Brose Baskets

Alba verunglimpft Bamberger als Landeier

Vor dem Spitzenspiel gegen Bamberg heizen die Berliner die Stimmung an und werfen der Nummer eins vor, das Gefühl für die Realität zu verlieren. Die selbstbewussten Bamberger könnten, sollte es nach Alba gehen, einen Dämpfer gebrauchen.

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Bei Alba Berlin lässt man sich gern mal etwas Neues einfallen. Nicht, dass sich der achtmalige deutsche Basketball-Meister erst jetzt auf Facebook präsentiert; das tut er schon länger und hat dort mehr als 18.000 Freunde, so viele wie kein anderer Bundesligist. Wie sich das für den Marktführer gehört. Aber dort ein Filmchen als Einstimmung auf das Spitzenspiel gegen die Brose Baskets Bamberg zu platzieren, ist schon eine Premiere. Und gewiss nicht dazu gedacht, neue Freundschaften zu schließen. „Ich will Bamberg unbedingt schlagen“, sagt da der Alba-Spieler Heiko Schaffartzik und betont finster: „Weil ich die einfach nicht mag!“ Das Video wird auch am Sonntag geboten, vor dem Anpfiff auf dem großen Videowürfel in der O2 World (Spielbeginn 17 Uhr).

Parallel erfreut Hauptsponsor Alba Group die Fans mit der Aktion „Dein Spruch zum Spiel gegen Bamberg“. Da wird der Berliner Anhang aufgefordert, Plakate, Fahnen oder Banner zu entwerfen. Textvorschläge: „Bei Alba in Berlin läuft Bauer sucht Frau nur im Fernsehen“. Oder „…gibt es mehr Menschen als Kühe“. Oder „…gibt es Landeier nur im Bio-Markt“. Mitzubringen zum Spiel am Sonntag. So lange ließen die Reaktionen aus dem Fränkischen nicht auf sich warten. „Die Bauern kommen nur, um ganze Arbeit zu leisten. Von Bauern lernen heißt siegen lernen“, postete „Pat Bou“ auf Facebook. „Daemo Nicus“ vermutete, das Ganze sei nur ein Versuch, die Halle voll zu bekommen; pfiffiger Einwand, tatsächlich waren gestern noch über 2000 Tickets für das Topspiel zu haben. „Andre Dicker“ nahm es sportlich: „Sie sind motiviert, das ist doch toll.“ Und kündigte schon mal an: „Auch den Spruchwettbewerb gewinnt Bamberg.“

Bamberg ist die Nummer eins

Nun sind sie daheim in der Stechert-Arena ja auch nicht zimperlich mit ihren Gästen. Da wird ohne Pause getrommelt, gebrüllt und, wenn es blöd läuft, auch mal gespuckt und gepöbelt. Dass jetzt von Berliner Seite zurückgeschlagen wird, erinnert an selige Scharmützel zwischen Alba und Bayer Leverkusen – als es das noch gab. Wiewohl Bambergs Manager Wolfgang Heyder besänftigt: „Ich hege nichts Negatives. Alba ist vorbildlich in vielen Bereichen. Es gehört doch zum Tagesgeschäft, dass auch mal ein paar Seitenhiebe verteilt werden. Es gibt kein schlechtes Verhältnis zwischen den Klubs.“ Sein Berliner Kollege Marco Baldi stimmt einerseits zu: „Ich mag Wolfgang, wirklich! Ich respektiere sehr, was die Bamberger auf die Beine gestellt haben.“ Er sagt aber auch: „Nur die Märchen nerven!“

Die Erfolge des Kontrahenten, der zuletzt zweimal das Double aus Meisterschaft und Pokalsieg schaffte, sprechen für sich: Bamberg ist sportlich unangefochten die Nummer eins. Die Berliner mögen nur nicht mehr hören, dass diese Titel gegen irgendwelche Übermächte gewonnen würden. Heyder tut gern so, ihm selbst ist aber kürzlich in einem Interview herausgerutscht, dass sein Team vier Millionen Euro kostet. So viel Geld, versichert Baldi, habe Alba nicht zur Verfügung. Marko Pesic, Sportdirektor beim FC Bayern München, pflichtet dem bei: „Bamberg hat die teuerste Mannschaft der Liga.“ Baldi ärgert das Gebaren des Meisters: „Der Heyder geht zu seinen Stoscheks und Stecherts (die Hauptgeldgeber der Brose Baskets, d.Red.) und sagt: Die Großen wollen uns ärgern, wir müssen mitziehen. Da sage ich nur: Hört mal auf, Märchen zu erzählen.“

