Drei Siege, noch mal drei Siege und dann noch mal drei – wer diesen Marathon übersteht, wird spätestens am 17. Juni zum deutschen Basketball-Meister. Am Sonntag macht sich die Mannschaft von Alba Berlin in der O2 World (18 Uhr) auf den Weg, der schon auf der ersten Etappe steinig zu werden droht. Denn die ersten drei Siege der Best-of-five-Serie des Viertelfinales müssen gegen die Baskets aus Würzburg errungen werden. Alba empfängt als Vorrundendritter den Sechsten, der sich mit sechs Niederlagen mehr als Alba (8) für das Play-off qualifizierte. Ein großer Erfolg für die Franken, die als Aufsteiger gleich zwölf Teams hinter sich ließen. Und der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Würzburgs Team macht schon in der gegnerischen Hälfte enormen Druck und scheut sich auch nicht, mal etwas rustikaler hinzulangen.

Am augenfälligsten wird die physische Präsenz beim Spieler mit der Nummer 21: Jason Gregory Boone, der seine Karriere in Deutschland in der vierten Liga bei Lok Bernau begann und mit seinen 2,03 Metern angeblich nur 115 Kilo auf die Waage bringt. Sollte das stimmen, entfiele ein Großteil seines Gewichts sicherlich auf die Muskulatur seiner Oberarme. „Er ist mit Sicherheit der kräftigste Spieler der Liga, was man ja auch schlecht übersehen kann, da kommt auf uns jede Menge Arbeit zu“, sagt Albas Center Yassin Idbihi, der im Wechsel mit Torin Francis das Würzburger Kraftpaket vom Korb weg halten muss. Respekt habe er vor den Franken, sagt Idbihi. „Sie spielen hart, unheimlich hart, und sie treten als Mannschaft auf. Genau das müssen wir auch tun, hart verteidigen, vielleicht sogar noch härter als sie und dürfen keine überhasteten Würfe nehmen, weil es genau das ist, was sie wollen.“

Der Druck-und-Härte-Stil der Würzburger trägt die Handschrift ihres Coaches John Patrick. Der 44-jährige Amerikaner nervte mit seiner Überfall-Verteidigung schon als Trainer der BG Göttingen die Liga. Nachdem er 2006 mit Toyota Alvark japanischer Meister geworden war, stieg der Vater von fünf Kindern mit der BG 2007 in die BBL auf und krönte sein Schaffen dort 2010 mit dem Gewinn der EuroChallenge, dem erst dritten Europapokalerfolg einer deutschen Mannschaft. 2009 und 2010 wurde er zum BBL-Trainer des Jahres gewählt. Als Patrick im vergangenen Sommer zum finanziell üppiger ausgestatteten Aufsteiger Würzburg wechselte, nahm er neben Boone gleich auch noch das Trio Ben Jacobsen, John Little und Chester Frazier mit.

Kramer bester Korbjäger

Sein bester Werfer ist allerdings Chris Kramer mit einem Schnitt von 10,9 Punkten pro Spiel. Kramer spielt wie alle anderen weit unter 30 Minuten (26:31) pro Partie. Durch ständige Wechsel versucht Würzburgs Coach, die Foulbelastung gering und die Intensität hochzuhalten. Für den Play-off-Start gegen Alba kündigt er an: „Wir werden um jeden Ball kämpfen und sehen, ob wir den Auswärtssieg holen können.“ Albas Spielmacher Heiko Schaffartzik bezeichnet den Play-off-Gegner, den er jetzt mit drei Siegen in die Ferien schicken will, als „unangenehm, unorthodox und im Angriff oft chaotisch“. Ungewöhnlich sei auch, dass alle fünf zum Offensivrebound gingen. Bei der Frage, wie er denn da dagegenhalten wolle, streicht Schaffartzik das „Wie“. „Wir müssen gegenhalten, nicht wie, sondern es einfach tun. Wir können das.“ Was er und sein Team auch bereits bewiesen haben. Am 2. Januar hatte sich Alba in Würzburg noch vom Chaos überraschen lassen und 65:84 verloren, die „Firma Druck und Härte“ beim Wiedersehen Mitte März dann aber mit 81:73 besiegt. „Da ist unser Spiel meinen Vorstellungen schon recht nahe gekommen“, sagt Gordon Herbert. „Bei der physischen Spielweise müssen wir vor allem auf den Ball aufpassen, unseren Stil etablieren, durchsetzen, was wir durchsetzen wollen.“ In Sachen Erfahrung ist sein Team klar im Vorteil. Angeführt von Derrick Allen, der in der BBL bereits 47 Play-off-Spiele bestritt, kommen Albas Spieler auf insgesamt 158 Play-off-Einsätze, Würzburg auf 76. Aber: Nur Sven Schultze stand bislang nach dem allerletzten Spiel als Meister im Konfetti-Regen und Blitzlichtgewitter. „Wir alle sind sehr, sehr hungrig“, sagt Idbihi, der sich noch gut daran erinnert, dass letztes Jahr in Bamberg keine zwei Minuten zum Meistertitel gefehlt haben.