Basketball

Warum Staiger bei Alba nur noch auf der Bank sitzt

Zu Saisonbeginn gehörte Lucca Staiger zum Stammpersonal bei Alba Berlin. Seitdem es bei den Berlinern jedoch sportlich besser läuft, ist der 23-Jährige nur noch Ersatz. Seine Achillesferse bleibt die Defensive.

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Es war ein Spiel fast nach dem Geschmack von Lucca Staiger. 37 Minuten stand er auf dem Basketballfeld, erzielte 16 Punkte, holte sieben Rebounds, gab sechs Korbvorlagen. „Er hat das gut gemacht“, lobte Alba Berlins Cheftrainer Gordon Herbert, „Lucca war mit viel Engagement dabei.“ Alba gewann 86:77. Als Makel bleibt, dass der Gegner am vergangenen Sonnabend BSV Wulfen hieß und es sich um eine Partie der Pro B, der dritthöchsten deutschen Spielklasse handelte. Staiger, 56-maliger Nationalspieler, war für Albas zweite Mannschaft im Einsatz.

Stammplatz auf der Bank

Bei den Profis hatte der 23-Jährige in den vergangenen Spielen einen Stammplatz auf der Bank – gegen München und Bamberg in der Bundesliga, gegen Podgorica und Turow Zgorzelec im Eurocup. Ob er am Dienstag beim Rückspiel in Polen (19 Uhr, live in Eurosport 2) ein paar Minuten bekommt, weiß er nicht. „Da muss ich mich durchbeißen, weiter hart arbeiten, dann kommen auch wieder bessere Zeiten“, sagt Staiger.

„Lucca ist noch jung und hat großes Potenzial. Er wird seine Chancen erhalten“, kündigt Herbert an. Nur wann? Und warum spielt er jetzt nicht? Es dauert, bis der Trainer den wunden Punkt nennt: „Er muss besser verteidigen.“

Langsamer als Pavicevics Großmutter

Albas Ex-Trainer Luka Pavicevic, sicher kein Anhänger deutscher Talentförderung, soll einmal über den jungen Mann geätzt haben, den würde sogar seine Großmutter in einer Besenkammer ausspielen. Es heißt, in internationalen Spielen hätten Albas Kontrahenten auf die Einwechslung Staigers reagiert, indem sofort danach alle Angriffe über seine Position geführt, die Duelle Eins-gegen-eins gegen ihn gesucht wurden. Häufig mit Erfolg.

Auch Sportdirektor Mithat Demirel erwartet: „Er muss stabiler in der Verteidigung werden.“

Nach gutem Beginn rausrotiert

Eigentlich sah es zu Saisonbeginn noch sehr gut aus für Staiger. Er wurde von Herbert in der Europaliga-Qualifikation zweimal in die Startaufstellung geschickt. Doch Alba scheiterte, auch der Ligastart verlief nicht nach Wunsch . Der Trainer baute um, Staiger war Opfer der Veränderungen. „Es geht nicht gegen ihn“, behauptet der Kanadier, „aber unsere jetzige Rotation funktioniert gut.“ Das kann man so sagen: Die Berliner haben zuletzt neunmal in Folge gewonnen. Herbert ahnt, wie bitter sich das für den jungen Deutschen anfühlen muss, Verlierer unter lauter Gewinnern zu sein: „Es ist nicht leicht für einen jungen Spieler, das auszuhalten, was Lucca gerade aushalten muss.“

Lucca Staiger quält die Situation, und ihn quälen spürbar auch die Fragen danach. Er wolle „im Training versuchen, die anderen noch besser zu machen“, antwortet er tapfer, „wir sind Freunde. Das Wichtigste ist der Erfolg der Mannschaft.“ Das ist lieb, aber ob es ihm hilft? Ob es der Mannschaft hilft? Eher nicht. Am besten wäre es, wenn es Staiger gelänge, einen anderen aus der Rotation zu verdrängen. Nur das Bessere ist des Guten Feind, so ist er schließlich auch in die zweite Reihe geschoben worden. Verteidigung wäre da wohl der beste Angriff.