Gleich die ganze Bundesliga wurde andererseits beleidigt, als aus Bamberg sinngemäß verlautete, die nationale Konkurrenz sei zu schwach; so seien die eigenen Misserfolge in der EuroLeague zu erklären. „Ein guter Klub macht so etwas nicht“, moralisiert Alba-Sportdirektor Mithat Demirel, „wer zweimal hintereinander Meister geworden ist, sollte dennoch Respekt vor den Gegnern haben.“ Etwas lockerer sieht es sein Münchner Kollege Pesic: „Wenn man wie Bamberg zweimal Meister und Pokalsieger wurde, verliert man auch ein bisschen das Gefühl für die Realität.“

Mons statt Panathinaikos

Die Realität haben wiederum die Berliner erkannt, was vielleicht ein wenig dazu beiträgt, dass die Rivalität gegenüber Bamberg auch abseits des Spielfeldes zunimmt. Die Bamberger spielen jetzt in der Europaliga gegen Panathinaikos Athen, Alba im zweitklassigen Eurocup gegen Mons-Hainaut. Die Bamberger sind verlustpunktfreier Tabellenführer, Alba verlor in Bremerhaven sowie Hagen und belegt Rang fünf. Berlin war in den vergangenen acht Jahren einmal Meister, Bamberg viermal. Das nagt. „Wir wollen in die EuroLeague“, sagt Baldi, „ohne zu beweinen, dass da nur Platz ist für ein deutsches Team, für den Meister.“ Und vergisst ganz zu erwähnen, dass sein Klub in den vergangenen drei Jahren die Chance hatte, über ein Qualifikationsturnier nachzurücken. Und dreimal grandios scheiterte.

Wenigstens war eines noch immer unstrittig: Dass Alba Berlin neben Dirk Nowitzki die einzige bekannte Basketball-Marke in Deutschland ist. Auch das droht nun ins Wanken zu geraten, weil es Bayern München in der Basketball-Bundesliga gibt. „Sie werden in der Welt zuallererst mit Fußball assoziiert“, sagt Baldi, weiß aber auch: „Bayern hat das Potenzial und die Kraft, in kurzer Zeit neben der Fußball-Marke auch eine starke Basketball-Marke zu werden.“ Kleine Stichelei am Rande: „Ob Bamberg jemals da hinkommen kann, weiß ich nicht.“

Gleichwohl ist Baldi bewusst, Basketball-Marke hin oder her, bei mittlerweile 1000 Mitgliedern im Verein und somit einer stärkeren Verankerung als jeder Konkurrent, bei Europarekorden in der Zuschauerbilanz, bei einer stabilen Finanzpolitik: „Das oberste Ziel, das wir haben, ist, sportlich erfolgreich zu sein. Es gibt für einen Profiverein nichts Wichtigeres, als Titel zu gewinnen.“ Darum geht es, und darum geht es auch in dieser frühen Saisonphase schon am Sonntag. Und so darf man das Vorspiel auch einordnen, wenn der Manager sagt: „Wir werden alles, alles machen, um sportlich so erfolgreich wie möglich zu sein – weil das unsere Kernaufgabe ist.“ Natürlich nicht so, wie das andernorts geschieht, nächster Seitenhieb gegen Bamberg, diesmal gegen das dortige Mäzenatentum: „Es war nie unser Ziel, dass Privatpersonen uns über Wasser halten. Und wenn sie dann mal schlechte Laune haben, stürzt alles ein.“

Dann lieber mit der Mobilisierung der eigenen Kräfte. Die momentan – sagen wir es so – sehr selbstbewussten Bamberger könnten mal einen kleinen Dämpfer gebrauchen. Das gelingt leichter, wenn man es schafft, die oft sehr braven Alba-Fans ein bisschen in Stimmung zu bringen, eine Atmosphäre zu schaffen, die eines Heimspiels gegen den Meister würdig ist. Lustig angefangen hat es schon mal.