Basketball

Alba-Legende Rödl bangt in Berlin um Klassenerhalt

Der ehemalige Alba-Spieler Henrik Rödl kehrt als Trainer des TBB Trier nach Berlin zurück und muss dort gegen den Abstieg seiner Mannschaft kämpfen. Im Interview mit Morgenpost Online erklärt Rödl, wie er das schaffen will.

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Er ist ein gern gesehener Gast. Dafür, dass er das Herz der Alba-Mannschaft war, wurde er in bisher einzigartiger Weise geehrt. Die Nummer 4, die er trug, wird nie wieder vergeben. Aber Henrik Rödl kommt am Sonntag (17 Uhr, O2 World) nicht nach Berlin, um in Vergangenem zu schwelgen, sondern als Trainer des TBB Trier. So schön, wie es auch früher gewesen sein mag, Rödl und Trier spielen gegen den Abstieg. Albas Basketball-Held auf Lebenszeit wird alles versuchen, die Punkte mitzunehmen.

Morgenpost Online: Ist es noch immer etwas Besonderes, nach Berlin zu kommen?

Henrik Rödl: Auf jeden Fall. Berlin war lange Zeit meine Heimat, und mich verbindet immer noch sehr viel mit all dem, was ich dort erlebt habe. Ich freue mich sehr darauf, in die Halle zu kommen und dort viele Leute wiederzusehen. Das ist schon eine ganz besondere Situation mit vielen Emotionen für mich.

Morgenpost Online: Wie sehr sind Sie denn mittlerweile in Trier heimisch geworden?

Rödl: Meine Familie fühlt sich jetzt hier sehr viel wohler als noch im ersten Jahr, aber wir haben natürlich immer noch ein zweites Standbein in Berlin.

Morgenpost Online: In der vergangenen Saison waren Sie mit Trier lange im Rennen um einen Play-off-Platz, jetzt liegen Sie auf Rang 16 einen Platz über den Abstiegsrängen. Warum?

Rödl: Wir haben uns auch in diesem zweiten Jahr viele Siegchancen erarbeitet, konnten am Ende dann aber doch nicht gewinnen. Die zweite Hälfte der Saison hat gerade erst begonnen. Wir haben jetzt zu Hause zwei sehr wichtige Heimspiele gewonnen. Unsere Kurve zeigt klar nach oben, deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir da unten auch wieder herauskommen.

Morgenpost Online: In Trier wurden an Ihre Verpflichtung große Hoffnungen geknüpft. Ein deutscher Trainer, der auf junge deutsche Spieler setzt. Haben die sich erfüllt?

Rödl: Ich denke schon, dass sich einiges geändert und das, was wir hier tun, auch national eine Bedeutung hat, sonst hätte man mich bestimmt nicht zum All-Star-Coach gewählt. Ich denke schon, dass wir großen Respekt für unser Programm bekommen. Wir erarbeiten uns diesen Respekt auch in den Hallen mit der Art, wie wir spielen, auch, wenn wir nicht jedes Spiel gewinnen. Wir präsentieren uns als Team, das hart arbeitet und immer funktioniert. Trier hat jetzt sicherlich ein anderes Image als in den vergangenen Jahren.

Morgenpost Online: Sie haben als Spieler um Titel gespielt, jetzt kämpfen Sie um den Klassenerhalt – ist das die größere Herausforderung?

Rödl: Ja und nein. Der Druck, gewinnen zu wollen, ist in beiden Situationen ähnlich, aber wenn man um Titel spielt, ist das Selbstvertrauen sicherlich ein anderes. Das ist einer der Punkte, an denen man, wenn man unten steht, ganz besonders arbeiten muss.

Morgenpost Online: Wie macht man das?

Rödl: Einerseits mit viel Arbeit auf dem Feld, wo man sich am ehesten Selbstvertrauen holen kann, zum anderen mit vielen Gesprächen im Umfeld.

Morgenpost Online: Sie haben fünf ehemalige Alba-Spieler im Kader. Philip Zwiener ist Ihr Topscorer, Dragan Dojcin ein alter Hase, dazu Oskar Faßler – wie machen sich die Youngster Andreas Seiferth (22) und Joshiko Saibou (21)?

Rödl: Andreas bekommt knapp zehn Minuten Spielzeit. So in der Verantwortung zu stehen, ist für jemanden ohne Bundesliga-Erfahrung schon ein Riesenschritt. Er findet sich immer besser in diese Rolle. Joshiko bekommt auch seine Einsatzzeiten, ist aber noch nicht ganz so stabil, er wird aber auch immer besser. Er ist auf einem guten Weg, in die Rotation hereinzukommen.

Morgenpost Online: Ihr Center Maik Zirbes ist erst 22 Jahre alt und spielt eine überragende Saison. Der Sonntag in der O* World könnte sein Tag werden, denn Albas Center Torin Francis und Yassin Idbihi sind verletzt. Kann Zirbes Ihnen das Spiel gewinnen?

Rödl: Maik spielt in letzter Zeit sehr konstant und muss sehr viel Verantwortung tragen. Er stellt sich sehr akribisch auf den jeweils nächsten Gegner, dessen Stärken und Schwächen ein. Alba hat zwar derzeit zwei Center weniger, aber in den letzten Wochen bei den Rebounds sehr hart und gut gearbeitet. Aber das ist schon einer der Schwerpunkte unserer Vorbereitung. Wir müssen sehen, dass wir in Berlin unsere Rebounds holen. Das hat Maik zuletzt sehr gut gemacht, und genau da muss er am Sonntag natürlich weitermachen.

Morgenpost Online: Haben Sie Albas 92:91-Sieg in Bonn gesehen?

Rödl: Ja, das war ein außergewöhnliches Spiel. Beide Mannschaften waren offensiv in einer überragenden Verfassung, haben so viele unglaubliche Würfe getroffen, wie es in einem einzigen Spiel sehr selten vorkommt. Mich hat vor allem beeindruckt, dass Alba mit all den Personalproblemen auswärts so stabil aussah und emotional so gut gespielt und dann verdient gewonnen hat, auch wenn es knapp war.