„Die Milch ist verschüttet“, fasst Alba Berlins Coach Gordon Herbert die vergangene Woche, in der sein Team drei Niederlagen in Folge kassierte, mit einer Weisheit seiner Mutter zusammen. „Du kannst sie nicht mehr zurück ins Glas tun, nicht mehr trinken. Du kannst nur noch lernen, warum und wie du sie verschüttet hast, damit es nicht wieder vorkommt.“
Nach einer Serie von neun Siegen und dem Sturm an die Tabellenspitze war bei seinem Team scheinbar ein unwiderstehlicher Hang zu weihnachtlicher Gemütlichkeit eingekehrt. Die Mannschaft, die ihre Gegner zuvor in zwölf Spielen der Basketball-Bundesliga und sieben Matches quer durch Europa bei durchschnittlich 67,2 Zählern gehalten hatte, bat plötzlich zum „Tag der offenen Tür“. Alba ließ im Artland 97, gegen Bonn 86 und in Würzburg 84 Punkte zu. Ein veritabler Milchsee, bleibt man bei Herberts Gleichnis. Der Coach hatte seine Spieler auch gleich wissen lassen, dass auf der Suche nach dem Wie und Warum nicht „der Blick aus dem Fenster helfe, sondern der in den Spiegel“.
Konzentriert aus der Krise
Vielleicht hilft, dass sich seinem Team schon schnell eine Chance bietet, nicht noch weitere Milch zu verschütten. An diesem Donnerstag (20 Uhr) kommt der Tabellenfünfzehnte Ludwigsburg in die O2 World, am Sonntag Schlusslicht Göttingen (17 Uhr), am darauf folgenden Sonnabend reist Alba zum Elften nach Bayreuth.
Er habe noch nie über Weihnachten und Neujahr einen solchen Spielplan absolvieren müssen, erzählt DaShaun Wood, sagt aber sofort, dass das „keine Entschuldigung sein darf. Wir sind Profis und hätten unseren Fokus behalten müssen.“ Er und sein Team müssten „wieder so aggressiv auftreten wie in den Wochen zuvor“. Die beiden anstehenden Heimspiele und die Woche danach kämen jetzt „gerade recht, das verlorene Selbstvertrauen zurückzuholen und vor den eigenen Fans Energie aufzutanken.“
Woods' Partner in der Organisation des Alba-Spiels, Heiko Schaffartzik, musste an seinem 28. Geburtstag mit dem Blick in den Spiegel die Niederlagenserie verdauen. In Quakenbrück habe es angefangen, sagt er, gegen Bonn und in Würzburg sei es dann immer schlechter gewesen. Warum, weiß der Spielmacher auch nicht wirklich, er sieht aber einen Weg aus der Krise: „Ich weiß, es sollte immer so sein, aber wir müssen uns jetzt als Mannschaft, alle zehn, komplett auf die Verteidigung konzentrieren. Alles andere sollte in den nächsten Spielen nicht zählen.“
Seinen Kumpel Yassin Idbihi wird Schaffartzik heute noch nicht unter den Körben anspielen können. Mit Albas Center ist nach dessen Muskelfaserriss frühestens am Sonntag zu rechnen. „Es ist ganz schwer, Yassin zu ersetzen“, sagt Schaffartzik, „nicht nur wegen seiner körperlichen Härte, sondern auch wegen seiner Spielintelligenz und der Ruhe, die er ausstrahlt.“ Aber Alba müsse es vorerst eben ohne ihn packen, zurück in die Spur zu finden. Denn in knapp zwei Wochen reist Alba zum Auftakt der Zwischenrunde des Eurocups ins italienische Treviso – und da ist schon eine Menge Milch verschüttet worden.





