Alba-Geschäftsführer

Warum Marco Baldi sein Geburtstag egal ist

Er ist das Gesicht von Alba: Albas Marco Baldi wird am Sonntag 50. Doch an seinem Geburtstag geht es ihm weniger um seine eigene Person.

Foto: Christian Hahn

Albas Geschäftsführer Marco Baldi, noch 49 Jahre alt, ist Sportsmann genug, den Erfolg anderer zu respektieren. So war er auch nach zwei Meisterschaften und drei Pokalsiegen in Folge immer bereit, das hohe Lied auf die Brose Baskets Bamberg zu singen. „Derzeit das Maß aller Dinge“ seien die Franken, hätten „das größte Budget der Liga“ und seien mit ihrer unglaublichen Heimstärke auch „jetzt wieder der Favorit auf den Titel“, sagte er vor dem Start ins Play-off. Am Sonntag feiert Baldi seinen 50. Geburtstag, an dem Tag, wenn seine Mannschaft in der O2 World (18 Uhr) gegen Würzburg ins Play-off-Viertelfinale zieht. Natürlich wäre es ein angemessenes Geschenk seitens seines Teams, mit einem Sieg in die Best-of-five-Serie zu starten.

Vielleicht hat es ein kleines Geschenk aber schon vorab gegeben. Denn das von ihm so gepriesene Team aus Bamberg legte einen Fehlstart ins Play-off hin, verlor den Auftakt zuhause gegen Bonn – die erste Heimniederlage nach zuvor 49 Siegen in Folge war. Alle Welt sprach davon, dass das Play-off ein Finale Bamberg – Alba münden würde. Wenn Bamberg jetzt aber wackelt, sollten da nicht die Chancen Albas auf die neunte Meisterschaft der Vereinsgeschichte und die erste nach 2008 steigen?

Für einen wie Baldi ist das eine Milchmädchenrechnung. Vielmehr sei „die Wettbewerbsintensität in der Liga so hoch wie noch nie“, sagt er. Teams wie Frankfurt und Oldenburg, die finanziell und personell alles nur Mögliche getan hätten, seien jetzt im Play-off gar nicht dabei. Schon jetzt über Bamberg oder gar das Finale nachzudenken verbietet sich. „Wille und Leidenschaft sind jetzt gefragt, individuell und als Team“, gibt Baldi vor. Wenn es nicht gelingt, „äußerste Konzentration und Intensität zu zeigen, kann Würzburg auch der letzte Gegner der Saison sein.“

22 Jahre, 22 Mal Play-off

Albas Geschäftsführer sollte wissen, wovon er redet, denn er führt seinen Klub ohne einen Fehlversuch zum 22. Mal in die fünfte Jahreszeit, das Play-off. Er ist seit dem 1. Mai 1990 der Mann, der sagt, was Alba denkt und tut, der smarte Macher, der immer ohne Krawatte, aber in ausgesuchtem Zwirn in Krisen unermüdlich die Gebetsmühle der Zuversicht dreht, der schimpft und attackiert, wenn es opportun ist und im Klub, wie auch in der Bundes- oder der Europaliga, im Hintergrund die Fäden zieht. Dass die Nachricht die Runde machte, dass Albas Play-off-Start und sein 50. Geburtstag zusammenfallen, war beispielsweise nicht nach Baldis Geschmack. Zu einem seiner Lieblingssätze ist in den vergangenen 22 Jahren und fünf Tagen „Wasserstandsmeldungen wird es nicht geben“ geworden. Seine Maxime: Internes bleibt intern, außen bleibt außen.

Bundesliga-Spielmacher war Baldi einmal, von 1982 bis 1984 auch bei Albas Vorvorgänger, dem DTV Charlottenburg. Betriebswirt war er danach, bei einem Automatisierungshersteller in der Nähe von Stuttgart, bis ihn der im Oktober 2010 verstorbene Mannschaftsarzt, Gerd-Ulrich „Doc“ Schmidt überredete, eine chronisch pleite Basketball-Mannschaft zu einem erfolgreichen Betrieb zu machen.

Was mit einigem Anlauf dann auch gelang: 15 Mal war Baldi seither dabei, wenn ein Banner unter das Hallendach gezogen wurde, eines für den Korac-Cup-Sieg, acht für gewonnene Meisterschaften, sechs für Pokalsiege. Er trägt aber auch eine gehörige Mitschuld, dass die goldene Serie von sieben Meisterschaften 2003 endete und Alba die Vormachtstellung im deutschen Basketball verlor. Was mit einer anderen seiner Eigenschaften zusammen hängt: fordern. Die Frage, die sich damals stellte, war: Wie lange würde Meister Alba mit der schmucken Schmeling-Halle interessant bleiben, wenn der Rest der Liga weiter in Turnhallen spielt?

Den zähen Kampf um neue Standards wie Holzfußböden, teure Korbanlagen, Mindestkapazitäten der Hallen führte Baldi als Präsidiumsmitglied der Basketball-Bundesliga BBL genauso beharrlich wie den um die Professionalisierung seines Klubs. Und bekam dann die Rechnung. Andere, die, die der Lokomotive gefolgt waren, wurden Meister. Jüngstes Beispiel sei Ulm, das sich lange gegen den Schritt in die Zukunft gewehrt habe, jetzt aber die Hauptrunde vor Alba auf Rang zwei beendete. „Ganz klar einer der Mitfavoriten auf den Titel“, sagt Baldi. Mit der neuen Halle sei dort „eine Euphorie losgetreten worden, ein Programm von höchster Konstanz und Qualität entstanden. Da kann man nur den Hut ziehen.“

Aber alles zu seiner Zeit: Zuschauerrekorde, Meriten der Vergangenheit sind jetzt genauso wenig angesagt wie Spekulationen über mögliche Schwächen anderer. „Ab dem 6. Mai, 18 Uhr geht es rund“, sagt Baldi und meint damit nicht die Geburtstagsparty. Seinen Trainer weiß er an seiner Seite. Den „Druck und die Erwartungen“, die jetzt auf ihm und dem Team liegen „genieße ich“, sagt Gordon Herbert. „Deswegen sind wir hier. Ich freue mich, jetzt voran gehen zu können.“ Und zwar möglichst weit, bis in das Final im Juni. Denn Alba will bekanntlich immer Meister werden – Favorit hin, Favorit her, und vor allem ganz unabhängig von irgendwelchen Geburtstagen.