Basketball

Alba Berlin trifft im Eurocup auf den neuen Sabonis

Jonas Valanciunas ist der Star bei Alba Berlins Eurocup-Gegner Vilnius. Obwohl er erst 19 Jahre alt ist, wird er bereits mit Litauens Basketballheld Arvidas Sabonis verglichen. Nun winkt die NBA.

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Man muss nicht rechnen können, um Albas Chancen auf das Erreichen des Viertelfinales im Eurocup zu ermitteln . Nach drei Niederlagen in drei Spielen der Zwischenrunde liegen sie bei nahe Null. Selbst ein Sieg am Dienstag gegen Lietuvos Rytas Vilnius (20 Uhr, O2 World) würde daran noch nicht viel ändern. Und schon der wird sicherlich schwer genug, wie bei Albas 75:86 im Hinspiel vergangene Woche in Litauen zu sehen war. Große Probleme dürfte wohl wieder ein junger Mann bereiten, der in dieser Saison noch eine Art Ehrenrunde durch Europa dreht: Jonas Valanciunas wird bald die Koffer packen. Sein Ziel: die NBA.

In Litauen nennen sie den 19-jährigen, 2,10 Meter großen Center bereits den „neuen Sabonis“. Im vergangenen Sommer wurde er beim NBA-Auswahlverfahren (Draft) an Nummer fünf gezogen.

Ein 19-Jähriger wie Nationalheld Sabonis

Dennoch: Sabonis? Welch ein Vergleich. Denn Arvidas Sabonis ist der beste litauische Korbjäger aller Zeiten. Der mittlerweile 48-Jährige hat Karriere gemacht in Spanien und dann vor allem in der NBA. Der 2,21 Meter große Riese ist ein Nationalheld in einem Land, in dem Basketball die Nummer eins ist.

In der kleinen Baltenrepublik mit gut drei Millionen Einwohnern hängt fast überall ein Basketball-Korb, sogar an Kirchenmauern. Die Jugend- und Nachwuchsarbeit ist vorbildlich. In Schulen mit dem Schwerpunkt Basketball werden immer neue Stars herangezogen. Eine einmalige Förderstruktur über kommunal finanzierte Bildungseinrichtungen oder Privatschulen (unter anderem von Sabonis in Kaunas mit 800 Schülern und Sarunas Marciulionis, ebenfalls ein Held von einst, in Vilnius) lassen die Talent-Quelle nie versiegen.

Basketball als Relgion

„Wir holen die Kinder von der Straße“, sagt Sabonis. Kinder wie den in Vilnius aufgewachsenen Valanciunas. „Litauens Herz gehört dem Basketball“, sagt selbst Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite. „Es ist wie eine zweite Religion“, ergänzt Sabonis, der sich inzwischen wieder von einem vor etwa vier Monaten erlittenen Herzinfarkt erholt hat. Kurz nach der EM in Litauen (die Heimmannschaft schied enttäuschend bereits im Viertelfinale aus) Ende September 2011 musste er ins Krankenhaus gebracht werden, kam auf die Intensivstation – die Nation hielt den Atem an.

Vielleicht hatte sich Sabonis übernommen. Unermüdlich war er als „EM-Botschafter“ in die teilnehmenden Länder gereist. So wie einst Franz Beckenbauer und Steffi Jones im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaften 2006 und 2011. „Ein kleines Land will doch immer zeigen: Hey, uns gibt es auch noch“, erklärte er damals bei seinem Besuch in Berlin. „Bei uns funktioniert das über Basketball.“

Alba-Gegner nach Zeitung benannt

Sabonis verkörpert die große Identifikation, die dieser Sport in Litauen immer gestiftet hat. Unter sowjetischer Herrschaft scharte sich die Nation hinter Basketball. Zumeist waren die Stars in erfolgreichen UdSSR-Teams Litauer. Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewann die UdSSR Gold, die überragenden Sabonis, Marciulionis und Rimas Kurtinaitis (wurde 1991 erster Sportminister Litauens) trugen danach stolz „Litauen“-T-Shirts. Sabonis hängte die litauische Fahne sogar aus dem Fenster seines Zimmers im olympischen Dorf. Im Kreml war man empört, aber man brauchte ja für das UdSSR-Team die litauischen Helden.

Das Sowjetreich endete, Litauen wurde unabhängig – die Basketball-Begeisterung blieb. Dreimal Olympia-Bronze (1992, 1996, 2000) dazu ein EM-Titel (2003) sind Beweis der Stärke. Das Aus bei der Heim-EM 2011 soll nur eine Momentaufnahme sein. National ist Meister Zalgiris die Nummer eins, aber Lietuvos Rytas – benannt nach dem Hauptsponsor, der größten litauischen Tageszeitung – wird weiter alles tun, um Kaunas abzulösen.