Basketball

Alba ist bereit für den Klassiker gegen Bamberg

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Sebastian Arlt

Foto: City-Press

Flügelspieler Bryce Taylor ist Profi mit Leib und Seele. Der Publikumsliebling freut sich schon auf das Spiel gegen die "Alba-Killer".

Bryce Taylor liest die Botschaft ganz genau und muss grinsen. „Es ist schon ein ganz besonderes Spiel, die Rivalität ist für unsere Fans eben besonders groß“, sagt der Flügelspieler von Alba Berlin. Am Sonntag (14.35 Uhr, Sport1 live) muss Alba in der Basketball-Bundesliga bei den Brose Baskets Bamberg antreten. Bamberg gegen Berlin – längst ein Klassiker. In einer denkwürdigen Play-off-Finalserie über fünf Spiele standen sich die Erzrivalen vor knapp einem Jahr gegenüber; zwei Minuten vor Schluss hatte Alba beim Showdown in der Bamberger „Frankenhölle“ noch durch einen Dreier von Taylor geführt – am Ende holten aber doch die Baskets den Titel.

Eigentlich weiß jeder Spieler um die Brisanz, aber zur Erinnerung und zur optimalen Einstimmung haben Alba-Fans ein paar Spruchbänder an den Zaun um die Trainingshalle ihres Teams in der Kreuzberger Schützenstraße Kreuzberg gehängt. „Time to beat 'em“ („Es ist Zeit, sie zu besiegen“) ist zu lesen, verbunden mit der ultimativen Aufforderung „Crush Brose!“. Als Übersetzung von „crush“ bietet das Wörterbuch alternativ Übersetzungen an wie zerdrücken, zerschmettern oder vernichten. „Es wird ordentlich zur Sache gehen“, ist sich Taylor sicher. Und freut sich. Der 25-Jährige ist bereit.

Für Alba ist es so etwas wie ein Finale um Platz zwei am vorletzten Spieltag der Punkterunde. Mit einem Sieg beim auch in dieser Saison wieder dominierenden Tabellenführer wären Rang zwei und der Heimvorteil zumindest im Viertel- und im möglichen Halbfinale sicher. „Für uns ist es ein echter Gradmesser, eine große Herausforderung“, sagt Albas Trainer Gordon Herbert.

Die „Stechert-Arena“ in Bamberg ist schier uneinnehmbar. Seit 42 Spielen gegen nationale Konkurrenz sind die Franken dort unbesiegt. „Puh“, sagt Taylor, „es ist echt hart, dort zu spielen.“ Es gibt in Basketball-Deutschland kein schwereres Auswärtsspiel. Dort, wo Schilder mit der Aufschrift „Alba-Killer“ hochgehalten werden. Wo den Berlinern die größte Abneigung, ja Hass entgegenschlägt. Aber Taylor mahnt: „Wir sollten nicht zu viel reininterpretieren, zum jetzigen Zeitpunkt ist es nur ein Spiel, erst im Play-off kommt die entscheidende Phase.“

Eine Phase, an die sich Taylor noch besonders gut erinnert. Zu Saisonbeginn im Herbst 2010 kurzfristig von Alba verpflichtet, musste der US-Amerikaner erst eine zweimonatige Probezeit bestehen, bis feststand, dass er bis zum Sommer 2011 bleiben durfte. Lange habe er sich „schwer getan“. Unter Trainer Luka Pavicevic kam er bis zu dessen Entlassung nicht wie von ihm erhofft zu längeren Einsatzzeiten, dessen Nachfolger Muli Katzurin setzte dann schon mehr auf ihn.

Im Play-off wurde Taylor immer besser. In jedem Highlight-Video der Saison zählt sein Einhand-Dunk über den Bamberger Kleiderschrank Predrag Suput hinweg in Spiel fünf zu den schönsten Szenen. Spektakuläre Athletik, Leidenschaft gepaart mit puren Emotionen beim verächtlichen Blick auf den am Boden liegenden Gegenspieler. „Ein toller Moment in meiner Karriere“, sagt er rückblickend über die unvergessliche Showeinlage.

Obwohl er ein Teamspieler ist, liebt er diese spektakulären Aktionen, das Fliegen in Richtung Korb. Und die Fans lieben ihn dafür. Taylor, dessen Vater Brian einst fast zehn Jahre lang in der NBA spielte (7868 Punkte), ist schon in seinem zweiten Jahr bei Alba zum Publikumsliebling geworden, zu einer Identifikationsfigur für die Anhänger. Er ist auch das Gesicht der Alba-Werbekampagne „Mit Leib und Seele für Berlin“. Das macht ihn stolz: „Es ist eine Ehre für mich, den Klub und die Stadt so zu repräsentieren.“

Taylor fühlt sich wohl im Klub, in der Stadt, die er in Ermangelung eines Führerscheins oft mit der U-Bahn erkundet. „Berlin ist ein hervorragender Platz für mich“, sagt er. Er hat in dieser Saison noch einmal einen Schritt nach vorn gemacht. Vor einer Woche beim Sieg in Tübingen erzielte er 26 Punkte. „Es ist meine bisher beste Spielzeit als Profi.“ Trainer Gordon Herbert sei Dank. Bryce Taylor nennt den Grund seines Leistungssprunges: „Der Coach vertraut mir, das gibt mir die nötige Sicherheit.“