So in etwa dürfte sich Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi die Reaktion seiner Mannschaft vorgestellt haben. Nach ihrer enttäuschenden Leistung beim 72:91 am Mittwoch im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga in Ulm hatte er heftige Kritik geübt und vor einem Prozess gewarnt, der jetzt ins Rollen kommen könnte. Dass das Team von Trainer Gordon Herbert ausgerechnet wenige Wochen vor dem Play-off-Start aus dem Rhythmus kommen könnte. Da stand die Partie bei den heimstarken Tigers Tübingen bevor, zuletzt sechsmal in Folge zu Hause siegreich, in den vergangenen beiden Jahren auch gegen Alba. Gestern Abend nicht. Da boten die Berliner eine imponierende Vorstellung, gewannen 91:62 (39:30). Es war ihr höchster Auswärtssieg in dieser Saison und ein Signal an Meister Bamberg, bei dem sie am nächsten Sonntag antreten.
Bryce Taylor drehte Resultat fast im Alleingang
Dabei misslang der Start in Tübingen völlig. 7:0 führten die Gastgeber, und Baldi mag sich in seinen Sorgen für Augenblicke bestätigt gefühlt haben. Doch die vertrieb sehr schnell Bryce Taylor. Der US-Amerikaner drehte das Resultat mit seinen ersten elf Zählern quasi im Alleingang zum 11:7. Am Ende war er mit 26 Punkten auch bester Werfer der Partie vor DaShaun Wood und Torin Francis (je 14). Und von nun an bestimmten nur noch die Berliner das Geschehen. Selten sind sie so hungrig und konzentriert aufgetreten wie an diesem Abend. Jedes einzelne Viertel gewannen sie, besonders der dritte Durchgang war mit 28:13 ernüchternd für die wackeren Schwaben.
Bezeichnend dafür, wie erpicht das Alba-Team darauf war, die Scharte von Ulm vergessen zu machen, war die unverminderte Aggressivität, mit dem es trotz hoher Führung zu Werke ging. Alba lag bei den Rebounds (38:24) vorn, hatte aus allen Lagen die besseren Trefferquoten und baute seinen Vorsprung auf bis zu 32 Zähler aus. Wenn es etwas zu kritisieren gäbe, dann die 13 Ballverluste, die ihnen erneut unterliefen. Auch wenn Tabellenplatz zwei nach der Niederlage in Ulm vermutlich nicht mehr erreichbar ist, war der Auftritt in Tübingen ein Zeichen, dass mit Alba wieder zu rechnen ist, wenn Anfang Mai das Play-off um die Deutsche Meisterschaft beginnt. Jedenfalls dann, wenn die Mannschaft so spielt.
BMO




