antrittst, bist du extrem verwundbar.“ Denn daran, dass alle gegen Alba besonders motiviert sind, habe sich, obwohl die Titel längst nicht mehr in Serie gewonnen werden, nichts geändert.

Verwundbar ist Alba derzeit vor allem unter den Körben. Der Plan, dort mit der Verpflichtung von Brian Randle variabler und durchschlagskräftiger zu werden, ist ohne eigenes Verschulden nicht aufgegangen.

Yassin Idbihi, in Topform in die Saison gestartet, zog sich gegen Chalon eine Knieprellung und Innenbanddehnung zu, fehlte gegen Ulm und war in Gdynia „vielleicht bei 20 bis 30 Prozent“, wie Obradovic sagt.

Randle, der für ihn in Polen hätte einspringen können, verletzte sich vor dem Spiel am Fuß. Seine Plantarsehne lässt ihn seither denken, er trete bei jedem Schritt in einen Nagel. Wie lange der US-Forward ausfällt, ist ungewiss, Idbihi hingegen ist zuversichtlich. „In Polen war es noch sehr hinderlich, in Ludwigsburg wurde das Knie erst in der zweiten Halbzeit steif – es wird schon“, sagt Albas Center mit verdrehten Augen.

Keine Verstärkungen geplant

Angesichts dieser Engpässe und des Stress-Programms bis Weihnachten stellt sich natürlich die Frage, ob nicht eine weitere Nachverpflichtung sinnvoll wäre. „Wenn sich zwei Spieler auf einer Position verletzten, bekommt jede Mannschaft Probleme“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, „und natürlich sind drei Niederlagen in Serie schlecht.“ Aber genauso schlecht wäre es, „jetzt die Antworten von außen zu suchen, die Verantwortung auf Schultern zu legen, die noch gar nicht da sind und dann auch nicht kommen“.

Auch Baldi wiederholt sich, sagt, was er schon er schon zu Zeiten der Euphorie sagte: „Diese Mannschaft ist noch im Aufbau – und das dauert. Was am Anfang ganz nach oben ausgeschlagen sei, zeigt jetzt nach unten.“

Sicher müsse sich sein Team an die höhere Frequenz der Spiele und auch an die Erwartungen gewöhnen. „Im Moment haben wir die maximale Intensität und den Fokus, mit denen wir anfangs die Spiele durchgezogen haben, verloren“, sagt Baldi. „Wenn man diese Qualität verliert, ist klar, dass man ins Grübeln kommt. Deswegen seien „auch einige Spieler derzeit nicht sichtbar, weil sie zu oft denken ‚Soll ich oder soll ich nicht?'“

Am Anfang sei die Mentalität die große Stärke seines Teams gewesen, die könne sich ja nicht gänzlich aufgelöst haben. „Wir haben schon gesehen, was wir spielen können. Das werden wir auch wieder hinkriegen“, ist sich Baldi sicher. Aber leicht werde das nicht, bei den nächsten Gegnern Malaga und Trier laufe „der Trend genau in die andere Richtung“ als bei seinem Team.