Basketball

Alba und die BBL setzen sich hohe Ziele in der Euroleague

Zwar sind die Berliner finanziell noch lange nicht auf Augenhöhe mit anderen europäischen Vereinen, aber der Abstand ist geringer geworden.

Foto: Florian Achberger / dapd

Jan Pommer ist noch vorsichtig optimistisch. Der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL) sagt zwar: „Diese Saison ist einiges drin“ und meint das Abschneiden von Meister Baskets Bamberg und Alba Berlin in der Euroleague, schränkt aber sofort ein: „Das ist bisher mehr ein Glauben, weniger eine Gewissheit.“ Für seine Zuversicht gibt es gute Gründe. Während in anderen europäischen Ligen die wirtschaftliche Krise längst die Vereine erreicht hat und vielerorts die Budgets heftig gekürzt werden mussten, entwickelt sich die BBL konstant vorwärts. Nicht so, dass Bamberger und Berliner (Etat jeweils rund acht Millionen Euro) mit den Superreichen wie ZSKA Moskau, FC Barcelona, Real Madrid, den Istanbuler Klubs Fenerbahce, Efes und Besiktas, Maccabi Tel Aviv, Olympiakos Piräus (alle 20 Mio. oder mehr), um nur die potentesten zu nennen, auf Augenhöhe wären. Aber der Abstand zum Rest der 24 Teams ist geringer geworden. Teilweise reihen sie sich bereits hinter den Bundesligisten ein.

Chalon muss man schlagen

„Deswegen sind die Deutschen jetzt keine Favoriten. Aber die Schere ist kleiner geworden“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „innerhalb der europäischen Ligen hat es eine Annäherung gegeben.“ Das erhöht natürlich die Chancen; das Erreichen der Top 16 hat man sich in Berlin zum Ziel gesetzt, und es ist nach dem 92:82-Erfolg zum Auftakt in Siena überraschend früh einen Schritt näher gerückt. Am Donnerstag steht am zweiten Spieltag das Heimdebüt gegen Elan Chalon (20.45 Uhr, O 2 World) an. Baldi weiß: „Französischer Meister hin oder her – die muss man schlagen, wenn man weiterkommen will.“

In der Zentrale der Euroleague in Barcelona beobachtet man den deutschen Basketball-Aufschwung sehr genau. Es gibt viel Lob. „Die Liga hat sich beeindruckend entwickelt“, sagt deren Chef Jordi Bertomeu, der selbst nicht weniger zufrieden sein kann mit dem Zustand der europäischen Königsklasse. Trotz aller Krisen: Die Euroleague hat ein Jahresbudget von 35 Millionen Euro, die Organisation wächst und schreibt Jahr für Jahr schwarze Zahlen. Haupteinnahmequellen sind ein lukrativer TV-Vertrag, globale Sponsoren wie Turkish Airlines, Nike, bwin oder Spalding sowie das Final Four der vier besten Teams. Das jüngste dieser Turniere in Istanbul wurde in 140 Länder übertragen – Tendenz steigend. In Berlin gastierte es 2011. Bewerber stehen Schlange, dem Anlass genügende Arenen mit Kapazitäten zwischen 12.000 und 15.000 Zuschauern entstanden in den vergangenen Jahren etwa in Ljubljana, Danzig, Kaunas, Vitoria oder Zagreb. Die Austragung im kommenden Frühjahr sicherte sich die Anschutz Entertainment Group. Dann findet das Final Four in der Londoner O 2 Arena statt.

Und trotzdem: „Die BBL ist im Moment das aufregendste Projekt in Europas Basketball“, glaubt nicht nur BBL-Chef Pommer, der auch Vorstandsmitglied der Euroleague ist. Deshalb deutet er die Vergabe einer Wildcard an Alba Berlin für diese Saison so: „Die BBL sollte gestärkt werden. Denn der langfristige Erfolg der Euroleague wird auch davon mitbestimmt, ob der deutsche Markt sich entwickelt.“ Dass er es momentan tut, ist offensichtlich: Baldi berichtet davon, dass viele Spieler-Agenturen in Deutschland Filialen aufbauen. Dass internationale Stars wie der Slowene Bostjan Nachbar (Bamberg), die Amerikaner Tyrese Rice, Lawrence Roberts, der Israeli Yotam Halperin (alle Bayern München) oder der Bosnier Nihad Djedovic (Alba) aus anderen Top-Ligen nach Deutschland wechselten, sagt ein Übriges. „Die besten Spieler Europas spielen in der Euroleague“, sagt Alba-Kapitän Sven Schultze. Und immer mehr von ihnen zieht es in die Bundesliga. „Wenn man sieht, wer da so kommt, heißt das für die BBL“, denkt der 34-Jährige weiter: „Wir können aufholen.“

Sein Trainer Sasa Obradovic warnt aber zugleich: „Chalon hat vielleicht einen kleineren Etat als wir, aber Geld allein ist nicht ausschlaggebend für den Erfolg. Alle sind ambitioniert, alle wollen sich beweisen.“ Wie seine Mannschaft es in Siena getan hat. Bei einem solchen Einzelfall soll es nicht bleiben, da sind sich Baldi und Pommer einig. „Wir müssen beim sportlichen Erfolg nachlegen“, wünscht sich der BBL-Geschäftsführer. „Ergebnisse müssen kommen!“, fordert sein Berliner Kollege. Donnerstagabend in der O 2 World wäre eine gute Gelegenheit dazu.