Berliner Morgenpost: Herr Wood, welche Erinnerungen kommen hoch, wenn Sie gegen Frankfurt spielen?
DaShaun Wood: Ich denke zum Beispiel daran, dass die Skyliners meine erste Station in Deutschland waren, dass wir eine gute Saison gespielt haben und daran, dass mich die Frankfurter dort sehr herzlich empfangen haben. Aber ich bin jetzt in Berlin zu Hause und jedes Mal, wenn ich sie sehe, stehen sie uns im Weg – und ich will sie schlagen.
Berliner Morgenpost: Gibt es Freundschaften, die Ihren Wechsel zu Alba überlebt haben?
DaShaun Wood: Ja, Jimmy McKinney ist mein Freund. Wir haben uns auswärts das Zimmer geteilt, im Training immer beharkt, und er hat ein Stockwerk über mir gewohnt. Ich habe ihn bei all seinen Videospielen mitbekommen, und wir sind auch heute noch in Kontakt.
Berliner Morgenpost: Geht das eigentlich, immer in eine neue fremde Stadt zu kommen und sich dort zu Hause zu fühlen?
DaShaun Wood: Es ist schwer, weil Basketball-Profis ganz generell öfter den Verein wechseln. Aber Frankfurt und jetzt auch Berlin unterscheiden sich sehr von den Orten, wo ich zuvor war, weil sich alle, auch die Fans, große Mühe geben, dass du dich wohl und zu Hause fühlst.
Berliner Morgenpost: Was bedeutet „zu Hause“ für Sie?
DaShaun Wood: Es sind die Menschen, die einem ein Zuhause-Gefühl geben. Ich finde, in Berlin sind alle sehr freundlich, und manchmal sprechen mich Fans auf der Straße an und sagen mir etwas Nettes wie „guter Sieg“ oder „gut gekämpft“. Außerdem gefällt mir Berlin wirklich gut, es hat dieses New-York-Feeling. Die Menschen, die Stadt und ein sehr professioneller Klub – diese Mischung macht's, dass ich mich zu Hause fühle.
Berliner Morgenpost: Sie kamen mit Coach Gordon Herbert aus Frankfurt nach Berlin, fällt es Ihnen so schwer wie ihm, Abstand zum Basketball zu bekommen?
DaShaun Wood: Hm. Ich glaube, dass ich mit dem Coach jetzt im zweiten Jahr so gut auskomme, liegt daran, dass wir uns sehr ähnlich sind. Basketball bestimmt völlig meinen Tag, ich habe zu etwas anderem keine Zeit. Ich bin fast immer zu Hause, ruhe mich aus, achte auf gute Ernährung und ausreichend Schlaf und bereite mich auf das vor, was kommt. In dieser Woche habe ich mir Ausschnitte aus dem Hinspiel gegen Frankfurt angesehen und unseren Sieg gegen Bamberg, wo wir mit großem Selbstbewusstsein gespielt haben. So lade ich den Akku auf, denn ich brauche in jedem Spiel sehr viel Energie.
Berliner Morgenpost: Und sonst starren Sie an die Wand…
DaShaun Wood: (Lacht) Nein, ich sehe mir natürlich auch Filme an, höre Musik, spiele mal Karten oder am Computer. Das sind alles Sachen, bei denen ich mich gut entspannen kann.
Berliner Morgenpost: Wie oft telefonieren Sie in die USA?
DaShaun Wood: Die Einzige, die ich jeden Tag anrufe, ist meine Verlobte, weil sie mich sonst möglicherweise killen würde. Mit meiner Schwester und mit meinem Vater spreche ich vielleicht einmal die Woche.
Berliner Morgenpost: Alba ist im Eurocup nicht mehr dabei. Sie sind aber noch immer der beste Assistgeber des Wettbewerbs und der viertbeste Scorer. Wie treffen Sie die Entscheidung, ob Sie einen Wurf für einen Ihrer Mitspieler oder für sich herausspielen wollen?
