Basketball

Alba verliert Julius Jenkins an Bamberg

Topscorer Julius Jenkins verlässt nach fünf Jahren Alba Berlin. Der Vertrag von BryceTaylor wird hingegen verlängert. Aufsteiger Bayern München hat gleich ein hochkarätiges Trio verpflichtet.

Foto: Bongarts/Getty Images

Wenn sich die eingefleischten Basketballfans in Deutschland austauschen, tun sie das gern über die Internetplattform www.schoenen-dunk.de . Am Donnerstag war es teilweise schwierig mit der Kommunikation, denn nicht selten war die Seite überlastet. Kein Wunder, gab es doch Gesprächsstoff ohne Ende, nachdem sich die Personalien schier überschlagen hatten. Da wurde bekannt, dass Julius Jenkins nach fünf Jahren nicht mehr bei Alba Berlin spielen wird, dafür wurde allerdings der Vertrag mit Bryce Taylor um ein Jahr verlängert. Und dann der FC Bayern München, der Premium-Aufsteiger. Gleich der Zugang von einem Trio wurde gemeldet – und was für eins: So kommen Nationalspieler Robin Benzing (bisher Ulm, Vertrag bis 2013), Je'Kel Foster (Cremona/Italien, 2013) und der ehemalige Alba-Profi Sharrod Ford (Montegranaro/Italien, 2012).

Es ist sehr viel in Bewegung, die Fans dürfen sich schon auf die kommende Saison freuen, wenn neben dem Double-Gewinner der vergangenen zwei Jahre, den Brose Baskets Bamberg, in Alba und eben Bayern München gleich drei Klubs an den Start gehen, die als Ziel den Titel angeben. Das hat es in der Bundesliga noch nie gegeben. Bisher hatten sich die Bayern noch etwas bedeckt gehalten, gestern jedoch war von Vereinspräsident Uli Hoeneß zu hören: "Wir wollen so schnell wie möglich Meister werden.“ Mit Blick auf den hochkarätigen Kader sprach er von "vielen Raketen“.

Bayern-Coach Dirk Bauermanns Mannschaft steht, er ist mit den Planungen am weitesten, gefolgt von den Bambergern und Alba. Die Berliner haben noch einige offene Baustellen. Umso mehr, nachdem nun feststeht, dass Jenkins künftig für einen anderen Klub spielt. Wer das sein wird, ist noch von keiner Seite offiziell bestätigt worden. Doch es wird sich ausgerechnet um Bamberg, den großen Alba-Rivalen und zuletzt Gegner in der Finalserie, handeln. "Wir wollen ihn, aber es ist noch nicht durch“, sagte Baskets-Geschäftsführer Wolfgang Heyder. Bald werde wohl alles geklärt sein. Vielleicht wird heute schon Vollzug gemeldet.

Bayern hat also ganz groß zugeschlagen, Bamberg dürfte in der kommenden Spielzeit nicht schwächer sein als zuvor. Und Alba? Gordon Herbert, der neue Trainer, hat bisher DaShaun Wood (Spielmacher), Marko Simonovic (Flügel) und Torin Francis (Center) als Neue im Kader, hinzu kommen Taylor und die weiter unter Vertrag stehenden Derrick Allen, Heiko Schaffartzik, Yassin Idbihi, Lucca Staiger und Sven Schultze. Jetzt wird unter anderem noch ein Jenkins-Ersatz gesucht.

In dem Amerikaner fehlt nun ein Profi, der in den vergangenen Jahren das Spiel der Berliner geprägt hat. "Er ist ein sehr verdienter Spieler“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi zum Abschied des 30-jährigen US-Amerikaners, der für Alba insgesamt 4154 Punkte erzielt hat. Ein "Protagonist“ sei er gewesen. Der Mann mit dem Rasta-Zopf war bei den Fans nicht unumstritten. Immer mal kam auch Kritik auf, dass er in der entscheidenden Phase abtauchen würde. Doch viele Spiele wurden eben durch ihn gewonnen, jahrelang war er Topscorer.

"Jenkins hat sich entschieden, die Albatrosse nach fünf Jahren zu verlassen. Das teilte sein Agent der sportlichen Leitung von Alba mit“, heißt es im Wortlaut in der Berliner Pressemitteilung. Teammanager Mithat Demirel spricht davon, dass sich Jenkins "offenbar für ein anderes, hoch dotiertes Angebot entschieden hat“. Das will Patrick King, der Berater von Jenkins, so nicht stehenlassen. "Das klingt so, als habe Jenkins Alba einfach von sich aus verlassen.“ Die Berliner hätten seinem Klienten gar kein Angebot gemacht.

Sein Berater widerspricht

"Julius wollte aber gern in Berlin bleiben“, erklärte King. Deshalb habe man weiter gewartet, andere Angebote nicht in Erwägung gezogen. Man habe dann eine Deadline gesetzt, bis zu der man von Gordon Herbert wissen wollte, was nun werden solle, ob Jenkins überhaupt in den Planungen von Alba eine Rolle spiele. Alba habe sich nicht rechtzeitig erklärt – also orientiere sich Jenkins jetzt anderweitig.

Baldi erklärte, dass die Entscheidung "für uns nicht überraschend kommt“. In den Jahren zuvor sei Jenkins "immer gesetzt“ gewesen. Ein Team wurde um ihn als Hauptfaktor herum gebaut. "Für uns stellte sich die Frage: Setzen wir ihn gleich wieder oder gehen wir diesmal eine andere Reihenfolge?“, sagte Baldi. Man entschied sich für die zweite Variante: Spielmacher und Center hatten Vorrang, Wood und Francis wurden zuerst verpflichtet.

Dass es für Alba nicht absolute Priorität hatte, Jenkins zu halten, spiegelt sich auch in Baldis Aussage wider: "Für Gordi (Anm. d. Red.: Trainer Gordon Herbert) ist besonders wichtig, dass Spieler noch Potenzial haben.“ Mit Blick auf Jenkins und Immanuel McElroy (31), der Alba in Richtung Braunschweig verlässt, fügte er an: "Beide haben große Qualität, sind aber von ihrem Potenzial her am Zenit angelangt.“

Anders als bei besagtem Duo soll es bei Bryce Taylor (24) sein. "Er ist bestimmt noch nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen“, sagte Herbert. "Ich mag seine Energie, seinen Enthusiasmus und seine vielseitigen basketballerischen Fähigkeiten.“ Taylor hatte gleich nach dem verlorenen fünften Finalspiel gegen Bamberg erklärt: "Ich möchte sehr gerne bei Alba bleiben.“ Jetzt sagte er: "Ich bin sehr glücklich, weiter hier zu spielen.“