Basketball-Bundesliga

Alba droht in Trier ungemütliches Familientreffen

Albas Gastspiel in Trier erinnert an ein Ehemaligen-Treffen: Bei den von Ex-Alba-Star Henrik Rödl trainierten Trierern spielen fünf Ex-Berliner. Kuschel-Basketball und herzliche Umarmungen dürften die Berliner aber nicht erwarten.

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Alba zu Gast in Trier – es gibt vieles, was beide Basketball-Bundesligisten miteinander verbindet. Da wären Dragan Dojcin, Philip Zwiener, Oskar Faßler, Andreas Seiferth und Joshiko Saibou, die allesamt das Trikot der Berliner trugen, bevor sie an die Mosel wechselten. Und natürlich ist da auch Triers Cheftrainer Henrik Rödl, Albas Held für alle Zeiten. Denn sonst wäre wohl kaum sein Trikot mit der Nummer 4 für immer unter das Dach der O2 World gezogen worden. Es wird ein Familientreffen am Sonnabend um 20 Uhr bei Albas Gastspiel – natürlich. Aber Kuschel-Basketball und herzliche Umarmungen wird es in der Trierer Arena nicht geben. Denn beide Seiten wollen genau das, was dem anderen am meisten schadet – nämlich gewinnen.

Duell der Freunde Rödl und Herbert

Henrik Rödl und sein Berliner Gegenüber Gordon Herbert sind Freunde. Seit grauer Vorzeit, als sie, beide Frühaufsteher, bei einem Turnier in Bayreuth morgens um halb sieben – Rödl trug noch Albas Nummer 4 – zufällig gemeinsam frühstückten. Am Sonnabend aber leben beide, jeder für sich, in ihren Welten: Rödl, mit Trier derzeit Tabellenfünfzehnter, will nach oben, Herbert, mit Alba eines von drei Teams mit nur zwei Niederlagen, oben bleiben.

„Ich erwarte, dass wir wieder an die Leistungen der Wochen anknüpfen können, in denen wir sehr erfolgreich waren“, sagt Herbert, dessen Team nach einer Serie von neun Siegen in Folge vergangenen Dienstag nach zweifacher Verlängerung 87:91 bei Turow Zgorzelec verlor . Ein Spiel voller Überraschungen, wie sich Albas Trainer süß-säuerlich lächelnd erinnert. „In der ersten Halbzeit war ich überrascht, wie gut wir nach einer Woche Pause gespielt haben.“ In der zweiten sei er dann aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen, wie schlecht sich sein Team präsentierte.

„In Trier erwartet uns Ähnliches“, glaubt Herbert. „Eine gut gecoachte Mannschaft, die hart verteidigt. Ich will eine Reaktion auf diese Niederlage gegen Zgorzelec sehen.“ Albas Headcoach wird mit komplettem Kader zu seinem Freund Henrik Rödl reisen. DaShaun Wood, der in Polen angeschlagen auflief, trainierte am Freitag nach seiner Grippe erstmals wieder mit. Das Fußgelenk von Kyle Weaver, der am Dienstag umknickte, zwickt zwar noch, aber er will mitspielen („Ich mag es ganz einfach nicht auszusetzen“).

Trier geht mit Sorgen ins Spiel

Rödl geht nach seiner glanzvollen ersten Saison in Trier jetzt in der zweiten mit anderen Sorgen ins Spiel. Die Partien gegen vergleichbar starke Teams, die er in der vergangenen Spielzeit noch knapp gewann, gingen in dieser bislang genauso knapp (-5 in Hagen, -3 gegen Gießen und -6 gegen Ulm) verloren.

Was besonders schmerzt, weil sein Klub durch die beiden finanzstarken Aufsteiger Bayern München und Würzburg (beide 7:4 Siege) in der Hierarchie der Liga ohnehin zwangsläufig abgerutscht ist.

Rödl will Spiel lange offen halten

Trier gelang zuletzt in Frankfurt der vierte Saisonsieg, in Ludwigsburg aber gab es dann die siebte Niederlage. Zwei Punkte gegen Alba wären hilfreich, weil die direkten Tabellennachbarn Ähnliches so schnell wohl nicht nachlegen könnten. „Irgendwie knapp halten“ will Rödl das Spiel möglichst lange, um Favorit Alba dann vielleicht am Ende zu überraschen.

Für sein Team wird erstmals der 23-jährige Guard James Washington auflaufen, der in Trier so etwas wie eine Probezeit absolviert. „Er kommt vom College und ist erstmals in Europa“, erklärt Rödl. „Er wird nicht unser Retter sein, mir aber mehr Optionen geben.“

Die, wenn es nach seinem Freund Herbert geht, noch nicht zum Tragen kommen sollen. Die Niederlage in Polen sei zum denkbar günstigsten Zeitpunkt gekommen, sagt Albas Coach, „weil er es noch immer in unseren eigenen Händen haben, die Gruppe als Erster zu beenden“. Mit einer Niederlage in Trier hingegen wird sich Alba aus dem Spitzen-Trio der Liga verabschieden. Dass das, gelinde gesagt, ungünstig wäre, liegt auf der Hand.