DaShaun Wood: Das kann ich nicht sagen, weil jede Partie anders ist. Ich will immer erst die anderen ins Spiel bringen, aber auch selbst 30 Punkte machen. Nehmen wir das letzte Spiel gegen Bremerhaven, als Marko (Simonovic, d. Red.) den entscheidenden Dreier traf. Ich habe den Rebound unter unserem Korb geholt, und in diesem Moment geht es nicht darum, den Ball zu passen oder selbst zu werfen, sondern die Situation zu lesen und aus ihr etwas zu machen. Ich wusste schon weit vor der Mittellinie, dass ich den Ball Marko geben würde, weil ich sofort gesehen hatte, dass sein Gegenspieler irgendwo unter dem Korb hängengeblieben war. Es ist wie ein Schnappschuss, den man nimmt. Die Coaches vertrauen mir in diesen Momenten, und ich will den Ball haben und die Situation erfolgreich auflösen. Dass ich das als Passgeber und als Werfer kann, macht mich wahrscheinlich so gefährlich.
Berliner Morgenpost: Im Team gibt es ja noch einen, der das ganz gut kann: Heiko Schaffartzik. Wo verläuft die Trennlinie zwischen Kameradschaft und Rivalität zwischen Ihnen?
DaShaun Wood: Ich konnte es im Sommer kaum erwarten, dass er endlich von der Nationalmannschaft zu uns kommt. Ich werde durch ihn besser. Wir beharken uns in jedem Training richtig und profitieren beide davon. Ich habe schon sehr viel von ihm gelernt, wir sind uns als Spieler sehr ähnlich, wollen beide immer gewinnen.
Berliner Morgenpost: Was haben Sie von ihm gelernt?
DaShaun Wood: Zum Beispiel habe ich in den letzten Spielen den gegnerischen Spielmacher schon früher unter Druck gesetzt, etwas, was er schon die ganze Saison tut. Er hat mich mal beiseite genommen und gesagt, du bist der Kapitän, wenn du dir in der Verteidigung die Beine ausreißt, schalten alle einen Gang hoch, und ich denke, das war auch in den letzten Spielen zu sehen. Er sagt auch Dinge, die andere sich nicht trauen, und ein paar Kleinigkeiten habe ich mir auch von ihm abgeguckt.
Berliner Morgenpost: Hat er auch etwas von Ihnen kopiert?
DaShaun Wood: Darauf werde ich nicht mit „Ja“ antworten, aber manchmal denke ich im Training, das könnte eigentlich auch von dir sein, aber ich sag's ihm nicht.
Berliner Morgenpost: Aus dem Eurocup und dem deutschen Pokal sind Sie ausgeschieden. Wie sehen Sie die Chancen, noch das ganz große Ziel, die Meisterschaft, zu erreichen?
DaShaun Wood: Das größte Ziel liegt wirklich noch vor uns, und sollten wir es erreichen, würde sich der Blick auf die Saison völlig verändern. Ich bin zu Alba gekommen, weil ich Meister werden will, und ich glaube fest daran, dass wir das schaffen können. Wir haben durch ein paar Verletzungen zwischenzeitlich unseren Rhythmus verloren und erarbeiten ihn uns jetzt gerade wieder.
Berliner Morgenpost: Noch ist Ulm hinter Bamberg Zweiter, Sie sind Dritter, spielen sechs der nächsten sieben Partien zu Hause und müssen noch nach Ulm. Wie wichtig wäre es, noch Zweiter zu werden?
DaShaun Wood: Sehr wichtig, schon allein, weil wir im Viertel- und Halbfinale den Heimvorteil hätten. Mit dem Play-off fängt eine neue Saison an, und es kann große Überraschungen geben. Aber ein Finale Bamberg gegen Alba wäre schon so etwas wie die Krönung dieser Saison.





