Jetzt, wo das Play-off um die deutsche Basketball-Meisterschaft vor der Tür steht, verändern sich die Perspektiven. „Ich bin begeistert, dass wir gegen Würzburg spielen“, sagt Alba Berlins Trainer Gordon Herbert vor dem ersten Viertelfinale nach dem Modus „Best of five“ am Sonntag (18 Uhr, O2 World, HIER im Live-Ticker von Morgenpost Online). Das liegt gewiss nicht daran, dass der Klub in Franken 2000/2001 seine erste Bundesliga-Trainerstation war. Geschäftsführer Marco Baldi findet: „Würzburg ist genau der richtige Gradmesser, ob wir bereit sind für ein Maximum an Geschlossenheit, Konzentration, Wachsamkeit, Intensität.“ Sicher hat er nicht vergessen, dass er vor wenigen Wochen noch kritisierte, die Würzburger spielten ein System, „das mit Basketball nicht viel zu tun hat“ und ihnen gar absichtliche Fouls unterstellte.
Doch ab jetzt gilt: positiv denken, Herausforderungen annehmen und sie als Chance sehen. Willkommen im Play-off.
So formuliert Herbert: „Wenn wir unseren Basketball-Stil spielen, werden wir erfolgreich sein.“ Sein Kapitän DaShaun Wood erklärt: „Es gibt keinen besseren Start ins Play-off als gegen Würzburg. Sie spielen so hart, so physisch – wenn wir das überstehen, sind wir in einer guten Situation für weitere Runden.“
Und die sind natürlich das Ziel nach einer Saison, in der es manche Täler, aber auch viele positive Aspekte gab. Der Zuschauerrekord von 10.971 Fans pro Partie bedeutet die Verteidigung von Platz eins in Europa (vor Estudiantes Madrid/10.233). Im vierten Jahr in der O2 World ist diese Zahl zum vierten Mal gestiegen. Während vermeintlich sichere Play-off-Anwärter wie Oldenburg, Frankfurt oder Bremerhaven scheiterten, gelang Alba Berlin im 22. Anlauf seit seinem Bestehen zum 22. Mal der Einzug in die Runde der acht besten Mannschaften – ungefährdet und diesmal mit nur einer Krise zwischen Ende Dezember und Mitte Januar. Gegen keine Mannschaft hat Alba in dieser Saison zweimal verloren, sogar Meister Bamberg geschlagen und zu Hause mit 16 Siegen in 17 Spielen einen überzeugenden Auftritt geliefert. „Wir haben Qualität, wir haben Tiefe bewiesen, dass wir gegen jeden bestehen können“, zieht Baldi sein Zwischenfazit.
Auch Wood sieht es so. „Wir haben jeden besiegt, obwohl die Bundesliga im Vergleich zum Vorjahr viel stärker geworden ist. Unsere einzige Herausforderung sind wir selbst“, folgert der Amerikaner. Immerhin nicht mehr der große Favorit, allenfalls die Mannschaft, die als größter Konkurrent des Meisters Bamberg angesehen wird. Die Franken haben das, was alle wollen: den Titel. Und sie haben sogar fünf davon in Serie gewonnen, dreimal den deutschen Pokal, zweimal die Meisterschaft. Sie sind ein Vorbild, denn sie tun das, was man tun muss, um Champion zu werden, am besten: als Mannschaft spielen und gut verteidigen.
Dem nachzueifern, um im Fall des finalen Aufeinandertreffens bereit zu sein, ist das Ziel. Und dafür sind die Baskets Würzburg wirklich wie geschaffen. Zudem ist Alba anders als in vergangenen Jahren in einer komfortablen Situation – niemand wird von Verletzungen geplagt, der Trainer kann alle einsetzen. Doch bei aller Begeisterung für Kontrahent Würzburg – Gordon Herbert schwant: „Das kann schon nach dem ersten Spiel anders sein.“



