Siegesserie

Simonovic steht symbolisch für Albas Aufschwung

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Sebastian Arlt und Jörg Rössner

Sieben Siege in den letzten sieben Spielen, Meister Bamberg geschlagen und im Eurocup noch unbesiegt: Die Basketballer von Alba Berlin kommen langsam in Fahrt. Und Flügelspieler Marko Simonovic hat daran besonderen Anteil.

Nach dem Spiel verabschiedete sich Marko Simonovic mit Bruderkuss von seinen Mitspielern, pardon, seinen ehemaligen Mitspielern. „Es war schon sehr emotional für mich“, gab er ehrlich zu. Drei Jahre lang hatte der Basketballprofi von Alba Berlin beim montenegrinischen Meister Buducnost Podgorica gespielt, bevor der 25-Jährige im vergangenen Sommer zu Alba wechselte.

Und nun standen sich am Dienstagabend im Eurocup ausgerechnet Berlin und Podgorica gegenüber. In Montenegro hatte er drei tolle Jahre gehabt, als Kapitän führte er das Team. Besonders innig fiel die Umarmung mit Trainer Dejan Radonjic aus, der ihn dort gefordert und gefördert hatte.

14 Punkte gegen Ex-Klub

„Ich bin doch Profi und spiele jetzt für Alba“, kam jedoch als Antwort auf die Frage, ob es Simonovic nicht schwer gefallen sei, gegen seinen Ex-Klub zu spielen, 14 Punkte zu machen – und am Ende einen 86:68-Erfolg zu feiern . Es war einfach ein rundum gelungener Abend für den 2,02 Meter großen Flügelspieler. Er schätzte seine Leistung richtig ein: „Das war mein bisher bestes Spiel im Alba-Trikot.“

Es war ihm anzumerken, wie zufrieden er mit sich und der Welt war. „Jetzt fühlt er sich hier richtig wohl“, hat Alba-Geschäftsführer Marco Baldi festgestellt. In Baldis Augen steht der in Pristina (Kosovo) Geborene „symbolisch für den Aufschwung“, den Alba in den vergangenen Wochen genommen hat: sieben Siege in den letzten sieben Spielen, Meister Bamberg geschlagen, im Eurocup noch unbesiegt. Jetzt folgt am Sonnabend die schwere Aufgabe bei Bayern München.

Missverständnis Ostende

Von Spiel zu Spiel hat die Mannschaft Fortschritte gemacht, wie eben auch Simonovic. „Er hat sich die ersten Wochen schwergetan“, erinnert sich der Berliner Sportdirektor Mithat Demirel. Sollte sich Geschichte wiederholen?

2006 hatte Simonovic erstmals als Profi den Balkan verlassen, war aus dem serbischen Nis ins belgische Oostende gewechselt. Der Ausflug endete in einem Desaster: Er hatte keinen Draht zum Trainer, spielte schlecht, fremdelte, auch weil er nur leidlich Englisch sprach, wegen Visumproblemen kam der sehnlich erwartete Familienbesuch nicht. Im Rückblick sagt er: „Ich war damals zu jung, das Ganze kam zu früh.“ Ende Dezember 2006 löste er den Vertrag auf und ging zurück nach Serbien.

Außerhalb des Balkans Fuß gefasst

Nun fühlt er sich reifer. „Es ist für mich die zweite Chance, außerhalb des Balkans Fuß zu fassen.“ Marko Simonovic ist offen, gibt gern – in Englisch – Auskunft, kommt mit seinen Mitspielern sehr gut zurecht. „Die Kameradschaft im Team ist großartig, da fühlt sich niemand allein“, sagt er lächelnd.

Sein Trainer, der jetzt Gordon Herbert heißt, lobt ihn: „Er wird immer besser. Er will unbedingt, man sieht es in seinen Augen.“ Für Simonovic ist es notwendig, dass sein Umfeld stimmt, er braucht eine Wohlfühl-Atmosphäre, um gute Leistungen zu bringen. Inzwischen hat er „viel Selbstvertrauen, zeigt Führungsqualitäten“, sagt Demirel.

Er ist ein Familienmensch, nicht unbedingt geschaffen für das Söldnerleben eines Basketballprofis. Vielleicht hat die Familie auch so zusammengeschweißt, dass sie in den Kriegswirren vor zwölf Jahren aus dem Kosovo nach Belgrad hat fliehen müssen. „Von Belgrad aus ist man mit einem Direktflug schnell in Berlin“, freut er sich. „Die Stadt ist toll und interessant, da kommt Besuch gern her.“ Ihm kann das nur Recht sein. „Ich kann noch viel besser spielen“, sagt er. Marko Simonovic ist im zweiten Anlauf erwachsen geworden.