Basketball

Alba-Trainer trotz klarem Erfolg unzufrieden

73:61 – Albas Erfolg in Gießen liest sich gut, zumal der Sieg nie gefährdet war. Trotzdem verhielt sich Trainer Herbert wie nach einer Niederlage. Dazu veranlasste ihn besonders der treffsicherste Berliner.

Foto: Bongarts/Getty Images

Die Sätze von Gordon Herbert waren kurz, aber seine Worte deutlich. „Ich bin nicht zufrieden, wie wir teilweise gespielt haben“, sagte der Cheftrainer von Alba Berlin. Und: „Wir waren zu abhängig von DaShaun Wood.“ Es hatte fast den Eindruck, als müsse der Coach eine Niederlage erklären. Dabei hatte das Berliner Basketballteam ohne große Probleme bei den Gießen 46ers mit 73:61 (41:28) gewonnen . Der Anspruch der Berliner ist aber ein anderer, ein Sieg allein gegen ein Team aus den Niederungen der Tabelle reicht nicht. Auch wenn Alba-Geschäftsführer Marco Baldi sagt: „Erst einmal ist es gut, dass wir gewonnen haben, wir haben ja unsere Erfahrungen gegen vermeintlich Schwächere…“ Es gab überraschende Niederlagen in Hagen und Bremerhaven.

Erfolg in keiner Phase gefährdet

Niederlage Nummer drei drohte in Gießen zwar nicht, „weil wir das Spiel immer kontrolliert haben“, wie es Sportdirektor Mithat Demirel ausdrückt. Doch es zeigte sich erneut ein Phänomen, das bisher noch den Alba-Jahrgang 2011/2012 begleitet. Baldi bringt es auf den Punkt: „Die Mannschaft hat den Hang, zu schnell zufrieden zu sein und dann nachlässig zu werden.“ In Hagen und Bremerhaven wurden komfortable Führungen verspielt.

In Gießen hieß es nach 27 Minuten 60:38 für ein bis dahin starkes Alba-Team. Und eben dieser 22-Punkte-Vorsprung verführte die Mannschaft, es lockerer angehen zu lassen. „Bei einer solchen Führung muss man weiter konzentriert spielen und den Gegner dahin bringen, dass er endgültig seinen Glauben beerdigt, vielleicht doch noch eine Chance zu haben. Das haben wir versäumt“, kritisiert Baldi.

21 Punkte von Wood

Als die Gießener bis auf elf Zähler (60:49/31. Minute) herangekommen waren, schickte Herbert schnell Spielmacher Wood zurück aufs Parkett, der mit fünf Punkten in Serie wieder für Ruhe sorgte. Herbert: „Eigentlich hätte ich ihn lieber länger auf der Bank gelassen.“ Wood überragte bei Alba mit 21 Punkten. Baldi vermisste Energie von der Bank: „Die, die sich wünschen, mehr zu spielen, sollten dann aber auch voll da sein. Aber in Gießen mussten wieder eher die Leistungsträger die Kastanien aus dem Feuer holen.“ Wie eben Wood.

„Deutlich Platz für Verbesserungen“ sieht Baldi. Zulegen muss das Team in den kommenden Tagen: Erst am Dienstag beim Eurocup-Auftakt in Mons (Belgien), dann am Sonntag gegen Meister Bamberg. Dass die internationale Aufgabe nicht voll konzentriert angegangen werden könnte, weil Bamberg bereits im Hinterkopf ist, glaubt Baldi nicht. „Diese Befürchtung hatte ich eher in Hinblick auf das Spiel in Gießen.“ Zumindest phasenweise wurde er darin bestätigt.