Niemand hätte das Finale dieser Basketball-Saison in einem Drehbuch dramatischer erfinden können. Im letzten Spiel wird am Sonnabend in Bamberg entschieden, wer Meister wird – Alba Berlin oder die Brose Baskets. Großen Anteil daran, dass die Berliner die „Best of five“-Serie zum 2:2 ausglichen, hatte Heiko Schaffartzik (27), der im vierten Spiel Überragendes bot.

Morgenpost Online: Sie spielten in Ihrer Karriere bereits für neun Klubs. Ist es Ihr erstes fünftes Spiel in einem Finale?

Heiko Schaffartzik: Ja, ich stand früher schon einmal mit Alba im Endspiel, auch gegen Bamberg, aber da endete die Serie 3:0.

Morgenpost Online: Beide Teams haben zwei Siege auf dem Konto und wollen mit einem dritten den Titel. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Schaffartzik: Ich denke nicht sehr viel daran und mache andere Sachen. Das Spiel ist zwar die ganze Zeit irgendwo im Hinterkopf, ich lasse es aber nicht so an mich heran. Aus meiner Erfahrung weiß ich, die Spannung wird da sein und auch die Motivation, das ist ein Selbstläufer, da kann man jetzt tun oder lassen, was man will.

Morgenpost Online: Haben Sie in Ihrer Karriere schon jemals so eine Auf-und-Ab-Saison erlebt?

Schaffartzik: Für mich ging das ja schon in der Türkei los. Dort habe ich erst sehr viel gespielt, dann mal für vier Spiele auf der Tribüne gesessen, dann 30 Minuten, dann fünf. Der Trainer wurde gefeuert, der nächste kam, das war sehr anstrengend, weil ich nie wusste, was am nächsten Tag passiert und die sportliche Situation nie klar war.

Morgenpost Online: Und bei Alba?

Schaffartzik: Da hat es eine gewisse Zeit gebraucht, bis ich aus den Startlöchern gekommen bin. Erst war der eine Trainer da, dann der nächste, und ich wusste nicht so recht, was ich eigentlich tun soll. Das hat sich ja dann aber herauskristallisiert, und seitdem hat es sehr viel Spaß gemacht.

Morgenpost Online: Aber die Mannschaft hat mal überragend gespielt wie zuletzt gegen Bamberg. Es gab aber auch unerklärliche Einbrüche wie der 2:18-Start im zweiten Finale.

Schaffartzik: Da machen Außenstehende mehr draus, als es wirklich ist. Natürlich war der Trainerwechsel eine riesige Umstellung, auch für den Trainer. Dann kamen ja auch mit Taylor Rochestie und Miro Raduljica und mir drei neue Spieler. Ich sehe keine so großen Aufs und Abs und keine Krisen. Wenn man mit 2:18 nach sechs Minuten zurückliegt, muss man sich auf das besinnen, was man kann und daran denken, dass noch 34 Minuten zu spielen sind. Wir stehen im fünften Spiel des Finales – ich weiß nicht, was die Leute wollen.

Morgenpost Online: Ihr Vertrag mit Alba gilt auch kommende Saison. Werden Sie Meister, würden Sie dann in der Europaliga spielen. Denken Sie öfter auch daran?

Schaffartzik: Nein, ich konzentriere mich völlig auf das Spiel in Bamberg.

Morgenpost Online: Sie haben aus gemeinsamen Gießener Zeiten einen sehr guten Freund in der Bamberger Mannschaft, Anton Gavel. Dem haben Sie im letzten Spiel ganz schön einen mitgegeben. Gab es da Gesprächsbedarf?

Schaffartzik: Nö. Ich habe ihm auch nicht hoch geholfen. Nach dem Spiel habe ich ihn dann aber in den Arm genommen und gesagt: Du weißt doch, ich hab’ dich trotzdem lieb, und er hat gelacht, ja, ja ist schon okay.

Morgenpost Online: Waren das NBA-Finale und der Titelgewinn von Dirk Nowitzki im Team ein Thema?

Schaffartzik: Ein großes sogar. Weil wir als Deutsche jetzt gerade die Amerikaner schön aufziehen können. Das fanden einige nicht immer lustig, dass jetzt ein Deutscher der beste Spieler der NBA ist, aber meiner Meinung nach ist das so. Nowitzki ist der beste Spieler der besten Mannschaft, Punkt. Ich habe mir übrigens keines der Spiele angesehen. Was Dirk gesagt hat, hat mich am meisten interessiert.

Morgenpost Online: Sie hatten in den vergangenen beiden Jahren, in denen Nowitzki pausierte, eine Führungsposition in der Nationalmannschaft. Hoffen Sie darauf, mit ihm die EM in Litauen zu spielen?

Schaffartzik: Ich würde unheimlich gern mit ihm zusammen spielen. Er ist zur Zeit einer der besten, wenn nicht der beste Basketballspieler auf der Welt. Mit ihm in einer Mannschaft zu spielen, wäre schon toll.

Morgenpost Online: Muli Katzurin hat eine sehr eigene Art zu coachen. Wenn es läuft, spielt der weiter, der gerade auf dem Parkett ist, egal, wer auf der Bank sitzt. Zuletzt sind Sie und Taylor Rochestie heiß gelaufen, Julius Jenkins sah zu. Ist es schwer, sich daran zu gewöhnen?

Schaffartzik: Am Anfang war es sehr schwer, zumal für Aufbauspieler andere Maßstäbe gelten: Wir sind sein verlängerter Arm auf dem Feld. Ich habe mich jetzt daran gewöhnt und weiß, dass ich spielen werde, egal was war. Es liegt einzig an mir, etwas daraus zu machen. Ich finde das mittlerweile enorm positiv, weil ich es bisher noch nie erlebt habe, dass es einem Trainer einzig und allein darum geht, wie die Mannschaft spielt, egal mit wem. Es könnte auch der Balljunge sein, wenn er gut spielt, säße der, der das meiste verdient auf der Bank. Davor habe ich sehr großen Respekt.