Basketball

Terminstress gefährdet Albas Start-Euphorie

Enge Flugzeugsitze statt Entspannung auf der Massagebank: Der Spielplan bürdet Alba Berlin momentan viel auf. Verschnaufpausen gibt es kaum.

Foto: Florian Achberger / dapd

Es gibt Niederlagen, bei denen der erhobene, warnende Zeigefinger schon angebracht ist, während das Spiel noch läuft. Wenn es Schlampereien, einen Mangel an Einstellung oder schlicht Unvermögen zu bemängeln gibt. Nach dem 80:88 der Basketballer von Alba gegen Ulm stand aber eine ganz andere Frage im Raum: Geht das überhaupt, was der Spielplan dem Team von Sasa Obradovic aufbürdet? Kann eine Mannschaft, die derart von Energie und Einsatz lebt, innerhalb von knapp 40 Stunden ein Riesen-Comeback in der Europaliga abliefern und dann auch noch den deutschen Vizemeister schlagen?

Wenn nicht, stehen unschöne Zeiten bevor, denn Alba bestritt beide Spiele zu Hause. Ab jetzt wird gereist: Kommenden Donnerstag treten Obradovics Männer an der polnischen Ostseeküste in Gdynia an und zwei Tage später darauf im schwäbischen Ludwigsburg. In der darauffolgenden Woche geht"s zuerst ins spanische Malaga und 48 Stunden später an die Mosel nach Trier. Direktflugverbindungen zwischen all diesen Zielen sind nicht bekannt. Enge Flugzeugsitze statt Massagebank, Busfahrten statt Training – nach der Gala gegen Chalon und dem Einbruch gegen Ulm darf man gespannt sein, wie die Mannschaft das wegsteckt.

Auf dem Prüfstand steht auch die Euphorie, die angesichts des perfekten Saisonstarts mit zwei Siegen in der Königsklasse an das Team von außen heran getragen wurde. „Es macht Spaß, unserer Mannschaft zuzusehen, weil sie sich total verausgabt, Willen zeigt und Herz hat“, zeigt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi für Begeisterung Verständnis, wendet dann aber den Blick auf die vier Auswärtsspiele in den kommenden beiden Wochen. „Wir sind immer noch fragil. Vieles lösen wir mit dem Willen, aber die Mannschaft ist noch im Aufbau. Das spielerische Instrumentarium ist da, aber es fehlt noch der Feinschliff – und den gibt es nur im Wettbewerb.“ Zudem gäbe es jetzt das „erste Negativerlebnis zu verkraften“, aber Dinge wie diese passierten in jeder Saison und wie immer stelle sich die Frage, ob eine Mannschaft „mit diesen Aufgaben wächst oder ins Schlingern gerät“.

Spieler sind nicht gut beraten, sich mit generellen Betrachtungen und „Was wird, wenn“-Spekulationen lange aufzuhalten. Sie müssen, wie es Albas Kapitän tut, nach konkreten Lösungen suchen. „Natürlich hat die Woche geschlaucht“, sagte Sven Schultze. Aber Müdigkeit erkläre die Niederlage gegen Ulm nicht allein. „Wir haben sie bei 15 Punkten zu lange hängen lassen“, erklärt er in Anspielung auf Albas komfortable Führung. „Wir hätten den Sack zumachen müssen, haben stattdessen aber immer mehr Fehler gemacht.“

Dass es in den kommenden Wochen nicht einfacher werde, weiß der 34-Jährige auch. „Eine Niederlage wäre irgendwann so oder so gekommen“, sagt er und hofft darauf, dass sein Team daran erinnert worden sei, dass es nicht reicht, „30 Minuten lang gut zu spielen, sondern 40 nötig sind, um zu gewinnen“.

Total glücklich und stolz war natürlich Ulms Coach. „Ich bin sehr froh, dass wir das Team geschlagen haben, das derzeit ohne Frage den besten Basketball spielt und exzellent zusammengestellt ist“, sagte Thorsten Leibenath. Obradovic bedankte sich für das Lob höflich bei seinem „Freund Thorsten“. Klar, dass er Sätze wie diese sobald nicht mehr hören will.