Alba vs. Bamberg

Julius Jenkins spielt auf der falschen Seite

Ex-Alba-Spieler Julius Jenkins kehrt am Sonntag nach Berlin zurück. Im Sommer begab er sich mit dem Wechsel zu den Brose Baskets Bamberg in eine "No-go-Area". Vor möglichen Schmährufen der Fans während des Spitzenspiels hat er keine Angst.

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Julius Jenkins windet sich. Der Basketballprofi ist sowieso keiner, der gern ausführlich Auskunft über sich und sein Gefühlsleben gibt. Es sei „natürlich ein besonderes Spiel“, wenn sich am Sonntag in der O2 World (17 Uhr, live bei Sport1) Alba Berlin und die Brose Baskets Bamberg gegenüberstehen. „Das sind schließlich die beiden Topteams der Liga.“ Kein Wort erst einmal allerdings dazu, dass ja gerade er im Blickpunkt stehen wird beim brisanten Spitzenspiel.

Julius Jenkins, fünf Jahre lang bei Alba Berlin unter Vertrag, in jedem Jahr Topscorer des Teams. Egal, ob der Trainer Henrik Rödl, Luka Pavicevic oder Muli Katzurin hieß. Und ausgerechnet er wechselte im vergangenen Sommer zu den Brose Baskets Bamberg. Eine „No-go-area“, wenn es nach den Berliner Fans geht. „Das Ganze würde sicher nicht für so viel Aufsehen sorgen, wenn er zu einem anderen Verein als nach Bamberg gegangen wäre“, ist sich Marco Baldi, der Geschäftsführer von Alba Berlin, sicher.

Die Fragen sind ihm eher lästig

Jenkins möchte das Thema am liebsten nicht breit treten. „Ich hatte eine sehr schöne und erfolgreiche Zeit in Berlin, es waren die besten Jahre meiner Karriere“, sagt der US-Amerikaner. Er spricht vom Profidasein als einem schnelllebigen Geschäft. Und überhaupt: „Ich mache mir keine Gedanken mehr über die Vergangenheit.“ Dieser Satz, ein typischer Jenkins: Keine Gedanken machen über das, was war, keinen Kopf machen darüber, was sein könnte, nur fokussiert sein auf die nächste Aufgabe – das ist das Credo des 30-Jährigen. „Was ihr immer für Fragen stellt…“, antwortete er in Berlin schon mal kopfschüttelnd den Journalisten, die von ihm etwas Genaueres wissen wollten.

Aber natürlich bleiben auch jetzt Fragen. Was er denn erwarte, wenn er wieder in die O2 World zurückkommt? Im Trikot der Mannschaft, die man bei Alba so wenig liebt wie Bauchschmerzen.

Noch einmal spricht er von schönen Erinnerungen an die fünf Jahre. Jahre. In denen er 2006 aus Bree (Belgien) kommend mit Alba Meister (2008), Pokalsieger (2009) wurde und 2010 im Finale um den Eurocup stand. In der Bundesliga wurde er 2008 und 2010 zum „wertvollsten Spieler“ (MVP) gewählt. Auch privat hat sich viel ereignet. Er hat während dieser Zeit seine Freundin Kimberly geheiratet, am Weihnachtstag 2008 wurde Töchterchen Kamari Lee geboren.

Und jetzt, wenn ihn nicht nur Beifall, sondern auch Schmährufe empfangen dürften? „Wenn mich die Fans nun ausbuhen, kann ich nichts dagegen tun. Das ist dann aber auch nicht weiter wichtig.“ Er gebe jetzt sein Bestes für Bamberg. Punkt.

Wie früher für Alba

Julius Jenkins hat in besagten fünf Jahren insgesamt 272 Spiele für Alba bestritten, er hat dabei 4154 Punkte erzielt. In der Ahnengalerie der Berliner stehen nur noch Wendell Alexis (5922 Punkte/341 Spiele) und Henrik Rödl (5226/512) vor ihm. Doch der Mann mit dem wehenden Rasta-Zopf schaffte es nie, eine solche Identifikationsfigur zu werden wie diese Beiden. An Julius Jenkins haben sich immer die Geister geschieden. Mal zu Recht, mal zu Unrecht wurde ihm vorgeworfen, zu weich zu sein. In der entscheidenden Phase abzutauchen, nicht der Mann für die ganz großen Momente zu sein.

Ein Image, das er nicht loswurde, das er aber auch immer mal widerlegte. Ob 2009 beim Pokalsieg gegen Bonn oder 2008 im entscheidenden vierten Play-off-Finalspiel ebenfalls gegen Bonn – Jenkins war jedes Mal ein Garant für den Sieg. Im denkwürdigen fünften Finalspiel am 18. Juni 2011 in Bamberg lag es bestimmt nicht an ihm, dass Alba ganz knapp scheiterte. Jenkins war mit 22 Punkten der Beste.

Sein Abgang war nicht geräuschlos

Damals ahnte wohl noch niemand, dass Jenkins etwa fünf Wochen später ein Bamberger werden würde. Baldi wirkt sehr cool, wenn er über den Abgang des Berliner Protagonisten der vergangenen Jahre spricht: „Es ist ja auch ein Stückweit Normalität, dass ein Spieler die Fronten wechselt.“ Jenkins' Abgang war nicht ganz geräuschlos. Sein Agent Patrick King und Baldi haben eine unterschiedliche Sicht der Dinge, warum man nicht mehr zusammenkam. Über die Medien wurden die Ansichten damals ausgetauscht. Unstrittig ist, dass Jenkins bei den Berliner Zukunftsplanungen im vergangenen Sommer nicht – wie in den Vorjahren – gesetzt war, sondern dass der Klub erst einmal die Priorität auf die Verpflichtung eines Spielmachers (DaShaun Wood) und eines Centers (Torin Francis) legte. Jenkins musste warten, wäre laut King gern in Berlin geblieben; irgendwann wollten Jenkins/King aber nicht mehr warten.

Jetzt also Bamberg, wo er einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat. „Ich wollte Julius schon verpflichten, als er noch in Belgien gespielt hat“, erzählt Bambergs Trainer Chris Fleming. Damals war er selbst noch Coach bei den Artland Dragons. „Er ist ein toller Spieler und Mensch“, lobt der Bamberger Geschäftsführer Wolfgang Heyder. Jenkins freut sich darüber, wie gut er vom fränkischen Publikum angenommen wurde, schließlich war er zu Alba-Zeiten einer der Hauptfeinde in Bamberg. Es habe von Beginn an beim Publikum „keine Vorbehalte“ gegen ihn gegeben, berichtet Heyder.

Nein, die Stimmung ist spätestens nach seinem Auftritt am Donnerstagabend in der Europaliga gegen Champion Panathinaikos Athen in Begeisterung umgeschlagen. Jenkins gelangen in der zweiten Hälfte alle seiner 13 Punkte. „Er hat uns offensiv getragen, er war überragend“, jubelte Fleming nach dem sensationellen 79:76. Dabei war Jenkins noch etwas müde gewesen. Erst am Tag vor dem Spiel war er nach einem mehrtägigen USA-Aufenthalt zurückgekehrt. Er war bei der Geburt seiner zweiten Tochter dabei.